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Patient ärgert sich über dreckiges Krankenzimmer im St.-Rochus-Hospital

rnGesundheit

In einem Krankenhaus Schimmelflecken und Haare des Vorgängers am Bett zu finden, ist wirklich fies. Erst recht, wenn man mit einer frischen OP-Wunde dort liegt.

Castrop-Rauxel

, 10.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Schimmelflecken, fremde Haare am Bett, fehlendes Toiletten- und Handtuchpapier, sowie leere Spender für Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe.

In einem Hotelzimmer würden die erstgenannten Mängel schon so manchen Gast gleich wieder vertreiben. In einem Krankenhauszimmer hingegen sollte so etwas auf keinen Fall vorkommen. Denn der Kunde kommt ja nicht zum Vergnügen, er hat nicht wirklich eine Wahl.

So ergangen ist es im April 2018 allerdings dem Berufskraftfahrer Mirko Schlüter aus Castrop-Rauxel, der sich Ende Januar an die Redaktion wandte. Am Samstag, 14. April, kam der Familienvater in die Notaufnahme des Rochus Hospitals.

„In der Nacht von Freitag auf Samstag hat sich bei mir ein schmerzhaftes Furunkel gebildet.“ Die Entscheidung der Ärzte im Krankenhaus: Der Entzündungsherd sollte noch am selben Tag operativ entfernt werden.

„Bis zum Eingriff musste ich lange warten. Erst am Abend bin ich dann auf mein Zimmer gekommen“, so Schlüter. Dort hoffte er, nach dem langen und für ihn natürlich unangenehmen Tag, auf Ruhe und ein Bett. Immerhin: Schlüter hatte das Glück, alleine im Zimmer zu liegen.

Schimmel und fremde Haare im Krankenzimmer

Nur, mit der Reinigung des Zimmers hatte man es wohl nicht so genau genommen. Schlüter fand Schimmelflecken an mehreren Stellen auf dem Boden, fremde Haare an seinem Bett, Spender für Handtücher, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel waren leer und es fehlte an Toilettenpapier.

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So sah es in Mirko Schlüters Krankenzimmer aus

10.02.2019
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Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
BildzeileSchimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter
Schimmelflecken und Haare des Vorgängers in seinen Krankenzimmer im Rochus-Hospital, dokumentierte Mirko Schlüter im April 2018 auf diesen Fotos.© Schlüter

„Ich bin ja kein Pingel, aber in einem Krankenhaus darf sowas doch nicht vorkommen. Hinzu kommt noch, dass ich eine frisch operierte Wunde hatte“, sagt Schlüter. Auf seine Kritik habe die Pflegekraft nur erwidert, „das sei eben so und ich solle mich nicht so haben.“

Auch auf ein spätes Abendessen wartete Schlüter nach eigener Aussage vergeblich. „Es sei schon nach 20 Uhr, da gebe es nichts mehr, hat man mir gesagt. Ich hatte über den Tag aber keine Chance gehabt, etwas zu essen.“

Endgültig geplatzt sei ihm der Kragen, als die Schwester am nächsten Tag, also am Sonntag, versucht habe, seine Wunde ohne Handschuhe zu versorgen. Das sei, so Schlüter, ja nicht nur für ihn unhygienisch, sondern auch für die Schwester.

„Die weiß doch nicht, was ich möglicherweise sonst noch so mit mir rumschleppe.“ Auf seine Ansprache habe es geheißen: „Die hole ich doch jetzt nicht vom Flur.“

Selbstentlassung aus dem Krankenhaus

Als Konsequenz entließ Schlüter sich noch am Sonntag selbst aus dem Rochus-Hospital. Nicht allerdings ohne diverse Beweisfotos von seinem Ekelzimmer zu machen, die er am Montag (16. April) nach einem Beschwerdegespräch dem Krankenhaus per E-Mail zusandte.

„Man werde sich darum kümmern, hat man mir versprochen.“ Auf Rückmeldung wartete Mirko Schlüter lange Zeit vergeblich.

Schließlich wandte er sich Ende Januar mit den Fotos an die Redaktion, schickte noch eine E-Mail ans Rochus-Hospital, mit der Bitte um Rückmeldung. Die kam dann auch recht prompt.

„Man habe vergessen mich noch mal zu informieren. Der Sachverhalt sei mit der zuständigen Reinigungsfirma geklärt worden“, gibt Schlüter den Inhalt der E-Mail aus dem Krankenhaus wieder.

Zufrieden ist Schlüter damit nicht. Von rechtlichen Schritten habe er bisher allerdings abgesehen. „Da rechne ich mir keine Chancen aus. Wegen eines schlecht gereinigten Zimmers passiert doch vor Gericht nichts“, sagt er. Unter den Tisch fallen lassen wolle er das Ganze aber auch nicht.

Reinigungsfirma soll Fehler gemacht haben

Auf Nachfrage beim Rochus-Hospital erhielt die Redaktion am Freitag eine ausführliche Antwort. Auf dem Stationszimmer, das Mirko Schlüter bezog, sei zuvor eine Grundreinigung durchgeführt worden, schreibt Oliver Lohr von der Standortleitung des Krankenhauses.

Dazu gehöre auch, Gegenstände wie Toilettenpapier, Handtuchpapier, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel aus dem Raum zu entfernen. Allerdings müssten diese im Anschluss auch wieder aufgefüllt werden. Nach den vorliegenden Bildern scheine die Grundreinigung des Zimmers nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden zu sein.

Man habe die Beschwerde über den Zustand des Zimmers von Mirko Schlüter am 16. April aufgenommen und inklusive der Fotos noch am selben Tag an den zuständigen Abteilungsleiter geschickt.

„Der hat sich mit der Objektleitung unserer Reinigungsfirma in Verbindung gesetzt, um auf die Versäumnisse hinzuweisen und sicherzustellen, dass es sich hierbei um einen Einzelfall gehandelt hat“, schreibt Lohr weiter.

Weitere Beschwerden unbekannt

Über Beschwerden in Hinblick auf die Verpflegung oder unhygienischem Vorgehen seitens der Pflegekräfte sei bisher nichts bekannt gewesen, so Lohr weiter. Demnach könne man hierzu auch nicht konkret Stellung beziehen.

Grundsätzlich stünden den Patienten aber die ganze Nacht über Reserveesssen zur Verfügung. Eine Verpflegung hätte also auch nach 20 Uhr noch möglich sein sollen.

Zu den fehlenden Handschuhen schreibt Lohr, dass die Händedesinfektion aus hygienischen Gründen bedeutend wichtiger sei, als das Tragen von Handschuhen. Die dienten „eher dem Arbeitsschutz des Mitarbeiters.“

Man werde die Hinweise von Mirko Schlüter dennoch zum Anlass nehmen, die Mitarbeiter auf das Tragen von Handschuhen beim Verbandwechsel und der Wundversorgung hinzuweisen.

Entschuldigung für fehlende Rückmeldung

Leider habe man versäumt, Mirko Schlüter zum Abschluss der Beschwerde eine schriftliche Rückmeldung zu geben. Das gehöre normalerweise standardgemäß zum Beschwerdemanagement des Krankenhauses.

Auf Schlüters E-Mail vom 31. Januar hin, habe man dies nachgeholt und sich für dieses Versäumnis bei ihm entschuldigt.

Der Ärger mit dem Furunkel selbst ist für Mirko Schlüter übrigens auch noch nicht vorbei. Entzündungen und Probleme bei der Wundheilung machten weitere Eingriffe nötig, zuletzt im Januar. Dafür ging Schlüter in ein Krankenhaus nach Herne. Aber das ist eine andere Geschichte.

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