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Dieser Tätowierer färbt Menschen schwarz

Brutal-Black-Künstler „3 Kreuze“

Phillip ist Tattoo-Künstler. Aber keiner, der ein Herzchen aufs Handgelenk tätowiert. Unter dem Namen „3 Kreuze“ tätowiert er komplette Arme, Rücken, ja auch Gesichter schwarz, und das bewusst primitiv und brutal. Seine Kunden sticht er unter anderem an der Hohen Straße am Rande des Klinikviertels.

DORTMUND

, 27.12.2017 / Lesedauer: 5 min
Dieser Tätowierer färbt Menschen schwarz

„Vielleicht ist es so ähnlich, wie einen Marathon zu laufen“, sagt Phillip über das brutale Tätowieren. © Dieter Menne

Wenn er mit seinen Kunden fertig ist, sagt Phillip, dann möchten sie meistens drei Kreuze machen. Weil sie es geschafft haben, sich noch halbwegs lebendig fühlen und der Schmerz, dieser verdammte Schmerz, endlich nachlässt.

Phillip ist Tattoo-Künstler. Aber keiner, der ein Herzchen aufs Handgelenk tätowiert. Oder den Namen der Kinder auf den Unterarm. Phillips Arbeiten sind großflächig, bewusst primitiv, ziemlich schwarz. Er tätowiert komplette Arme, Rücken, ja auch Gesichter. Heavy Black Work nennt man diesen Bereich des Tätowierens. Phillip hat auf seiner Instagram-Seite noch einen Satz hinzugefügt: „To ruin your life“. Um dein Leben zu ruinieren.

Gelernter Erzieher und Bäcker

Phillip kommt aus Weimar. Er ist gelernter Erzieher und Bäcker. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen. Viel lieber möchte er unter seinem Künstlernamen wahrgenommen werden: 3 Kreuze.

Vor fünf Jahren kam er in den Ruhrpott, seit drei Jahren arbeitet er als Tätowierer. Vor einem Jahr ist er mit seiner Frau nach Fuerteventura ausgewandert. Für ein paar Tage im Monat kommt er nach Dortmund, um im Tattoostudio Bestechung an der Hohen Straße zu arbeiten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht die Schwarzmalerei des Tätowierers 3 Kreuze aus

27.12.2017
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Einige Arbeiten von Phillip alias "3 Kreuze".© 3 Kreuze
Einige Arbeiten von Phillip alias "3 Kreuze".© 3 Kreuze
Einige Arbeiten von Phillip alias "3 Kreuze".© 3 Kreuze
Einige Arbeiten von Phillip alias "3 Kreuze".© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Für das Brutal Black Project ließ sich der Niederländer Frenkie von "3 Kreuze" und einem anderen Tätowierer schwarz färben.© 3 Kreuze
Einige Arbeiten von Phillip alias "3 Kreuze".© 3 Kreuze

Im März und September war der 31-Jährige Teil eines Projekts, das brutaler kaum sein könnte. Beim Brutal Black Project haben Phillip und zwei weitere Tätowierer einen Mann gleichzeitig am ganzen Körper tätowiert. Stundenlang. Tagelang. Eine Grenzerfahrung.

„Es hat mich beeindruckt“

Er war 18 oder 19 Jahre alt, als er zum ersten Mal auf diese spezielle Art des Tätowierens gestoßen ist. In einem Magazin, das sich mit Körperveränderungen beschäftigt hat, ging es um ein Mann, der einen komplett schwarzen Arm hatte. „Ich hatte das noch nie gesehen“, sagt er. „Es hat mich sehr beeindruckt.“

Heute ist seine Haut fast komplett tätowiert, überwiegend schwarz, bis zum Gesicht. Über seine linke Gesichtshälfte zieht sich ein Kreuz. Die Ohren, der Nacken, der Hals, die Finger – auch das ist alles tätowiert.

Das Tätowieren hat sich 3 Kreuze selbst beigebracht

Phillip ist kein Tattoo-Sammler. Sich Tribals oder chinesische Schriftzeichen auf die Haut stechen zu lassen, das habe ihn nie angesprochen, sagt er.

Ein schwarzer Arm habe keine Bedeutung. Es seien allein ästhetische Gründe. Ihm gefällt das. „Für mich ist das eine radikalere Form davon, nur schwarze Kleidung zu tragen“, sagt er.

Das Tätowieren, in dieser speziellen Form wie er es macht, hat er sich selbst beigebracht. Er arbeitet dafür mit einem sehr breiten Kamm, der enorme Kraft hat.

Man könne sich das so vorstellen: Für die üblich bekannten Tattoos würde eher ein Fineliner verwendet, er dagegen nimmt einen Edding. Mit einer speziellen Technik arbeitet er dann auf der Haut so, dass sie großflächig schwarz wird.

Einer, der sich quälen lassen wollte

„Wenn ich ein kleines Tattoo steche“, sagt er, „dann ist es ein Unter- oder Oberarm.“ Den Schmerz, den seine Kunden fühlen, kann er nachvollziehen. Seine Haut ist schließlich selbst fast schwarz.

Anfang des Jahres ist er von zwei Tätowierern, Valerio Cancellier aus Italien und Cammy Stewart aus Schottland, auf das Brutal Black Project angesprochen worden. Die beiden Tätowierer wollten das Projekt gerne in Deutschland umsetzen.

Mit Frenkie, einem Tätowierer aus Rotterdam, haben sie ein Model gefunden. Jemanden, der sich von ihnen quälen lassen wollte. „Er hat uns gesagt: Ich möchte aussehen wie ein Monster“, sagt Phillip. Im März haben er, Valerio Cancellier und Frenkie sich bei Bestechung an der Hohen Straße getroffen. „Frenkie hat sich hingelegt und wir haben einfach losgelegt“, erzählt Phillip.

Tattoos wie hingekritzelt

Im Internet hat er Fotos und Videos davon veröffentlicht. Sie zeigen einen Mann, der sich vor Schmerz krümmt, der verzweifelt eine Zigarette inhaliert, die ihm jemand hinhält, als wäre sie ein Strohhalm. Dicke schwarze Striche, sie sehen ein bisschen wie hingekritzelt aus, ziehen sich über seinen gesamten Körper. Selbst auf den Augenlidern sind sie.


Andere Fotos zeigen, wie Phillip Frenkie zuredet, weiterzumachen. Abbrechen, sagt Phillip, ist keine Option. Wer ein Projekt mit ihm nicht zu Ende bringe, der brauche ihn nie wieder anrufen, sagt er. Er muss so streng sein, sagt er, damit die Menschen es durchziehen.

Tattoo fühlt sich wie eine riesige Schürfwunde an

Im September hat sich Frenkie noch mal von Phillip, Valerio Cancellier und dieses Mal auch Cammy Stewart tätowieren lassen. Wieder paar Tage jeweils ein paar Stunden lang. Das Projekt sei reizvoll gewesen, sagt Phillip. „Es war interessant zu sehen, wie weit es Körper und Geist schaffen, fünf, sechs Stunden lang dauerhafte Schmerzen zu ertragen.“ Es sei eine Grenzerfahrung, sagt er. „Vielleicht ist es so ähnlich, wie einen Marathon zu laufen.“

Nach dem Tätowieren schwellen die Stellen an. „Es ist wie eine riesige Schürfwunde“, sagt er. Der Schmerz bleibt noch für ein paar Tage. Das Ergebnis jahrelang. Aber jeder, sagt Phillip, jeder der es geschafft habe, sei danach unfassbar glücklich.

2018 will Phillip nahe Berlin ein eigenes Tattoostudio eröffnen. In Dortmund wird er weiter als Gast tätowieren. Bei der Tattoo-Convention in den Westfalenhallen ist er im Juni dabei, um einer Frau Rücken und Beine schwarz zu tätowieren. Das Tattoostudio Bestechung, Hohe Straße 9, gehört Kevin Luisi. Neben großflächigen Tattoos können Kunden hier auch filigrane Arbeiten machen lassen, sagt Luisi.
Weitere Infos zur Arbeit von Phillip gibt es hier
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