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Destillateur oder Gleisbauer: Exotische Ausbildung verheißt gute Aussichten

rnAusbildung

Azubi Max hat ständig mit Hochprozentigem zu tun. Bei der Kornbrennerei Krämer macht er eine Ausbildung zum Destillateur. Eine solche Nischenausbildung bedeutet oft gute Berufschancen.

Dortmund

, 20.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Einzelhandels- und Bürokaufmann, Kraftfahrzeugmechatroniker oder medizinische Fachangestellte gehören zu den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Doch auch für diejenigen, die sich nicht angesprochen fühlen von den Top-Ten-Berufsausbildungen, gibt es reichlich Angebote. Darunter Ausbildungsgänge, die nur vereinzelt oder alle paar Jahre zum Tragen kommen. Ein näheres Hinsehen kann sich lohnen, denn wenn Beruf und Azubi gut zusammenpassen, ergeben sich mit den Ausbildungs-Exoten mitunter sehr gute Berufs- und Karrierechancen.

So wie bei Max Tschau, der bei der Kornbrennerei Krämer in Dortmund zum Destillateur ausgebildet wird. Destillateure stellen aus Früchten, Kräutern, Fruchtsäften, Alkohol, Essenzen und Extrakten hochwertige Spirituosen wie Brände, Liköre und Geiste her. Seit 1973 bilden die Krämers Brenner und Destillateure aus. Das Fritz-Henßler-Berufskolleg ist die einzige Schule in Deutschland für die duale Ausbildung der Spirituosen-Experten und eine der wenigen überhaupt. Deshalb kommen auch Schüler aus der Schweiz und aus Österreich zum Blockunterricht nach Dortmund.

Gute Destillateure sind gefragt

Max Tschau aus Krefeld hat also Glück, dass er beide Teile seiner dualen Ausbildung an einem Standort absolvieren kann. „Er macht sich sehr gut“, sagt sein Chef Hans-Hermann Krämer. Und das, obwohl er ursprünglich Brauer werden wollte. Das wäre ihm dann aber zu einseitig gewesen, sagt der 18-Jährige, der jetzt ins zweite Lehrjahr kommt. Geschäftsführer Hans-Hermann Krämer bescheinigt ihm beste Aussichten: „Gute Destillateure sind sehr gefragt. Es gibt kaum welche auf dem Markt.“

Nun ist das Brauen, Brennen und Destillieren nicht jedermanns Sache. Aber unter den 327 anerkannten Ausbildungsberufen gibt es noch viele andere mit Seltenheitswert. Edelstein-Graveur oder Seiler beispielsweise, Brunnenbauer oder Bogenmacher. Allerdings werden längst nicht alle Ausbildungen im Raum Dortmund angeboten. Manche Exoten, etwa der Flachglastechnologe, können aber auch hier im Kammerbezirk erlernt werden.

Diese Lehrstellen in besonderen Berufen sind noch frei:

Die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer bietet für 2018/19 beispielsweise in diesen Ausbildungen noch freie Stellen:

  • Feinoptiker
  • Straßenwärter
  • Vermessungstechniker
  • Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice
  • Flachglastechnologe (ehem. Flachglasmechaniker)
  • Gleisbauer
  • Lacklaborant
  • Fleischer
  • Microtechnologe
  • Fotomedienfachmann
  • Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik
  • Bergbautechnologe
  • Werkstoffprüfer

Seit dem 1. August 2018 gibt es außerdem den neuen Beruf Kaufmann oder Kauffrau im E-Commerce. „Dieser ist bei der Zielgruppe Bewerber gänzlich unbekannt“, so Dirk Vohwinkel von der Industrie- und Handelskammer. Es handelt sich um einen Beruf auf dem Niveau Industriekaufmann, Kaufmann Versicherungen und Finanzen oder Marketingkommunikation.

Der erste neue kaufmännische Ausbildungsberuf seit zehn Jahren ist auf den speziellen Wachstumsmarkt Onlinehandel zugeschnitten. E-Commerce-Kaufleute sind in Unternehmen tätig, die Waren oder Dienstleistungen online vertreiben – nicht nur im Groß- und Außenhandel, im Einzelhandel oder der Tourismusbranche, sondern auch bei Herstellern und Dienstleistern.

Das sind die seltensten Ausbildungsabschlüsse im Handwerk 2015 bis 2017

Die Handwerkskammer hat auf Anfrage eine „Hitliste“ der seltensten Ausbildungsberufe zusammengestellt und dazu die Vertragsabschlüsse der Jahre 2015 bis 2017 ausgewertet. In den folgenden Berufen wurde im Kammerbezirk jeweils lediglich ein Ausbildungsvertrag geschlossen:

  • Systemelektroniker
  • Glasapparatebauer
  • Handzuginstrumentenmacher
  • Geigenbauer
  • Estrichleger
  • Büchsenmacher
  • Schneidwerkzeugmechaniker
  • Brauer und Mälzer
  • IT-System-Elektroniker
  • Modist
  • Kürschner
  • Schuhmacher
  • Klavier- und Cembalobauer
  • Textilreiniger

Auch für einige andere außergewöhnliche Ausbildungen kamen im vergangenen Jahr im Einzugsbereich der Handwerkskammer Dortmund nach Auskunft von Lothar Kauch von der Handwerkskammer Verträge zustande, darunter für die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik (3), Stuckateur (7) und Bestattungsfachkraft (14). Bei diesen drei gab es in den vergangenen sechs Jahren durchgehend Abschlüsse.

Bei manchen Ausbildungsberufen sind aber bereits ein paar Jahre vergangen, seit der letzte Azubi einen Vertrag unterschrieben hat: Bei den Glasveredlern war das 2004, den Vergoldern 2005, Flechtwerkgestalter 2007, Brunnenbauer 2009, Fahrradmonteur und Graveur jeweils 2012.

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