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Sie zieren Stromkästen, Mauern und Tunnel – Hochburg für Graffiti ist aber wohl das Trafo. Seit Jahren bietet das Jugendzentrum Workshops für den Nachwuchs. Doch woher kommt diese Faszination?

Ickern

, 10.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Zielgenau richtet Kaya (11) die Sprühdose auf die vorgemalte Fläche und drückt ab. Die grüne Farbe zischt aus der kleinen Öffnung und rinnt etwas aus dem Rahmen – gar nicht so einfach. „Wir haben uns vorher Youtube-Videos angeschaut“, erzählt Tobias (11). Gemeinsam stehen die Freunde vor ihrer ersten Graffiti-Wand im Jugendzentrum Trafo. „Ich hab noch nie einen Sprayer live gesehen“, gibt Tobias zu. Die künstlerischen Schriftzüge in der Stadt fielen den beiden aber auf.

Graffiti prägen das Bild von Castrop-Rauxel: Schmierereien, aber auch die Auftragsarbeit mit den Wahrzeichen der Stadt im Tunnel an der Oberen Münsterstraße, das bunte Mario-Kart-Level auf der EUV-Anlage an der Klöcknerstraße oder eben das Ickerner Jugendzentrum Trafo.

Anlaufstelle für die Szene

Das Gelände ist unter Sprayern bekannt, hat sich als Anlaufstelle für die Graffiti-Szene etabliert. Schließlich stehen hier die einzigen Wände der Stadt, auf denen man – nach Absprache mit den Jugendarbeitern – legal sprühen darf. „Hier waren schon eine ganze Weile Sprayer aktiv – auch ohne unser OK“, sagt Trafo-Chef Armin Polfuß.

So wurde das Jugendzentrum Trafo zum legalen Zentrum für Sprayer

Trafo-Leiter Armin Polfuß hat die ersten Sprayer im Jugendzentrum gefragt, ob sie ein Ferienprogramm machen wollen. © Tobias Wurzel

Einer von ihnen war Mike Brauner. „Damals gab es noch gar nicht diese Base“, erklärt der Sprayer. Armin Polfuß habe ihn auf die Graffiti angesprochen und gefragt, ob er sich vorstellen könnte, ein Ferienprogramm daraus zu entwickeln. Inzwischen läuft „Graffiti-Streetart“ zum neunten Mal – allerdings ohne Brauner, der inzwischen in einer Offenen Ganztagsschule arbeitet und über die Facebook-Seite „Wildside Graffiti“ Auftragsarbeiten anbietet – etwa fürs Garagentor.

Neun mal Graffiti-Streetart

Armin Polfuß führt das Programm weiter. Acht Jugendliche von 11 bis 16 Jahren haben in dieser Woche das Sprayen gelernt: vom Siegeszug der Graffiti in den 70er-Jahren und der Verantwortung der Sprayer zu eigenen Skizzen und dem Besprühen der Trafo-Wände. Die Begeisterung für Streetart hält an, ist sich Armin Polfuß sicher: „Wenn die einmal die Dose in der Hand haben, sind die ganz happy.“ Das strahle Zugehörigkeit aus.

Zwei der Teilnehmer sind dem Trafo-Chef bekannt: „Greta ist schon eine richtige Stencil-Expertin“, sagt er und meint die filigranen Sprühvorlagen, die die 14-Jährige ausgeschnitten hat.

So wurde das Jugendzentrum Trafo zum legalen Zentrum für Sprayer

Die Jugendlichen schneiden auch Schablonen zum Sprühen, sogenannte Stencils.

Die Schablonen sind aber kein Muss; eine Skizze sollten die Jugendlichen jedoch stets für ihre Graffiti anfertigen. „Das machen auch die Cracks nicht mal eben so aus der Hand“, sagt Polfuß. Die „Cracks“ vermittelt er auch an Anwohner. „Es ist interessant, wie das angenommen wird, wenn es gut gemacht ist“, so Polfuß. Von dem Tunnel an der Oberen Münsterstraße, den Brauner mitgestaltet hat, seien Passanten „hellauf begeistert“.

Illegale Graffiti an der Gesamtschule

Aber nicht alle Graffiti kommen gut an: Probleme habe die Stadt etwa mit den illegalen Graffiti an der Willy-Brandt-Gesamtschule, sagt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann auf Nachfrage. Auch der Fußgängertunnel war einst beschmiert. „Es gibt auch viele gute illegale Werke“, entgegnet Mike Brauner. Sicher habe er da als Künstler einen anderen Blick drauf. Aber: „Ohne illegales Graffiti gäbe es auch kein legales“, erklärt er.

Schließlich müsse man bedenken wo die Streetart-Kunst herkomme – aus der Hip-Hop-Bewegung. Kritzeleien, etwa auf den Trafo-Fenstern, sieht Polfuß jedoch auch nicht gerne. Das Graffiti nicht ewig bestehen, mussten Kaya und Tobias direkt beim ersten Werk erfahren: Am nächsten Morgen war es übermalt. Doch die Elfjährigen nehmen es gelassen. Es sei nicht perfekt gewesen und sie haben eine neue Fläche. Weitermachen wollen sie ganz bestimmt.

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