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Landwirt Dingebauer glaubt, dass er der Afrikanischen Schweinepest nicht entkommen kann

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Für Landwirt Ulrich Dingebauer ist es eine Frage der Zeit, wann die afrikanische Schweinepest kommt. Die Schweine sind seine wichtigste Einkommensquelle. Aber viel vorsorgen kann er nicht.

Deininghausen

, 10.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Für Menschen ist die afrikanische Schweinepest unbedenklich, für Tiere tödlich. In Belgien und Tschechien ist sie schon angekommen. Der Castrop-Rauxeler Landwirt Ulrich Dingebauer hält rund 170 Schweine. Er befürchtet: „Ich schätze mal, die Pest kommt. Die Frage ist nur, wie intensiv.“

Wenn aus einem kranken Tier Wurstprodukte hergestellt wurden, sind die schon infiziert. Das Schreckensszenario ist demnach, dass ein Lkw-Fahrer aus den betroffenen Ländern sein Wurstbrot auf einem Rastplatz entsorgt, ein Wildschwein daran Gefallen findet und die Pest so nach Deutschland kommt und sich verbreitet - schließlich leben Wildschweine in freier Wildbahn. Auf den Rasthöfen an den Autobahnen weisen entsprechende Schilder darauf hin, Reste in geschlossenen Tonnen zu entsorgen.

Ulrich Dingebauer skizziert noch ein anderes Beispiel: Wenn jemand Urlaub in einem der betroffenen Länder gemacht hat und anschließend seinen Hof besucht, könnten die Tiere auch angesteckt werden. Das Virus kann auch an den Schuhen haften. „Im Moment mache ich nichts. Sollte die Pest in Deutschland angekommen sein, dürfen die Schweine weiter raus, die Leute aber nicht mehr dran“, erklärt der Landwirt. Auf seinem Neuland-Hof leben die Tiere in sogenannten offenen Ställen. „Sie haben alle eine Terrasse“, erklärt Dingebauer. Gäste können die Schweine besuchen.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“
Dr. Siegfried Gerwert, Veterinäramt Kreis Recklinghausen

Sollte die Pest tatsächlich in Deutschland ausbrechen, dürften bei Landwirten, Jägern und auch Veterinärämtern die Alarmglocken läuten. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, erklärt Kreisveterinär Dr. Siegfried Gerwert. Die Hausschweine machen ihm weniger Sorgen als die Wildschweine: „Ich weiß ja, wo die Tierbestände sind.“ In Castrop-Rauxel nicht nur beim Dingebauer, sondern auch noch auf Schwerin bei Landwirt Kremerskothen. Dort leben 1200 Schweine, allerdings in geschlossenen Ställen. Der Weg vom Ferkel bis zur Leberwurst ist in Deutschland absolut transparent - somit auch der Weg des Virus‘. Gerwert: „Bei Wildschweinen ist es aber ungewiss, wo sie sind und was sie machen.“ Daher wurden verschiedene Bekämpfungsszenarien mit verschiedenen Institutionen wie Straßen NRW und dem Wasser- und Schifffahrtsamt durchgespielt. Die zentrale Frage: Wie kann man die Verbreitung verhindern, wenn es soweit ist?

„Wenn ein infiziertes Wildschwein gefunden wird, brauchen wir das Fachwissen der Jäger“, erklärt Gerwert. Wie viele Tiere leben in dem Bezirk? Wie kann man sie finden, ohne sie zu verscheuchen?

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Erkrankt ein Schwein an der Pest, bekommt es sehr hohes Fieber - bis zu 42 Grad und innere Blutungen. Es stirbt. Ein Schwein kann aber auch infiziert sein, ohne das man es erkennt. „Das ist wie beim Menschen“, erklärt Gerwert. Man könne sich bereits mit Grippe angesteckt haben, ohne dass diese ausgebrochen ist. Wird das Schwein dann geschlachtet und Wurst daraus gemacht, ist diese auch infiziert und wiederum eine Gefahr für das Wildschwein, das das weggeworfene Brot finden könnte. Abgesehen davon, dass das geschlachtete Schwein seine „Kollegen“ angesteckt haben könnte.

Landwirt Dingebauer glaubt, dass er der Afrikanischen Schweinepest nicht entkommen kann

Ulrich Dingebauer vermarktet Fleisch und Wurst von etwa 6000 Neuland-Schweinen und 8000 Bioland-Schweinen im Jahr. Er fürchtet auch, dass die Schweinepest seinen Hof erwischen könnte – aber so richtig vorsorgen kann er nicht. © Stephan Schuetze

Hätte, wäre, wenn: Erkennt man die Krankheit beim lebenden Tier, müssen alle Tiere aus dem betroffenen Betrieb geschlachtet und entsorgt werden. Dann wird ein Sperrbezirk von drei Kilometern gezogen: „Dort werden die Schweine wiederholt untersucht“, erklärt Gerwert. Wenn andere Höfe ganz in der Nähe liegen, müsste man überlegen, die Tiere dort auch zu schlachten. Gerwert: „Es kommt immer auf die Gesamtsituation an.“ Zu dem Sperrbezirk kommt ein Beobachtungsgebiet von zehn Kilometern. Das Problem sei, dass das Virus zum Beispiel auch über Ratten und Mäuse von Hof zu Hof getragen werden könne. Oder über Reifenspuren.

Mit dem Schlachten der Tiere ist es nicht getan

Für die Landwirte ein Horrorszenario. Mit dem Schlachten der Tiere sei es nicht getan. „Ich kann dann weder den Metzger, noch meinen eigenen Laden beliefern“, erklärt Ulrich Dingebauer. Zunächst müsste dann alles desinfiziert werden, der Sperrbezirk müsste aufgehoben werden und er müsste neue Ferkel kaufen. Bis die dann wieder schlachtreif sind, vergehen viele Monate – und es fließt viel Geld raus aus der Kasse und wenig rein. Die Ferkel müssen nicht nur gekauft, sondern auch gefüttert werden. „Den genauen wirtschaftlichen Schaden kann ich aus dem Bauch heraus nicht beziffern“, so Dingebauer.

Die Landwirte müssen regelmäßig in die Tierseuchenkasse einzahlen und dort die Anzahl ihrer Tiere angeben. Die Kasse zahlt dann den Wertverlust des geschlachteten Bestandes. Dingebauer hat zudem eine Ertragsschadensausfall-Versicherung abgeschlossen. Die würde den Einkommensausfall übernehmen.

Kredite, Versicherungen: Des Landwirts Sorge und Absicherung

Das wäre aber alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er müsse schließlich regelmäßig Kredite bedienen und Versicherungen zahlen – ohne den Ertrag aus seiner Schweinehaltung ginge das nicht. Und er denkt auch an seine Kollegen, die sich um die Ferkelzucht kümmern: „Die werden ihre Ferkel dann nicht mehr los. Die Sau wirft weiter, da kann man nichts dran machen. Aber wenn die Schweinepest ausbricht, kann der Ferkelzüchter seine Tiere nicht mehr verkaufen.“

Mehr als abwarten kann Ulrich Dingebauer nicht: „Ich harre der Dinge“, sagt er.

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