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Ein Reinigungsfahrzeug ist auf der Langen Straße im Juli 2017 mit Buttersäure beworfen worden. Der Angeklagte will es aber nicht gewesen sein.

Castrop-Rauxel

, 04.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Beißender Geruch stieg dem Fahrer in die Nase, als er sein Reinigungsfahrzeug am 3. Juli 2017 morgens um 8 Uhr auf der Langen Straße am Haus Nummer 71 vorbeilenkte. „Eine Flüssigkeit hatte Dach und Scheiben verschmiert, es stank entsetzlich“, sagte er jetzt am Amtsgericht aus. Von Übelkeit überwältigt verriss er das Lenkrad, bevor er halten konnte.

Am Fenster des Hauses habe er zwei Männer gesehen, genauer beschreiben konnte er sie nicht. Hielt sie aber für diejenigen, die ihn und das Fahrzeug mit Buttersäure attackiert hatten. Eine Woche zuvor war er bei seiner Reinigungstour an derselben Stelle mit Knallkörpern beworfen worden.

Kumpel belastet den Angeklagten bei der Polizei

„Da habe ich nichts mit zu tun“, beteuerte der damalige Mieter der fraglichen Wohnung. Er sei zu diesem Zeitpunkt nicht daheim gewesen. Aber ein paar Kumpel seien ein- und ausgegangen, einer, der keine Bleibe hatte, habe damals bei ihm gewohnt.

Trotz dieser Gefälligkeit belastete gerade dieser Kumpel den 40-jährigen Angeklagten mit seiner Aussage bei der Polizei sehr. Er hatte angegeben, dass dieser an just jenem Tag kleine Päckchen mit Buttersäure vor dem Haus verteilt habe.

Am offenen Fenster gewartet

Am offenen Fenster habe er darauf gelauert, dass das Reinigungsauto darüberfuhr. „Das war kein Streich, das war nicht lustig“, hatte der Mitbewohner bei der Polizei den geschilderten Vorfall kommentiert.

Dagegen sagte der Fahrer aus, dass nichts auf der Straße gelegen habe, die Säure sei von oben geworfen worden. Der Kumpel, der die belastende Aussage gemacht hatte, konnte nicht angehört werden. Er konnte gar nicht geladen werden. Niemand weiß, wo er derzeit lebt, nachdem er kürzlich nach einer verbüßten Haftstrafe in die Freiheit entlassen worden ist.

Weil keine Klarheit über den Vorfall zu erhalten war, stellte der Richter das Verfahren bezüglich des Eingriffs in den Straßenverkehr und der körperlichen Misshandlung ein.

Trotzdem verurteilt

Dass der 40-Jährige das Amtsgericht dennoch mit einem Urteil verließ, lag an einem weiteren Anklagepunkt: Diebstahl. Den Vorwurf, dass er im August 2017 in einem Einkaufscenter einen Receiver im Wert von 54,95 Euro stehlen wollte, gab er zu.

Er wollte seinen Fernseher flott machen, um am Abend mit einer Freundin ein Fußballspiel zwischen BVB 09 und FC Bayern München sehen zu können. Geld wollte und konnte er jedoch nicht ausgeben. Sein Arbeitslosengeld II war zur Monatsmitte bereits weg. Für Haschisch. So 10 bis 20 Euro habe er täglich dafür ausgegeben, sagte er.

Angeklagter wartet auf Therapieplatz

Das soll sich jetzt endlich ändern. Er wartet auf einen Therapieplatz, will von den Drogen loskommen. Wenn er das schafft, besteht auch die Hoffnung, dass die kürzlich in Dortmund verhängte zweijährige Haftstrafe in einem Berufungsverfahren doch noch zur Bewährung ausgesprochen wird.

Für den Diebstahl des Receivers gab es am Dienstag weitere vier Monate ohne Bewährung obendrauf, könnte aber im „Gesamtpaket“ dennoch nicht zu Buche schlagen. Sollte er die Therapie erfolgreich beenden, kann er darauf hoffen, von einer weiteren Inhaftierung verschont zu bleiben.

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