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Von all den Restaurants im Kreuzviertel ist das Meridien an der Wittekindstraße das wohl unscheinbarste. Aber es lohnt sich hineinzugehen. Der Chef ist sehr nett und sein Essen sehr gut.

Dortmund

, 05.09.2018 / Lesedauer: 7 min

Das Kreuzviertel ist, neben der City, wahrscheinlich das Viertel mit der höchsten Restaurant-Dichte in Dortmund. Wer hier essen geht, hat die Qual der Wahl. Im Kreuzviertel liegt auch das Meridien an der Wittekindstraße, wenn auch nicht ganz so zentral wie viele andere Restaurants.

Aber: Wer schon einmal über die Wittekindstraße zum Signal Iduna Park gelaufen ist, ist auch am Meridien vorbeigekommen. Und seit einiger Zeit ist das Haus, in dem das Restaurant ist, BVB-Gelb angestrichen - und dadurch deutlich auffälliger als bislang. Nebenan liegt eine Kneipe, die regelmäßig Namen und Besitzer wechselt, zuletzt hieß sie Coronita Bar, bald soll sie Cine Bar heißen. Das Restaurant von Kamel Zouaghi ist dagegen eine stille Konstante.

Vor 16 Jahren hat der gebürtige Tunesier sein eigenes Restaurant eröffnet. Gelernt hat er das Kochen in seiner Heimat Tunis, als er nach Dortmund kam, kochte er zunächst im Karthago (später Mosaique) am Vinckeplatz. 2002 dann bekam er die Chance, sein eigenes Restaurant an der Wittekindstraße zu eröffnen, dort, wo vorher ein indisches Restaurant war. Seitdem gibt’s in dem kleinen Lokal im Haus mit der Nummer vier tunesisch-französische Küche.

Ich habe das Meridien gemeinsam mit meinem Mann an einem verregneten Mittwochabend Ende August besucht.

360-Grad-Foto: Schauen Sie sich im Meridien um

Das Essen im Meridien:

Wer ins Meridien geht, den erwartet mediterrane, orientalische Küche. Wie orientalisch es wird, kann aber jeder Gast selbst entscheiden – der Grad der Außergewöhnlichkeit variiert bei den Gerichten.

Die Karte ist nicht super klein, aber auch nicht riesengroß. Es gibt genug Auswahl. Und, was mir besonders gut gefällt, viel Fisch. Kamel Zouaghi hat keine Website, die Speisekarte gibt es entsprechend auch nicht online. Diejenigen, die sich sonst vor einem Restaurant-Besuch die Karte ansehen, müssen sich in diesem Fall also überraschen lassen.

Bei den Vorspeisen gibt es zum Beispiel eine Orientalische Fischsuppe, die bei den Gästen sehr beliebt sei, wie uns Kamel Zouaghi erzählt. Die muss ich beim nächsten Mal unbedingt probieren. Eine Spezialität der tunesischen Küche sind zudem Brik. Das sind Teigtaschen, die zum Beispiel mit Hähnchen, Thunfisch oder Schafskäse gefüllt werden.

Wir entscheiden uns an diesem Abend für die Vorspeisenplatte für zwei (man kann sie sich aber auch gut zu dritt oder viert teilen, je nach Hunger). So können wir uns durch eine ganze Reihe leckerer Vorspeisen probieren. Neben Brik gibt es Falafel, gefüllte Weinbergblätter, Hummus mit Schafskäse und drei Salate: einen mit Gurke, Tomate und Apfel, einen mit Kartoffeln und Thunfisch und eine Art Krautsalat mit Rosinen. Letzterer ist mein Favorit. Er hat die perfekte Mischung aus süß und sauer. Davon hätte ich gerne noch mehr gegessen – mein Mann ist so lieb und überlässt mir zumindest alles, was auf dem Teller liegt. Ihm wiederum gefallen die Falafel und die Brik besonders gut.

Die vielleicht bekannteste Speise der nordafrikanischen Küche ist Couscous. Den hat Kamel Zouaghi auch auf der Karte, dazu kann man Fleisch oder Fisch auswählen. Besonders gut klingt das Couscous mit Lammkotelett. Als Hauptgerichte gibt es auf der Karte unter anderem auch Rinderfilet, einen Lammteller, krossgebratene Barbarie-Entenbrust und Fisch wie Dorade und Loup de Mer.

Das Meridien: Tunesische Spezialitäten und eine himmlische Soße im Kreuzviertel

Hähnchenbrust im Blätterteigmantel mit Spinat und Sauce Hollandaise belegt. Dazu gab es Reis und Zucchini. © Jana Klüh

Ich entscheide mich an diesem Abend für Riesengambas auf Zucchininudeln mit Safransoße. Mein Mann nimmt Hähnchen in Blätterteig mit Spinat und Sauce Hollandaise. Ich finde die Mischung etwas verrückt, aber er ist schon bevor das Gericht kommt sehr zufrieden mit seiner Wahl.

Und hinterher noch mehr. In Windeseile hat er alles auf dem Teller – zum Fleisch gab es noch Reis und Zucchini – verputzt. Zwischendurch darf ich auch einmal probieren. Es ist mächtig (alles mit Sauce Hollandaise ist mächtig), schmeckt aber wirklich lecker. Meine Garnelen finde ich aber noch viel besser.

Es ist so: Wann immer ich am Meer Urlaub mache, ernähre ich mich fast ausschließlich von Meerestieren und besonders gerne von Garnelen. Denn zu Hause bekommt man sie einfach sehr selten in so einer guten Qualität und das für einen bezahlbaren Preis. Ich verbinde mit dem Essen von Garnelen also immer auch den Geruch von warmer Meeresbrise, ich fühle auf meiner Haut dann automatisch die angenehme Wärme von Sonnenstrahlen, spüre den Wind im Haar und höre die Wellen rauschen. Das kann ich nicht abschalten. Will ich auch gar nicht.

Das Meridien: Tunesische Spezialitäten und eine himmlische Soße im Kreuzviertel

Riesengambas mit einer himmlisch guten Safransoße und Zucchini-Nudeln in der Mitte. © Jana Klüh

So ist es auch, als mein Teller mit sechs Riesengambas, einem kleinen Zucchininest und einer saftig gelben Soße kommt. Ich bestelle in Dortmund selten Garnelen, aber an diesem Tag hatte ich große Lust darauf – auch wenn das Lösen der Schale immer ein bisschen nervig ist und die Hände danach kleben. In diesem Fall hat es sich gelohnt. Sehr sogar.

Die Garnelen sind saftig, frisch und perfekt gebraten, in Kombination mit der himmlisch guten Safransoße schmecken sie besonders gut. Die Soße ist sehr cremig, ganz leicht süß, hat eine tolle Safrannote und passt perfekt zum Fisch. Wer nicht so gerne Garnelen mag: Auf der Karte steht auch Dorade mit eben jener Safransoße.

Die Zucchininudeln haben dagegen eine zitronige Note, was eine schöne Ergänzung zur Soße ist. Die Konsistenz der „Zoodles“ ist so, wie ich sie zu Hause nie hinbekomme: gut gegart und trotzdem noch knackig.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die Merguez, eine scharfe Bratwurst, die wir bei einem früheren Besuch schon einmal gegessen haben und die ebenfalls typisch für die nordafrikanische Küche ist. Auch die schmeckt im Meridien sehr gut – und es gibt sie auch als Vorspeise. Unbedingt probieren!

Ein Dessert wollten wir eigentlich nicht mehr bestellen. Wir waren wirklich satt. Kamel Zouaghi serviert uns aber – aufs Haus – noch eine Portion Honigmelone. Das ist sehr aufmerksam. Die Melone ist ein schöner, leichter Abschluss unseres Essens.

Die Getränke:

Zum Essen haben wir einen tunesischen Rotwein getrunken. Trocken, fruchtig, sehr intensiv. Mein Mann war so begeistert, dass er sich den Namen gleich notiert hat. Die Weinkarte ist klein, aber völlig ausreichend: Es gibt jeweils drei Rot- und drei Weißweine zur Auswahl.

Auf der Theke stehen eine ganze Reihe von Spirituosen. Zudem gibt es die üblichen Softdrinks. Ich habe mich allerdings, das muss ich zugeben, nicht intensiver mit den weiteren Getränken beschäftigt, weil ich den Wein zum Essen sehr passend fand.

Die Preise:

Die Preise sind sehr fair, manche Gerichte sind wirklich preiswert. Die Fischsuppe zum Beispiel kostet nur 3,80 Euro. Die Vorspeisenplatte hat 9,80 Euro gekostet. Die Hauptgerichte liegen zwischen 10 und 21 Euro, der Großteil kostet um die 15 Euro. Die Hähnchenbrust hat 13,50 Euro, die Riesengambas haben 14,80 Euro gekostet.

Für die gute Qualität seines Essens könnte Kamel Zouaghi auch mehr verlangen. Da die Restaurant-Preise im Kreuzviertel ansonsten, allein wegen der Lage, oft etwas gehobener sind, finde ich es umso sympathischer, dass es im Meridien anders ist.

Insgesamt haben wir für die Vorspeisenplatte, die Hauptgerichte, zwei Gläser Wein und eine Flasche Wasser 55,60 Euro (plus Trinkgeld) gezahlt.

Der Service:

Kamel Zouaghi hat an diesem Abend alles selbst gemacht: den Service und die Küche. Wenn es voller ist, zum Beispiel am Wochenende, dann hat er aber auch einen Kellner, erzählt er uns. Und seine Frau unterstützt ihn auch immer mal wieder.

Weil im Meridien alles selbst und frisch gemacht ist, sind die Wartezeiten ein wenig länger als zum Beispiel bei einer großen Gastronomie-Kette. Wenn es deutlich länger dauert, weil es sehr voll ist, dann sagt Kamel Zouaghi das aber auch vorher - wie wir aus eigener Erfahrung wissen.

Kamel Zouaghi ist ein sehr zuvorkommender und zurückhaltender Mensch. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Nach dem Essen haben wir uns ein wenig mit ihm unterhalten und so mehr über ihn und sein Restaurant erfahren. Er hat uns zum Beispiel von einer 97-jährigen Dame erzählt, die bis zu ihrem Tod vor wenigen Wochen jeden Dienstag um 17.30 Uhr bei ihm vor der Tür stand, um eine Dorade mit Safransoße zu essen und dazu ein Glas Weißwein zu trinken.

Die Atmosphäre:

Von außen wirkt das Meridien, wie bereits erwähnt, recht unscheinbar. Und auf den ein oder anderen mag es zunächst vielleicht nicht sehr einladend aussehen, aber der Schein trügt. Wagen Sie sich rein, es lohnt sich.

Von innen ist das Restaurant klein und gemütlich. Es gibt nur eine handvoll Tische. Wenn man sich hinsetzt, hat es deshalb etwas von Essen bei guten Freunden im Wohnzimmer. Ich mag es sehr gerne, wenn Restaurants ein wenig privater sind.

Wir waren bei unserem Besuch die einzigen Gäste. Was ein bisschen schade war, weil erstens andere Gäste einen Restaurant-Besuch auch ausmachen und zweitens das Meridien definitiv mehr Gäste verdient hätte. Aber auf der anderen Seite war es irgendwie auch schön, ganz allein zu sein, denn so hatten wir quasi ein Candle-Light-Dinner mit eigenem Koch. Da kommt der Romantiker in mir durch…

Falls also nicht so viel los sein sollte, nicht abschrecken lassen, das heißt nicht, dass es nicht gut ist.

Was die Optik angeht: Stühle und Tische haben den gleichen warmen Holzton, die Wände sind ebenfalls in einem warmen Orange-Ton gestrichen. An den Wänden hängen viele Mitbringsel – vor allem Bilder und Kacheln – aus Kamel Zouaghis Heimat. Auf den Tischen stehen orientalische Kerzenständer. Als wir da waren, lief auch orientalische Musik. Das war alles sehr stimmig. Besonders modern oder stylisch ist die Einrichtung nicht – das würde aber auch nicht zu dem Essen passen.

Kinderfreundlichkeit:

Das Meridien hat eine kleine Kinderkarte. Zur Auswahl stehen Hähnchen oder Frikadellen mit Pommes. Viele Kinder, sagt Kamel Zouaghi, würden aber auch gerne einfach eine Portion Couscous essen.

Barrierefreiheit:

Wer ins Restaurant gelangen möchte, muss eine Stufe überwinden. Das ist mit ein wenig Hilfe mit Rollator oder Rollstuhl machbar. Der Speiseraum selbst ist ebenerdig, genau wie die Toilette, die allerdings recht eng ist.

Anfahrt und Parkplatzsituation:

Es ist die alte Leier: Das Meridien liegt im Kreuzviertel, da gibt’s vor allem abends viel zu wenige Parkplätze. Am besten kommt man also mit der Bahn: Die Haltestellen Kreuzstraße und Möllerbrücke (U42) und Polizeipräsidium und Saarlandstraße (U46) sind allesamt wenige Gehminuten entfernt. Am Vinckeplatz hält zudem ein Bus (Linie 452 und 453). Wer trotzdem mit dem Auto kommen will, sollte Zeit für die Parkplatzsuche mitbringen oder das Klinikum-Parkhaus an der Hohen Straße nehmen, von da sind es dann etwas weniger als zehn Minuten zu Fuß.

Was sagt das Netz?

Im Internet hat das Meridien nicht allzu viele, aber dafür ausschließlich sehr gute Rezensionen. Bei Google sind es 20 Rezensionen mit 4,8 von 5 Sternen. Auf der Plattform Tripadvisor hat das Meridien sechs Bewertungen und 5 von 5 Punkten (Stand 30. August). Ein Nutzer schreibt dort: „Ein kleiner, netter Familienbetrieb mit super Preis-Leistungsverhältnis.“ Ein anderer findet: „Das Essen und die Bedienung waren super! Die Saucen zum Fisch sehr schmackhaft und das Gemüse mit dem Couscous einfach lecker.“ Fast alle Rezensenten erwähnen die Frische des Essens, einige weisen auf die etwas längeren Wartezeiten hin.

Restaurant-Infos:

Restaurant Meridien, Wittekindstraße 4, 44139 Dortmund, Tel. 2065615.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags ab 17.30 Uhr, montags ist Ruhetag.



Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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