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Bürgerinitiative wehrt sich gegen die geplante Bullenmast

rnBreuker in Grevel

Einige Anwohner an der Greveler Straße rüsten im Bullenmaststreit mit dem Landwirt Breuker auf – und erhalten jetzt massive Unterstützung durch die Politik.

Grevel/Kurl

, 24.08.2018 / Lesedauer: 4 min

In Grevel – genauer gesagt: zwischen Grevel und Kurl – hat sich, wie angekündigt, eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel: Sie möchte die befürchtete Erweiterung der Bullenmast der Landwirte Heribert und Konstantin Breuker hin zur Greveler Straße verhindern. Die Breukers bestreiten zwar, derzeit wirklich ihre Bullenmast vergrößern zu wollen, schließen das aber auch für die Zukunft auch nicht aus.

Acht Familien um den Anwohner Udo Domanski gehören zur Bürgerintitiative. Die Mitglieder wollen damit „einfach die Politik für das Thema sensibilisieren und Druck in ihrem Sinne machen“, so Domanski. Er könne die Argumentation Heribert Breukers unter dem Motto „Auf dem Land gibt es eben Landwirtschaft“ durchaus nachvollziehen, allerdings werde hier der Rahmen des Möglichen gesprengt. Man müsse auch bedenken, dass eine solche Bullenmast eine große Logistik erfordere, sodass es zu einer erheblichen Ausweitung des landwirtschaftlichen Verkehrs an der Greveler Straße komme.

Unterstützung durch SPD

Gegen den ganz normalen Geruch nach Gülle, wie er eben auf dem Land gelegentlich vorkomme, habe er nichts, sagt Udo Domanski.

Inzwischen erhalten Domanski und seine Mitstreiter prominente Unterstützung: Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Scharnhorst, hier vertreten durch die Fraktionssprecherin Karin Heiermann, erklärt per Pressemitteilung: „Wir haben uns während der Sommerpause intensiv mit dem Bauvorhaben für einen Mastbullenbetrieb an der Greveler Straße befasst. Im Ergebnis sieht die SPD-Fraktion das Vorhaben extrem kritisch. Eine Rinderzucht mit anfänglich etwa 550 Stück Vieh, wie sie seitens des Antragstellers offensichtlich geplant ist, ist im Landschaftsschutzgebiet nicht vertretbar.“

Aus verfügbaren Unterlagen gehe hervor, dass neben dem Fahrsilo zur Versorgung der Rinder, für das ein Bauantrag gestellt worden sei, zudem zwei Hallen à 107 Meter Länge sowie ein Wohn-/Geschäftshaus und gegebenenfalls weitere Silos errichtet werden sollen.

„Wohnbebauung würde beeinträchtigt“

Dies würde nicht nur den betreffenden Freiraum, sondern auch die angrenzende Wohnbebauung erheblich beeinträchtigen, so die SPD.

Die durch den vorhandenen Freiraum natürlich gegebene „Frischluftschneise“ sieht die SPD-Fraktion gerade angesichts der diesjährigen und möglicher zukünftiger heißer Sommermonate als unverzichtbar.

Und weiter: „Die SPD-Fraktion sieht es im Interesse der Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils als zwingend notwendig an, den Freiraum gegen intensive landwirtschaftliche Nutzung und damit verbundene Geruchs- und Geräuschemissionen und weitere Belastungen wie zum Beispiel vermehrte LKW-Transporte etc. zu sichern.“

Antrag in der Bezirksvertretung

Für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung erarbeitet die SPD-Fraktion einen Antrag, mit der die Verwaltung nachdrücklich aufgefordert wird, kurzfristig ein Bebauungsplanverfahren für das betreffende Gebiet einzuleiten und einen verbindlichen Bebauungsplan zeitnah zu erstellen.

Dieser Bebauungsplan werde den gegenwärtigen Sorgen und Befürchtungen der betroffenen Bürger Rechnung tragen, gerade auch in Bezug auf die befürchteten Geruchs- und Verkehrsemissionen. Mit dem Bebauungsplan biete sich die Möglichkeit, den Freiraum auf Dauer als solchen zu sichern, da damit verbindliche Vorgaben für die Gestaltung und Nutzung der Flächen gemacht werden.

Wie berichtet, hatte auch der SPD-Politiker und ehemalige Planungsamtsmitarbeiter Werner Jakumeit dieses Vorgehen vorgeschlagen.

Kommt Bebauungsplan?

Auch SPD-Ratsmitglied Rüdiger Schmidt (der frühere Scharnhorster Bezirksbürgermeister) hat sich mittlerweile klar positioniert. Er schreibt: „Ich werde mich mit allen Kräften dafür einsetzen, dass der geplante Betrieb nicht an besagter Stelle genehmigt wird. So habe ich bereits den Oberbürgermeister gebeten, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten und den Freiraum für alle Zeiten als solchen zu sichern.“ Es gebe überhaupt keine Gutachten zu Geruchs-und Lärmemissionen. Und weiter: „Warum hat das Umweltamt hier versucht, auf kaltem Wege eine Rinderhaltung in Nachbarschaft zu der großstädtisch geprägten Siedlung Scharnhorst-Ost zu genehmigen?“

Auch unter der Kurler und Greveler Bevölkerung wird das Thema – zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook – breit diskutiert, wobei die Meinungen durchaus unterschiedlich sind. Viele Nutzer, die dort Kommentare hinterlassen, sehen kein Problem in den Plänen der Breukers, andere sehr wohl.

Nach Angaben Udo Domanskis erhält er Unterstützung von den Betreibern des Naturlehrpfads Alte Körne. Der Heimatverein Grevel dagegen halte sich heraus, weil er sich politische Neutralität auf die Fahnen geschrieben habe.

Mit den Erweiterungsplänen der Landwirte Heribert und Konstantin Breuker muss sich nun der Rat befassen. Ob er das bereits in seiner nächsten Sitzung am 27. September tut, ist derzeit noch offen. Es erscheint auch möglich, dass die Ratsmitglieder das Thema auf eine spätere Sitzung vertagen, um zuvor noch weitere Informationen zusammenzutragen. Heribert Breuker hat – wie berichtet – bereits angekündigt im Falle eines aus seiner Sicht negativen Bescheids vor das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ziehen zu wollen.
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