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Nach dem 1.8. und dem 8.8.18 steht nun DER Schnapszahl-Tag des Jahres an: Am 18.8.18 heiraten in Dortmund 41 Paare. Forscher bezweifeln, dass Hochzeiten an solchen Tagen eine gute Idee sind.

Dortmund

, 09.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Es dürfte (mindestens) bis zum 22.2.2022 dauern, ehe ein neuer Hochzeitsrekord in Dortmund in greifbare Nähe rückt. Bis dahin hat der alte Rekord Bestand, aufgestellt am 9.9.99, als sich 158 Paare in Dortmund das Jawort gaben. In diese Höhen kommt der 18.8.18 nicht - immerhin 41 Paare wollen aber den Schnapszahl-Hochzeitstag nutzen.

Mehr Hochzeiten sind in Dortmund für keinen Tag im Jahr 2018 angemeldet. 14 Standesbeamte sind an dem Samstag im Einsatz (und einer in Rufbereitschaft), die letzte Schicht beginnt um 17.30 Uhr. Eine Eheschließung um 18.18 Uhr gibt‘s also nicht.

Warum heiraten Paare an Tagen wie dem 18.8.18?

Die Frage ist ja immer: Warum heiraten Paare an solchen Schnapszahl-Tagen? Nur, weil‘s schön klingt? Dortmunds Standesamtsleiterin Claudia Hertkens sucht seit Jahren nach dem einen Grund - findet ihn aber nicht so recht.

Oft heißt es, Paare wählten solche Daten aus, damit der Mann sich den Hochzeitstag merken kann. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten, Gerhard Bangert, hat eine andere Theorie: „Menschen sind abergläubig. Sie versuchen das Glück für die Ehe zu bannen, indem sie besondere Daten finden.“

Viele Hochzeiten in Dortmund am 1.8. und 8.8.18

Mit Abstrichen sind auch Tage wie der 1.8.18 und der 8.8.18 solche Daten. Am 1.8. trauten sich in Dortmund 12 Paare, am 8.8. waren es 16. Etwa doppelt so viele wie an x-beliebigen Tagen.

Nicht allen, die an solchen Tagen heiraten, geht es jedoch um das Schnapszahl-Datum. Für Aleksa-Carina Putinas-Neugebauer (31) und Olaf Neugebauer (33), die sich am Mittwoch im Dortmunder Rathaus das Jawort gaben (Glückwunsch!), zählte nur der 8. August. Weil es ihr Jahrestag ist.

Mutmaßlich haben auch einige der 41 Dortmunder Hochzeitspaare den 18.8.18 nur gewählt, weil es ein - hoffentlich - Schönwetter-Samstag im Sommer ist, an dem der BVB noch nicht wieder spielt. Wodurch den Ja-Sagern die ungeteilte Aufmerksamkeit der fußballinteressierten Gäste sicher ist.

Dortmunder Karnevalisten heiraten am 18.8.18

Aber, keine Frage, natürlich heiraten viele Paare nicht zufällig an Schnapszahl-Tagen, sondern weil es einprägsam und witzig ist. „Der 18.8.18 ist ein hervorragendes Datum, das können wir nicht vergessen“, sagt Reiner Lahme. Der 54-Jährige heiratet an diesem Tag seine Lebensgefährtin Susanne Requardt (48).

Damit heiratet zugleich der 1. Vorsitzende die 2. Vorsitzende: Die beiden sind mit ganzer Leidenschaft in der Lütgendortmunder Karnevals-Gesellschaft „Kiek es drin“ 1888 e.V. Und nun erklärt Lahme noch den Clou: Mit dem 18.8.18 habe man (wenn man die hintere Eins weglässt) auch noch das Gründungsjahr des Karnevalsvereins mit im Hochzeitsdatum drin. Über den Verein haben er und seine Zukünftige sich kennengelernt.

41 Schnapszahl-Hochzeiten in Dortmund - auch ein Karnevalspaar nutzt das jecke Datum

Die Lütgendortmunder Susanne Requardt und Reiner Lahme sind eines der 41 Dortmunder Paare, die am 18.8.18 heiraten. © Privat

Die Karnevalisten heiraten nicht in jeckem Kostüm oder Gardeuniform („Komisch, dass uns jeder danach fragt!“), sondern „ganz traditionell in Brautkleid und Anzug“, sagt Lahme. Und zwar morgens standesamtlich im Rathaus, nachmittags kirchlich in Bochum, wo das Paar wohnt. Die Feier im Haus Wischlingen beginnt am 18.8.18 - natürlich - um 18 Uhr. Der Vollständigkeit halber: Von der Vereinssatzung ist die Hochzeit des 1. und der 2. Vorsitzenden gedeckt. Nur der 1. Vorsitzende und die Kassiererin dürften nicht heiraten, „weil die beiden dann das Konto räumen könnten“, sagt Lahme lachend.

Trautermine sechs Montage vorher reservieren

Ach ja, ihren Trautermin beim Standesamt beantragt haben Reiner Lahme und Susanne Requardt übrigens am 19. Februar 2018. Ein halbes Jahr vorher kann man Termine reservieren. „Da stand schon eine lange Schlange, da war heftig was los“, sagt Lahme. Besondere Hochzeitstage wollen eben gut geplant sein.

mit dpa

Zumindest laut australischen Forschern ist das Heiraten an Schnapszahldaten eine Schnapsidee. Forscher an der University of Melbourne untersuchten 14 Jahre niederländische Heiratsregister und fanden heraus, dass Paare, die sich an Daten mit speziellen Zahlenkombinationen die lebenslange Liebe geschwört haben, häufiger scheiden als andere Ehepaare. Für Deutschland glauben die Forscher, dass die Resultate wegen der kulturellen Nähe ähnlich sein könnten.
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