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Gibt es in Zukunft mehr Tanzveranstaltungen in Castrop-Rauxel?

rnSteuer ausgesetzt

Der Stadtrat hat in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen: Die Tanzsteuer wird in den kommenden drei Jahren ausgesetzt. Eine Chance für mehr Partys in der Stadt? Das ist der Plan.

Castrop-Rauxel

, 05.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Die Initiative zu diesem Plan ging von der Forum GmbH aus: Sie ist die städtische Gesellschaft, die sich um die Stadt- und die Europahalle, die beiden großen Veranstaltungshallen am Stadtmittelpunkt, kümmert. Dort ist Platz für große Veranstaltungen: Konzerte, Bälle, Theater - aber eben auch Tanzveranstaltungen. 1600 Euro musste die Forum GmbH im vergangenen Jahr berappen: für die Silvesterparty, die sie dort ausrichtet.

Andere Veranstaltungen seien laut Geschäftsführer Peter Breuer nicht tanzsteuerpflichtig: Die Halloween-Party von Seven Cent zum Beispiel ist ein Konzert und fällt damit ebenso raus wie Abi-Bälle von ASG und EBG, die dort unter anderem in den vergangenen Jahren stattfanden. Dabei handelt es sich um private Tanzveranstaltungen, auch die sind ausgenommen.

Die Forum führt bisher 22 Prozent vom eingenommenen Brutto-Eintrittspreis an die Stadt ab. Die Gesellschaft hat die Absicht, ergänzend zur Silvesterparty weitere Tanzveranstaltungen auf die Beine stellen. Das würde die Auslastung der Hallen verbessern und wäre ein zusätzliches Angebot an die, die feste Diskotheken wie das Spektrum, das 2011 schloss, vermissen.

„Bisher knapp ein Viertel des gesamten Umsatzes“

„Das ist eine Erleichterung in der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen sämtlicher Art“, sagt Maurice Kerschner. Er ist einer vom Veranstalterduo, die die Ruhrgebeat-Partys im Mythos ins Leben gerufen haben und damit auch durchaus erfolgreich sind. „Die Vergnügungssteuer betrug bisher knapp ein Viertel des gesamten Umsatzes“, erklärt sein Kollege André Abbenhardt. Die habe man in der Kostenrechnung im Vorfeld natürlich berücksichtigen müssen.

Solidarfondsparty, Aids-Gala, Tanz in den Mai: weitere zum Teil sehr große Veranstaltungen in Castrop-Rauxel. Profitieren die Veranstalter alle von der Aussetzung der Steuer? Nein, denn diese kann man weitgehend als Konzerte klassifizieren: Die Auftritte der Künstler stehen im Vordergrund, auch wenn dazu natürlich getanzt wird. Konzerte aber sind in dieser Hinsicht abgabenfrei, und Benefizveranstaltungen haben auch noch einen besonderen Charakter.

„Den größten Vorteil“, so Maurice Kerschner von Ruhrgebeat weiter, „sehen wir darin, dass die Stadt Castrop Rauxel mit der Europahalle und Stadthalle für Fremdveranstalter attraktiver wird, welche bisher nach Dortmund, Bochum, Essen etc. ausgewichen sind.“ Dass es auch ohne diese Steuer geht, sehe man an einigen Nachbarstädten.

„Umso größer der Vorteil für Castrop-Rauxel“

In Essen, Dortmund und Bochum wird allerdings eine Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen erhoben. In Bochum beträgt sie 20 Prozent der Brutto-Einnahmen durch den Eintrittskarten-Verkauf, in Essen wird sie mit 1,50 Euro für jede angefangene 10 Quadratmeter Veranstaltungsfläche angegeben - und bei „Veranstaltungen mit erotisierender Wirkung beträgt der Steuersatz 1,60 Euro“ in Essen, so heißt es in der Satzung. „Umso größer der Vorteil von Castrop-Rauxel, wenn die Nachbarstädte eine Steuer erheben“, so Maurice Kerschner.

Gibt es in Zukunft mehr Tanzveranstaltungen in Castrop-Rauxel?

© Veranstalter

„Gerne möchten wir zukünftig im Frühjahr und im Herbst weitere Veranstaltungen bzw. Partys anbieten, wie zum Beispiel Tanz in den Mai und oder auch Ü-Partys, die sicherlich auch höhere Gastronomieumsätze erwarten lassen“, sagt Peter Breuer, Geschäftsführer der Forum GmbH. Aufgrund der Vergnügungssteuer sei das in der Vergangenheit für uns und für Fremdveranstalter uninteressant und wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. „Wir hoffen, mit der Aussetzung dieser Steuer unser Haus für Tanzveranstaltungen und Partys interessanter zu machen.“

„Ein Jahr Ruhrgebeat“ war eine der Partys, die in der Stadthalle stattfanden: Anfang November feierten rund 400 Gäste mit. Vielleicht werden es mehr, wenn es im April wieder „Ruhrgebeat“ in der Stadthalle geben wird. „Wir werden jetzt planmäßig öfter in die Stadthalle gehen, um auch örtlich etwas Kontinuität rein zu bringen“, sagt Maurice Kerschner. Dann auf jeden Fall ohne die Extra-Kosten für ihn und Abbenhardt. „Für uns steht ohnehin fest, dass wir nicht in eine andere Stadt als Castrop gehen“, so Abbenhardt am Montag.

Stadt verzichtet auf rund 6000 Euro pro Jahr - und spart an Aufwand

Jetzt erst recht nicht mehr: Die Politik stimmte im Stadtrat einstimmig für den Antrag der Verwaltung, die Steuer ab Januar für drei Jahre auszusetzen. Ende 2022 sieht man dann spätestens, ob es sich gelohnt hat. Die Stadtverwaltung kostet die Entscheidung rund 6000 Euro an Erträgen pro Jahr. Nach Auffassung der Verwaltung können Personalressourcen dafür ökonomisch sinnvoller in anderen Feldern der Steuererhebung eingesetzt werden. Nur bei einer Großdiskothek sei der Aufwand ökonomisch sinnvoll. Eine Stellenreduzierung sei aber ausdrücklich nicht möglich, so die Verwaltung in einer Stellungnahme.

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