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Brechtener sucht nach dem Einbrecher, der ihn mit einer Mistgabel bedrohte

rnWohnungseinbruch

Der Brechtener Marc Werner wurde in seinem Wohnzimmer mit einer Mistgabel bedroht. Es soll der dritte Wohnungseinbruch in vier Jahren gewesen sein. Jetzt wird er selbst aktiv.

Brechten

, 04.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Aktualisierung, 5. 2.:

Die Dortmunder Polizei hat aktuell erläutert, warum sie selbst die Anzeigen der ersten Einbrüche nicht vorliegen hatte. Der Grund: Die beiden weiteren Anzeigen aus 2014 und 2015 wurden durch die Kriminalpolizei bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Zum Vorwurf des Opfers, kein Hilfsangebot bekommen haben, teilt die Polizei Folgendes mit: Man habe dem Opfer am 3. Januar um 11.36 Uhr per E-Mail die Telefonnummer der technischen Berater des Polizeipräsidiums zukommen lassen. Ihm sei hier ebenfalls das Angebot unterbreitet worden, dass die Einbruchschutz-Berater auch zu ihm nach Hause kämen.

So hatten wir am 4. 2. berichtet:

Es ist so krass, dass man kaum glauben kann, was Marc Werner erzählt. Seit Ende 2014, sagt er, sei drei Mal bei ihm eingebrochen worden. Beim letzten Mal, am 30. Dezember 2018, stand der Täter in seinem Wohnzimmer und bedrohte ihn mit einer Mistgabel.

Marc Werner wohnt in Brechten, auf einem ländlichen Fleckchen zwischen der B236 und der B54 an der Hanebeckstraße. Das Häuschen, das einzige an der Straße, die mehr ein kleiner Weg ist, ist sein Traum, aber es wird zunehmend ein Albtraum. An diesem 30. Dezember des vergangenen Jahres dauert der schlimmste Albtraum mehrere Minuten. Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. Werner hat sich jetzt entschlossen, eine Belohnung von 2000 Euro auszusetzen, um den Täter zu fassen.

Plötzlich war ein Poltern zu hören

„Der Täter muss mich abgepasst haben“, sagt Werner. Hier komme keiner zufällig irgendwie vorbei. „Ich bin gerade nach Hause gekommen“, erzählt der 48-Jährige. Die Haustür sei ins Schloss gefallen, abgeschlossen habe er aber nicht direkt. Die Dreifachverriegelung, die er nach den ersten Einbrüchen hat anbringen lassen, ist noch nicht aktiv. „Ich hatte mich gerade auf mein Sofa gesetzt, als ich ein lautes Poltern gehört habe“, erinnert er sich: „Im Unterbewusstsein war mir schon klar, dass etwas Schlimmes passiert ist.“ Tatsächlich: ein Unbekannter hatte die Haustür eingetreten.

Werners natürlicher Reflex: Aufstehen und nachsehen, was passiert ist. Da sei schon die Tür zum Wohnzimmer aufgegangen und der Täter habe vor ihm gestanden – mit der Mistgabel in seiner Hand. Es ist Werners eigene Mistgabel, die sonst eigentlich hinterm Haus steht. „Ich habe in Panik geschrien, er soll mir bitte nichts tun.“

Forderungen in kurzem „Stakkato-Deutsch“

Der Einbrecher greift ihn nicht an, setzt ihm aber minutenlang zu: „Der Mann hat mich auf die Couch zurückgedrängt und verlangte in kurzem Stakkato-Deutsch Handy, Geld, Schmuck.“

Dann habe er sich das Handy genommen. Da sein Portemonnaie in der Küche gelegen habe, seien sie dorthin gegangen. Er selbst vorne weg, der Täter mit der Mistgabel in der Hand hinterher. In der Brieftasche: das Weihnachtsgeld vom Opa. Das ist jetzt weg. Die Brieftasche selbst habe der Täter ihm gelassen. Schmuck sei bei ihm nicht mehr zu holen gewesen: Den Schmuck seiner Mutter sei er schon mit dem ersten Einbruch losgeworden.

Täter kam mit dem Auto nicht klar

Danach habe der Täter die Autoschlüssel verlangt. Werner gibt sie ihm. Im Hinausgehen habe er geschrien, „hinsetzen“, erinnert sich Werner und hatte Hoffnung, dass es nun vorbei ist. Doch der Albtraum sei weitergegangen: „In dem Moment geht die Tür auf und der Mann kam wieder rein“, sagt er. „Er wollte wissen, wie das Auto funktioniert.“ Der Wagen des 48-Jährigen ist ein Auto mit Halbautomatik. Daran scheitert der Täter. „In dem Moment gab es bei mir einen Stimmungsumschwung“, erinnert sich Werner. Die Angst weicht der Wut: „Ich habe ihn derbe beschimpft“. Schließlich verlässt der Täter das Haus, und Marc Werner wählt die 110. Es folgen weitere lange Minuten, bevor er sicher ist, dass der Mann wirklich weg ist. Die Polizei ist schnell vor Ort, die Spurensicherung folgt.

Drei Tage später habe er seine Autoschlüssel im Wald gefunden. Der Tag nach der Tat ist der 31. Dezember. Den Silvestermorgen verbringt Werner unter anderem damit, die SIM-Karte sperren zu lassen.

Zusammenhang mit einem Überfall an der Evinger Straße?

Nach einem Monat ohne eine Spur vom Täter hat sich der 48-Jährige entschlossen, eine Belohnung auszusetzen: 2000 Euro. Die Belohnung gelte auch, wenn der Täter allein aufgrund polizeilicher Ermittlungen dingfest gemacht werden könne, sagt Werner. Weil die Behörden das Geld nicht annehmen dürften, werde er es in dem Fall an Hilfsfonds spenden.

Viel Hoffnung hat er allerdings nicht. „Die Gefahr, dass ich mein Geld loswerde, sehe ich als gering an“, sagt der 48-Jährige. Seine Intention sei es, dass die „Menschen sich noch einmal damit beschäftigen. Vielleicht hat ja doch jemand etwas gesehen.“ Werner selbst glaubt, dass der Täter aus der Umgebung kommt, aus Brechten, Scharnhorst oder Lünen-Gahmen. Und stellt einen möglichen Zusammenhang mit einem Überfall auf eine 61-Jährige am 28. Januar an der Evinger Straße/Im Dorfe her. Die Frau sei in ihrem Haus überfallen und mit einem Messer bedroht worden.

Die Polizei konnte bisher nichts zu einem möglichen Zusammenhang sagen, die Ermittlungen seien noch in den Anfängen. Es gebe aber in dem Fall der Frau erste Täterhinweise. Ein konkreter Zusammenhang lasse sich bisher noch nicht herstellen, aber auch noch nicht ausschließen – auch weil die DNA-Spuren im Fall Werner noch nicht ausgewertet seien. Der Einbruch bei Marc Werner sei sicher „sehr untypisch“, außergewöhnlich gewalttätig.

Kritik an der Polizei

Über die von Marc Werner benannten zwei weiteren Einbrüche bei ihm habe man keine Anzeige vorliegen. Das allerdings hält Werner für unerklärlich: Er habe die Einbrüche gemeldet, bei seiner Versicherung und der Polizei. Die Ermittlungen seien nach wenigen Wochen ergebnislos eingestellt worden. Der 48-Jährige betont, er habe großen Respekt vor der Arbeit der Polizei, aber er fühle sich im konkreten Fall nicht angemessen behandelt: Die Darstellung der Polizei in Pressemitteilungen sei „unzutreffend, unzulänglich und verharmlosend“ gewesen, klagt er.

Auch habe er die Polizei um Tipps gebeten, wie er sich jetzt verhalten solle. Eine Antwort sei man ihm schuldig geblieben. Die Polizei selbst konnte dazu nichts sagen.

Eine Alarmanlage ist jetzt bestellt

Werner selbst hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren massiv in Sicherheit investiert – und will das auch weiter tun. Längst verfüge das Haus über eine Einbrechermeldeanlage, die Fenster hätten Sensoren und Sicherheitsgriffe, die sich drehen lassen und die Haustür habe eine Dreipunktverriegelung mit Zusatzschloss. Eine Alarmanlage habe er jetzt bestellt, so Werner.

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, gab es seit November in Brechten insgesamt 11 Wohnungseinbrüche. Das waren deutlich mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Von November 2017 bis Januar 2018 waren nur fünf Wohnungseinbrüche gezählt worden.

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