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Das Tam Nag Thai in der Innenstadt wirbt mit „Thai-Küche auf höchstem Niveau“. Wir waren da und wissen nun: Das Restaurant hat ein Geheimnis. Auf dem Klo.

Dortmund

, 25.07.2018 / Lesedauer: 6 min

Von außen wirkt das Tam Nag Thai wie eine schummrige Kneipe. Hinter dem unscheinbaren Eingang wartet eine Überraschung: Zwischen reich mit Schnitzereien verzierten, holzgetäfelten Wänden führt ein schmaler Gang eine Treppe hinab an der Theke vorbei und öffnet sich in einen hohen, etwas verwinkelten Raum.

Sehen Sie sich im Tam Nag Thai um!

In den Ecken sitzen hölzerne Buddhas, die Wände sind mit weiteren Reliefs bedeckt, deren dunkles Braun das helle Holz der Tische warm zum Leuchten bringt. Hier gibt es ein 360-Grad-Foto.

Mit den Beinen im Boden sitzt man gar nicht schlecht

Wir haben einen Thai-Tisch reserviert. Dafür verstauen wir unsere Schuhe in einem der niedrigen Schränkchen, treten über zwei Stufen aufs Holzpodest und setzen uns an den nur etwa kniehohen Tisch. Unter dem Tisch ist eine Aussparung für die Beine, sodass man in gewohnter Haltung sitzt, aber eben halb im Boden.

Sofort kommt die Bedienung. Der junge Mann begrüßt uns überaus freundlich und nimmt unsere Getränkewünsche entgegen. Wir bestellen nix Besonderes: eine Apfelschorle für die Vierjährige, ein Weißwein für meine Frau und ein Pils für mich. Zwei Minuten später sind die Getränke da.

Die Karte

Wir schauen durch die Karte. Es gibt vegetarische Gerichte mit Gemüse, Tofu und Seitan, außerdem Nudel- und Reisgerichte mit Garnelen, Lachs, Ente, Hühnchen, Rind oder Schwein.

Als Vorspeise bestellen wir zusammen eine gemischte „Single Platte“ für 11,80 Euro. Die kommt auch flott: Ein Teller mit mehreren Dips, Erdnusssoße und Süß-sauer, etwas Salat, Nuggets vom Huhn, ein Teigtäschchen und drei Spieße: zwei mit Huhn und einer mit einer großen Garnele.

Die Vorspeise vollenden wir selbst

Dazu eine Schale mit einer brennenden Flüssigkeit, um die Spieße selbst etwas nachzurösten. Feels a bit like Stockbrot, schmeckt aber sehr viel besser. Vor allem mit Erdnusssoße.

Nach der Vorspeise, die wir alle genießen, muss die Kleine mal. Ich nehm‘ sie mit aufs Männerklo, das ist eng, aber sauber und angenehm.

Schärfe ist subjektiv

Dann schauen wir wieder in die Karte. Die Schärfe der Gerichte wird mit kleinen Chilischoten markiert, die Spanne reicht von null bis vier.

Ich mag es ja scharf. Und weil das viele sagen und es bei jedem etwas anderes bedeutet, grenze ich es mal ein: In meinem Supermarkt gibt es an der Gemüsetheke ein kleines Fach mit roten Peperoni, und daneben gibt es kleine Schachteln mit schärferen Sachen.

Ich bin der Rote-Habanero-Typ

Auf der Rückseite der Schachteln ist eine achtstufige Schärfe-Skala abgebildet: grüne Jalapenos sind Stufe 2, rote Peperoni sind die 4, und die oberen drei Plätze sind die schmalen, streichholzlangen roten Rawit Chili (6), orangegelbe Habaneros (7) und rote Habaneros (8).

Das Tam Nag Thai: Exotische Küche von mild bis Pyro

Eine rote Habanero. Meine aktuelle Grenze beim Thema Schärfe. © Tilman Abegg

Wenn wir zuhause Spaghetti Bolognese essen, dann schneide ich mir etwa ein Viertel einer roten Habanero in kleine Stückchen und streue sie über den Teller. Dann muss ich beim Essen zwar ein bisschen schwitzen und hin und wieder tief durchatmen, aber das muss man beim Sport ja auch, und außerdem wird die Nase schön frei.

Übrigens bin ich kürzlich zufällig auf dieses Video gestoßen: Laut Info zeigt es das Chili-Wettessen an der Uni von Bath (England). In der neunten von 16 Runden futtern die Teilnehmer rote Habaneros. Am Stück. Das sieht nicht mehr nach Genuss aus.

Eine Extrawurst für Kinder machen sie gern

Für Kinder gibt es keine extra Gerichte auf der Karte. Wir fragen den Kellner, was möglich ist, und er fragt unsere Tochter ganz lieb, ob sie gern Hühnchen isst. Treffer, und er sagt, die Köchin werde einen kleinen Teller mit Hühnchen und Gemüse für sie zubereiten.

Meine Frau bestellt Paneng Ped Jae, vegetarische Ente aus Seitan in Currysoße mit Thai-Auberginen, 14,50 Euro. Ich will’s wissen und suche nach Vier-Schoten-Gerichten, finde aber nur welche mit drei Schoten. Also bestelle ich „Panaeng Nuah“, Rinderfilet in roter Panaeng-Currysoße mit Peperoni und Basilikum für 18,50 Euro, und bitte den Kellner, es ruhig noch schärfer zu machen.

Kurze Verzögerung: Seitan ist aus!

Nach zehn Minuten sagt der Kellner, Seitan sei leider aus, Tofu auch, es tue ihm sehr leid, was meine Frau stattdessen möchte? Sie bestellt Guiteo Chu Chee Pla, Nudeln mit Lachs und Chu Chee, roter Currysoße und Thaigemüse, eine Schote scharf, 18,50 Euro.

Jetzt wird es etwas länger dauern, bis das Essen kommt, aber Mann, sind die Leute freundlich und höflich hier!

Die Kleine langweilt sich, das mitgebrachte Buch interessiert sie nur eine Minute, der Malblock auch, dann krabbelt sie los und albert ein bisschen vor dem großen Spiegel auf dem Gang hinter unserem Tisch herum.
Ich sage „Patsch nicht auf den Spiegel, du weißt doch, im Restaurant muss man auf die anderen Rücksicht nehmen“, aber der Kellner sagt „Lassen Sie nur, das macht doch nichts“, also albert sie noch ein bisschen weiter. Ist auch erst etwa 19 Uhr, viele Tische sind noch frei, und sie albert auch ziemlich leise.

Dann muss sie wieder, wohl aus Langeweile, diesmal geht meine Frau mit ihr zur Damentoilette.

Die Köchin neigt zur Großzügigkeit

Das Essen kommt dampfend, und irgendwie wirkt der Kellner stolz, als er es uns bringt. Sieht auch wirklich gut aus. Für jeden eine Schale mit Fleisch und Gemüse, dazu ein mittelgroßer Topf mit Reis.

Die Portion meiner Tochter ist nicht kleiner als unsere (später werde ich die Köchin fragen, ob sie sich vertan hat, und sie wird sagen, nein, es war weniger Fleisch, aber beim Gemüse neige sie nun mal zur Großzügigkeit).

Das Tam Nag Thai: Exotische Küche von mild bis Pyro

Links der Kinderteller, rechts mein Mehr-als-drei-Schoten-Gericht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ordentlich Höhenfeuerwerk im Mund. © Tilman Abegg

Es schmeckt hervorragend. Bei uns allen ist das Fleisch zart und saftig, das Gemüse knackig, sind die Gewürze detailreich. Auf meinem Teller finden sich in gefühlt gleicher Menge Fleisch, Gemüse und Chilischoten von Grün bis Rot.

Die Schärfe ist genau an der Kante

Es ist scharf, genau an der Kante, wo der Boden schon dünn ist und du, wenn du dich vorbeugst und ein bisschen mehr auf einmal in den Mund nimmst, einen Blick in den Abgrund werfen kannst.

Vielleicht ist es das, was scharfes Essen so befriedigend macht: das Gefühl, nicht nur zu genießen, sondern dabei was zu leisten.

Die Schärfe überdeckt nicht den Geschmack, sondern hebt ihn hervor. Kau. Schwitz. Seufz.

Meine Frau genießt ihre Nudeln mit Lachs ebenfalls sehr. Die eine Schote findet sie angenehm, putzt sich nur zwei- bis dreimal die Nase. Der Kleinen schmeckt‘s auch, sie nimmt hauptsächlich Fleisch.

Der Reis ist innen mit Biss, außen empfänglich für die Soße und wie meine Vierjährige, wenn sie zwischen Trotz und Zuneigung schwankt: ein kleines bisschen pampig. So, wie ich Reis liebe und ihn selbst nie hinbekomme.

Die Toilette macht mich langsam misstrauisch

Die Schärfe schmort meine Aufmerksamkeit zu einem schmalen Tunnel zusammen, viel mehr als das Essen nehme ich nicht wahr. Irgendwann fällt mir auf, dass meine Tochter und meine Frau schon wieder zur Toilette verschwunden sind. Und dann noch mal und noch mal, während des Essens bestimmt viermal. Das ist viermal häufiger als üblich. Was ist da los?

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Außen Holz, innen feurig: Das Tam Nag Thai

So sieht es aus im Tam Nag Thai an der Hohen Straße 13.
24.07.2018
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Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne
Viel Holz, und dazwischen brennt das Essen auf der Zunge - so scharf, wie man es mag.© Dieter Menne

Die Portionen sind reichlich, nach etwas mehr als der Hälfte sind wir satt. Kein Problem, sagt der Kellner, er lasse den Rest gern zum Mitnehmen einpacken, und bringt uns jeweils einen kleinen, alkoholfreien Mai Tai mit gestoßenem Eis, schmeckt nach Mango und Grapefruit.

Das Geheimnis der Damentoilette

Beim Bezahlen - 80,40 Euro, und so gut war es mindestens - frage ich den Chef, was denn die Damentoilette für ein Geheimnis hege. „Schauen Sie mal rein“, sagt er. Ich mach die Tür auf und sehe das hier:

Das Tam Nag Thai: Exotische Küche von mild bis Pyro

Ein hübsches Holzhäuschen steht auf der Damentoilette. Es soll die guten Geister anlocken. © Dieter Menne

Ein hölzernes Häuschen, Sitz der guten Geister. Kein Wunder, dass die Vierjährige öfter mal musste. Sie hat jedes Mal die Figuren neu arrangiert.

Das sagen die Menschen im Netz

126 Rezensionen bei Google sind fast ausnahmslos sehr positiv und ergeben im Schnitt 4,5 von 5 Sternen. Gerühmt werden die Einrichtung, der Service und die Speisen. Einige wenige mokieren, dass die Schärfe nicht an originale Thaiküche heranreicht.

Barrierefrei ist das Tam Nag Thai nicht. Allerdings gibt es direkt im Eingang, noch vor der Treppe, zwei Tische, die ebenerdig erreichbar sind. Die Toiletten liegen allerdings am unteren Ende der Treppe. Geöffnet ist täglich von 18 bis 24 Uhr, die Küche arbeitet bis 23 Uhr. Reservierungen nimmt das Personal unter Tel. 14 44 84 entgegen. Adresse: Hohe Straße 13, 44139 Dortmund.
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