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Ob Handel oder Handwerk, Industrie, Bauindustrie oder Gartenbau – der Wirtschaft in Dortmund geht es weiterhin gut. Herausforderungen bleiben der Fachkräftemangel und die Digitalisierung.

Dortmund

, 25.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Neue Rekordstände sind in der heimischen Wirtschaft für das laufende Jahr nicht zu erwarten. Die Stimmung ist zwar gut, die Auftragsbücher sind noch voll, aber die Verbände der heimischen Wirtschaft rechnen mit ersten Eintrübungen der Konjunktur. Die Auswirkungen der Energiewende, Handelskriege und Brexit lassen grüßen. Herausforderungen bleiben wie schon in den Vorjahren der Fachkräftemangel und der Strukturwandel durch die Digitalisierung.

Auch wenn die Stadt Dortmund an dem NRW-Modellprojekt „Digitale Baugenehmigung“ teilnehme, seien die Genehmigungsverfahren für das Baugewerbe heute ein „Flaschenhals“ für schnelles und kostengünstiges Bauen, stellte Stefan Bahrenberg, Geschäftsführer der Bauindustrie Ruhrgebiet-Münsterland in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Dortmunder Wirtschaftsverbände fest.

Auszubildende fehlen

Um weiterhin wachsen zu können, sehen die Groß- und Außenhandelsunternehmen den größten Handlungsbedarf beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Verkehrsinfrastruktur, sagte Dr. Oliver Klug, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes AGAD. Zudem falle es den Firmen immer schwerer, geeignete Auszubildende zu finden. Wurden vor zehn Jahren noch 300 eingestellt, waren es 2018 nur noch 219.

Der Handel sei mit 120.000 Beschäftigten ein Jobmotor in Dortmund, so Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland, „doch es fällt immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. Für späte Öffnungszeiten braucht man Hände.“ Im Garten- und Landschaftsbau begrenze allein der Mangel an Fachkräften das Branchenwachstum, bedauerte Verbandspräsident für NRW H. Christian Leonhards.

Weniger leitende Fachkräfte

Der Kreishandwerkerschaft fehlen auch zunehmend leitende Fachkräfte, sagte Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen. Bei den Metall- und Elektro-Unternehmen ist der Fachkräftemangel zumindest in einzelnen Berufszweigen deutlich zu spüren, konstatierte Ernst-Peter Brasse, Geschäftsführer des Unternehmensverbands der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung. Es müsse einfach mehr Aufwand betrieben werden, Schülerinnen und Schüler ausbildungsreif zu machen. Sein Unternehmensverband fordert insgesamt ein Umdenken in der Bildungspolitik, bei der das Studium nicht das Maß aller Dinge ist.

Das sind einige weitere Themen, die die Branchen abseits des Fachkräftemangels und der Digitalisierung beschäftigen:

Groß- und Außenhandel

Ende 2018 hat der Arbeitgeberverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (AGAD) seine Mitgliedsunternehmen im Dortmunder Verbandsgebiet zur Stimmung befragt. Danach rechnet gut die Hälfte mit einer gleichbleibend guten Entwicklung. 19 Prozent erwarten sogar ein besseres Geschäft als im Vorjahr.

Auch wenn der Brexit für keines der Unternehmen existenzgefährdend sei, könne ein harter Brexit die Branche an den Rand der Rezession bringen, so Verbandshauptgeschäftsführer Klug, „Viele Waren könnten nicht ins Vereinigte Königreich gebracht werden, einfach weil Euro-Zertifizierungen ihre Gültigkeit verlieren.“

Bauindustrie

Mit einer Steigerung von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2017 habe sich das Bauhauptgewerbe in der Region besser als der landesweite Schnitt (7,8 Prozent) entwickelt, freute sich Stefan Bahrenberg: „Mit gut 4.400 Mitarbeitern beschäftigen die Dortmunder Bauunternehmen ebenfalls rund 14 Prozent mehr als noch in 2016.“

Im Gegensatz zum Hochbau sei der Leitungsbau im Untergrund noch nicht an seiner Kapazitätsgrenze. Gleichzeitig gebe es einen hohen Investitionsbedarf beim öffentlichen Kanalnetz. 20 Prozent seien dringend sanierungsbedürftig. Die Kanalisation in Dortmund ist mit knapp 2000 Kilometern das zweitlängste in NRW. Die Sanierungsanstrengungen müssten massiv ausgeweitet werden, so Bahrenberg.

Handel

Zum neunten Mal in Folge gab es ein Umsatzplus. Die Nettoerlöse stiegen real um 1 Prozent auf 525 Millarden Euro. Doch insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen aus Dortmund verzeichnen im Gegensatz zu den Großen der Branche öfter geringere Umsätze, berichtet Verbandshauptgeschäftsführer Schäfer. Rückläufige Besucherfrequenzen würden – auch als Folge des Online-Handels – aus allen Geschäftslagen gemeldet, auch auf dem Westenhellweg. Schäfer: „Die Innenstadt muss für die Kunden attraktiv bleiben.“ Gekauft werde vor allem Hochpreisiges und Billiges. „Der mittlere Bereich bröckelt leicht.“ Für dieses Jahr wird preisbereinigt ein Umsatzplus von rund 0,5 Prozent erwartet.

Handwerk

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Handwerk in Dortmund und Lünen ein Umsatzplus von fünf Prozent und damit ein Allzeithoch, so Joachim Susewind von der Kreishandwerkerschaft. Für 2019 gibt es einen kleinen Dämpfer; denn mit 93 Prozent der Unternehmen beurteilen drei Prozent weniger ihre Lage als gut oder durchschnittlich. Susewind: „Die konjunkturelle Dynamik bleibt aufwärtsgerichtet, wenngleich abgeschwächt.“

Nicht alle Handwerks-Branchen sind im Hoch. So meldet das Kfz-Handwerk Auftrags- und Umsatzrückgänge, ausgelöst durch die Dieselkrise. Nur gedämpft optimistisch ist auch das Nahrungsmittelhandwerk, allen voran die Fleischer, die unter dem Preisdruck der Discounter leiden. Beim Bau sorgen zu kurzfristige Ausschreibungen der Kommunen für Druck. Gleichzeitig kommt es durch den Bauboom zu einer Verknappung und Verteuerung von Baumaterialien, „so dass zum Beispiel Bausand mittlerweile aus Skandinavien und Fernost importiert werden muss“, sagte Susewind.

Metall-/Elektroindustrie

Nach einer aktuellen Konjunkturumfrage des Branchenverbandes gucken die Dortmunder Metall- und Elektrounternehmen deutlich skeptischer in die Zukunft als noch vor einem Jahr. 22 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte, 30 Prozent der stark exportorientierten Unternehmen rechnen mit weniger Aufträgen aus dem Ausland. Es verbreite sich zunehmend Unsicherheit in den Unternehmen, so Verbandsgeschäftsführer Ernst-Peter Brasse, ausgelöst durch die Digitalisierung, die unabsehbaren Veränderungen in der Automobilindustrie, die Auswirkungen der Energiewende, den Brexit und die Gefahr von Handelskriegen. Dabei gerate manchmal in Vergessenheit, so Brasse, dass die Industrieproduktion mit ihren langen Wertschöpfungsketten und den vielen Arbeitsplätzen ein wesentlicher Grundstein der regionalen Wirtschaft sei.

Garten-/Landschaftsbau

Die Nachfrage nach landschaftsgärtnerischen Dienstleistungen ist nach wie vor steigend. Eine Boombranche, die ihren Umsatz seit 2006 verdoppelt hat. Das Bewusstsein der Bevölkerung für Klimaschutz und mehr Grün spiele der Branche in die Karten, sagt Verbandspräsident Leonhards. Insbesondere private Auftraggeber stellten einen wesentlichen Wachstumsmotor dar. Sie machten fast 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Ein weiterer wichtiger Auftraggeber sei im Raum Dortmund die Wohnungswirtschaft. In ihren Leitlinien ist die Bedeutung eines grünen Wohnumfeldes zur Steigerung des Wohlfühlfaktors verankert. Bei der Modernisierung von Immobilien und bei Neubauten werde verstärkt Wert auf ansprechende und gepflegte Außenanlagen gelegt.

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