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Rocco und Liliana sind Stiefgeschwister – und haben jetzt geheiratet

rnSizilianische Traumhochzeit

Mit 300 Gästen haben Liliana Di Dino und Rocco Paci Hochzeit gefeiert. Viele Bekannte halten sie für Geschwister. Sind sie aber nicht.

Saarlandstraßenviertel

, 03.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Was für eine Traumhochzeit: Braut Liliana (26) im weißen Kleid mit Schleier, die Schultern frei. Bräutigam Rocco (22) in einem cremefarbenen, barocken Anzug. Kleid und Anzug geschneidert in Sizilien, der Friseur eigens angereist aus Italiens tiefem Süden: Die Kinder von Antonio Di Dino und Emanuela Sanfilippo, die das bekannte Ristorante „Mama mia“ betreiben, haben geheiratet.

Sie wird häufig auf die komplexen Strukturen angesprochen

Viele halten sie deshalb für Geschwister. Sind sie aber nicht. „Wir sind die Kinder aus den jeweils ersten Ehen unserer Eltern, also sind wir gar nicht miteinander verwandt“, schmunzelt Liliana, Tochter von Antonio Di Dino, die häufig auf die komplexen Familienstrukturen angesprochen wird. „Ich habe Rocco kennengelernt, als unsere Eltern 2005 ein Paar wurden.“ Da war Rocco gerade neun, Liliana mit 13 schon im besten Teenie-Alter.

Rocco und Liliana sind Stiefgeschwister – und haben jetzt geheiratet

Bunte Ballons, gutes Essen und gute Stimmung bei der Hochzeitsfeier. © Oliver Schaper

„Ich habe ihn nur einmal in der Woche freitags gesehen, wenn ich meinen Vater Antonio besucht habe. Papas neue Partnerin Emanuela hatte Rocco mitgebracht, als sie zu ihm gezogen war.“ Liliana und Rocco waren fortan Patchwork-Geschwister. „Wir mochten uns, zofften uns – wie das unter Geschwistern eben so ist.“ Und Rocco baute zum neuen Vater Antonio eine starke Bindung auf, was das, was in der Zukunft folgen sollte, erst einmal ziemlich erschwert hat.

Was nach dem Kuss blieb, war Verwirrung

„Irgendwann haben wir nämlich gespürt, dass da mehr war zwischen uns. Der erste Kuss kam, als Rocco 15 und Liliana 19 war. „Das war am 25. November 2011, an dem Tag, an dem unsere Eltern in die gemeinsame neue Wohnung in Lütgendortmund gezogen sind.“ Es blieb…. Verwirrung. „Der war doch eigentlich viel zu jung für mich“, schmunzelt Liliana, die als Projektmanagerin im Marketing arbeitet. „Und ich hatte ein verdammt schlechtes Gewissen, weil Antonio doch gefühlt mein neuer Vater war“, so Rocco.

Rocco und Liliana sind Stiefgeschwister – und haben jetzt geheiratet

Die beiden haben „Ja“ gesagt und ihre Ehe mit einem Kuss besiegelt. © Oliver Schaper

Die Folge: Der Junge suchte Distanz, trotz dieser Schmetterlinge im Bauch. „Ich bin ihr aus dem Weg gegangen“, erinnert sich Rocco, der Jura im fünften Semester studiert. „Wenn Liliana zum Essen kam, war ich weg. Fast drei Jahre ging das so.“

So kann es nicht weitergehen, dachte Liliana

Liliana war es dann, die dachte, dass es so nicht weitergehen könne… und sie schlug Rocco ein Treffen vor. „Für eine erste Annäherung war das ganz schön krass“, erinnert der sich. „Wir haben bei Kerzenschein gegessen und sind Hand in Hand um den Phoenix-See spaziert.“ Jedenfalls war danach klar, dass da „immer noch mehr ist“, bei beiden.

Doch es sollte noch ein paar Monate dauern, bis Rocco Liliana abends von einer Party abgeholt hatte und die beiden spontan entschieden, noch gemeinsam einen Film zu schauen. Rocco: „Da haben wir uns gegenseitig unsere Liebe gestanden, und es war explosionsartig.“ Beide können das Datum aufsagen, es war der 18. April 2015, der Jahrestag ihrer Liebe. Nun aber die Herausforderung: Wie sagen wir es den Eltern?

Der Vater hatte nur eine einzige Bedingung

Naja, die werden wohl schon was geahnt haben müssen. Antonio Di Dino, der Patron des „Mama mia“, holte nur den besten Grappa hervor und steckte sich eine Zigarette an. „Seine einzige Bedingung war, dass wir gemeinsam an seinem Tisch essen – ganz egal, wie die jeweilige Tagesstimmung auch sein würde.“ Ein echter Sizilianer halt, wie alle in dieser Patchworkfamilie.

Rocco und Liliana sind Stiefgeschwister – und haben jetzt geheiratet

300 Gäste feierten Hochzeit, 50 davon kamen aus Italien, Spanien und Albanien. © © Schaper

Samstag dann die Traumhochzeit. Endlich! Um 15.30 Uhr war die Trauung im Alten Stadthaus. Ein Musiker aus Neapel wirbelte archaische Rhythmen auf der Trommel. 300 Gäste, 50 davon angereist aus Sizilien, anderen Regionen Italiens, Spanien und Albanien scharten sich auf dem Friedensplatz, auf den die Zeremonie im Innern per Lautsprecher nach draußen übertragen wurde, die italienische Übersetzung inklusive.

Stilecht mit italienischen Popklassikern

Im „Mama mia“ dann die Feier mit Champagner-Empfang und einem überbordenden Schlaraffenland-Büffet. Gitarrist Claudio sang die ewigen italienischen Popklassiker rauf und runter. „Lasciate mi cantare….“ „Azzurro.“ „Felicità“. Wie es in Sizilien Brauch ist, eröffnete Brautvater Antonio den Tanz mit seiner Tochter Liliana…. und übergab sie dann nach einigen Schritten an Rocco.

Mit einer Tradition aber brachen die jungen Brautleute: Statt den Gästen ein kleines Geschenk mitzugeben, „das dann eh nur irgendwo rumsteht“, spendeten Liliana und Rocco tausend Euro an Amnesty International. „Das machen aber inzwischen auch auf Sizilien viele Paare so.“ Da schließt sich dann wieder der Kreis.

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