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Alteneinrichtung in Körne ist Vorreiter in der Pflege von homosexuellen Bewohnern

rnWohnzentrum Zehnthof

Im Wohn- und Begegnungszentrum Zehnthof ist jeder Mensch willkommen, egal wo er herkommt und wen er liebt. Dafür erhielt es nun das Siegel „Lebensort Vielfalt“. Doch was genau bedeutet das?

von Verena Halten

Körne

, 25.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Das vom Bund geförderte Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ erhalten Alten- und Pflegeeinrichtungen, die sich bemühen, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ihrer Bewohner als Teil ihrer Persönlichkeit zu berücksichtigen. Verliehen wird es von der Schwulenberatung Berlin. Das Wohn- und Begegnungszentrum Zehnthof (WBZ) ist hier nun Vorreiter, denn es ist die erste Einrichtung in ganz Nordrhein-Westfalen, die das Siegel tragen darf.

Menschen wie Eric Vandingen (66) finden dies unglaublich - und hoffen, dass weitere Einrichtungen folgen werden: „Das kann doch nicht sein, dass es in Metropolen wie Köln oder Düsseldorf keine vergleichbaren Einrichtungen gibt“, sagt er. Vandingen ist schwul und seit 24 Jahren mit Werner Krampe (65) liiert. Im Januar 2018 haben sie geheiratet.

Minderheit, trotz wachsender Toleranz

Sie sind zwei der vielen Menschen, die noch heute - trotz der wachsenden Toleranz - als Minderheit bezeichnet werden. Die auch heute noch wegen ihrer Sexualität beschimpft, verachtet und angegriffen werden. Und für Menschen wie sie soll das Siegel sein. Es soll ihnen zeigen: „Hier bin ich willkommen“, erklärt Heimleiterin Manuela Balkenohl den Hintergrund des Siegels, das man sich in zehn Monaten erarbeitete. Dafür mussten mindestens 38 von 120 Kriterien erfüllt werden: Es musste zum Beispiel eine Bewohnervertretung und ein Beschwerdemanagement geben. Aber auch eine offene Atmosphäre und der Zugang zu Informationsmaterialien waren Pflicht.

Alteneinrichtung in Körne ist Vorreiter in der Pflege von homosexuellen Bewohnern

Eine Arbeitsgruppe erarbeitete zusammen einen Konzept dafür, wie man die Kriterien erfüllen konnte, die für das Siegel Pflicht waren. Zu dieser Arbeitsgruppe gehören unter anderem auch Eric Vansingen (rechts, stehend), Werner Krampe (rechts) sowie Manuela Balkenohl (links, stehend). © Verena Halten

Mithilfe einer Arbeitsgruppe, die aus homo- und heterosexuellen Mitarbeitern, Bewohnern und Angehörigen besteht, stellte man sich Fragen wie die, wie eine kultursensible Pflege bei Menschen, die häufig Diskriminierungen ausgesetzt sind, stattfinden kann. Oder, wie man im Pflegeheim mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten umgehen sollte. „Tolerant und offen“, sagt Balkenohl, soviel sei klar gewesen. Mehr ging es darum, wie man das sicherstellen kann. Zum Beispiel mit einem Verhaltenskodex, an den sich jeder zu halten hat.

Und, wie sieht eine kultursensible Pflege aus? Die Pflege sehe nicht anders aus, als bei jedem anderen Menschen auch, sagt Balkenohl. Man müsse aber sensibler vorgehen und berücksichtigen, dass schwule und lesbische Menschen oft mit anderen Ängsten zu kämpfen haben, als heterosexuelle Menschen. Vor allem ältere Menschen, die noch weniger tolerante Zeiten erlebt haben. Die um ihr Leben fürchten mussten, wenn sie offen zu ihrer Liebe gestanden hätten. Die Mitarbeiter wurden also sensibilisiert und lernten, mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können: Auch, indem sie mit Betroffenen sprachen und deren Geschichten erfuhren.

Lebenspartner starb nach Übergriff

Geschichten wie die von Eric Vandingen. 1986 starb sein damaliger Lebenspartner, nachdem er zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt wurde. Er habe so viel Schlechtes erlebt, er lebe eher zurückgezogen. Und auch Werner Krampe geht es ähnlich. Nach einem Schlaganfall im vergangenen Jahr musste er im November aber ins Pflegeheim. „Das war ein Albtraum“, erinnert er sich, „ich hatte panische Angst, was mich hier erwarten wird.“

Diese Angst teilen laut Balkenohl viele schwule, lesbische und transsexuelle Pflegebedürftige. Aus diesem Grund behalten viele ihre Sexualität noch heute lieber für sich. Das sollte aber in unserer heutigen Zeit nicht nötig sein. Und mit dem Siegel wolle man dies offen und deutlich zeigen. Mit dem Siegel habe man dadurch aber nicht nur dieses „gewonnen“, sagt Balkenohl, sondern auch ein besseres Verständnis von Akzeptanz, Respekt, Anerkennung und Wertschätzung.

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