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Weiter Streit um das Festi Ramazan

rnGrößtes Ramadan-Fest Europas

Das Festi Ramazan soll in rund 50 Tagen an den Westfalenhallen beginnen. Doch Anwohner der Umgebung wehren sich, sie fürchten, die einmonatige Großveranstaltung etabliert sich dauerhaft.

Dortmund

, 12.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Frau Bohmann war am vergangenen Mittwochabend in der Sache unterwegs, am Dienstagnachmittag ist sie es wieder und wenn es sein muss, wird sie sich vermutlich noch an weiteren Terminen teilnehmen. Ramona Bohmann wohnt in der Nähe der B54, von dort aus kann man das Signal-Iduna-Gebäude sehen und die Westfalenhallen. Dort, auf dem Parkplatz E1/E2, soll das Festi Ramazan stattfinden. Anfang Mai soll es losgehen. Frau Bohmann will das nicht - wie diverse andere Anwohner.

Die Kuh steht wieder auf dem Eis

Was nicht daran liegt, dass es ein muslimisches Fest ist. Sondern daran, dass das Fest vier Wochen dauern würde. Die Belastung im Wohngebiet sei so schon über Gebühr hoch und in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen. Und wenn dann alles glatt laufen würde, dann wäre die Konsequenz für die Gruppe klar: Der Standort für das Festi Ramazan wäre dann für sie unwiderruflich am Remydamm einbetoniert. Dort, wo sie wohnen.

„Die Kuh“, sagt Frau Bohmann, „war für uns eigentlich schon lange vom Eis.“ Jetzt, um im Bild zu bleiben, steht sie dort wieder.

Weiter Streit um das Festi Ramazan

Viele kleine Händler bieten auf dem Festi Ramazan ihre Waren an. © Peter Bandermann

Mehrfache Ablehnung

Denn eigentlich war ja schon alles klar: Ein Festi Ramazan könne 2019 in Dortmund nicht mehr stattfinden. So hatte es Ende vergangenen Jahres Oberbürgermeister Ullrich Sierau gesagt. Die ursprünglich zuständige Bezirksvertretung Innenstadt-Ost hatte bereits im November 2013 beschlossen, dass das mit dem Festi Ramazan am Remydamm nicht mehr geht. Und auch 2018 war das Festi von der Bezirksvertretung abgelehnt worden.

Dann doch die Genehmigung

Eigentlich also sollte das Festi Ramazan dort keine Rolle mehr spielen. Die Kuh auf das Eis gestellt hatten der Rat der Stadt Dortmund und die SPD. Der Rat erließ erst eine Resolution, derzufolge das Festi in Dortmund fest verankert werden solle. Die SPD verabschiedete daraufhin mit Stimmen der Grünen, und den Linken/Piraten im Ausschuss für Bürgerdienste einen Antrag, nach dem die Verwaltung prüfen sollte, ob das Festi nicht doch wieder auf dem Parkplatz am Remydamm stattfinden kann. Nur wenige Tage später legte die Verwaltung einen Beschlussvorschlag im Rat vor. Die Verwaltung wurde beauftragt, das Fest für 2019 zu genehmigen. Vorbehaltlich aller rechtlichen Prüfungen.

Knackpunkt Kreisverkehr

In der vergangenen Woche war den Anwohnern vom Veranstalter das aktuelle Verkehrskonzept präsentiert worden. Es wurden Folien an die Wand geworfen, es wurde gesagt, warum das Festi die Bewohner nicht stören würde. Von Sicherheitspersonal war die Rede, von Straßensperren für Nicht-Anwohner, es wurde den Bewohnern ein annähernd roter Teppich ausgerollt. Nur: An ihren grundsätzlichen Bedenken hat das wenig geändert.

150.000 Besucher werden erwartet

Vier Wochen Fastenbrechen, erwartete 150.000 Besucher bei einer Veranstaltung von 18 bis 24 Uhr. Und einem Abreiseverkehr, der noch länger dauert. Die An- und Abreise sollen über einen Kreisverkehr laufen, an dem auch die Zufahrt zu ihrem Wohnviertel mündet. Wir leben dort, sagt die Gruppe. Wir leben aber nicht auf einem Veranstaltungsplatz. Man wolle nicht permanent im Stau stehen. Sechszehn Veranstaltungen gebe es bereits im Zeitraum des Festis. Das sei mehr als genug.

Das ist die Sicht der Anwohner, die, wenn man sie fragt, wie viele sie seien, 150 Haushalte angeben.

Wirtschaftliche Interessen sind das eine

Die andere Sicht ist die, was die Beschwerden von 150 Familien gegenüber den Interessen von erwarteten 150.000 Besuchern wiegen. Das ist natürlich ein wirtschaftliches Argument: Wenn so viele Gäste kommen und essen und trinken und sich dann an einem der Verkaufsstände etwas kaufen, was mag da zusammen kommen? 20 Euro pro Person? Oder 30 Euro? Vier Euro wird der Eintritt kosten.

Aber brauchen nicht auch Muslime Platz für ein Fest

Die Parkplatzflächen, auf denen das Festi stattfinden soll, also auch die Parkplätze für die Besucher, zusammen addiert sich das auf 5400 Stellplätze, würden für die Dauer des Festis von der Stadt angemietet. Ein anderes Argument ist, dass die größte nichtchristliche Religionsgemeinschaft in Dortmund Muslime sind. Brauchen sie nicht auch einen Platz für ihr Fest?

„Das ist eine Verkaufsmesse“

In der Bezirksvertretung der Innenstadt-Ost am Dienstag hält ein Anwohner dagegen. Er sei bereits auf dem Festi gewesen, das sei kein religiöses Fest, das sei eine Verkaufsmesse. Und überhaupt sei es unfassbar, dass eine Einigung aus der Bezirksvertretung einfach so kassiert werden könne. „Wir müssen uns“, sagt der Mann, „doch auf die Politik verlassen können.“

Was sind Bezirksvertretungsbeschlüsse wert?

Womit die zweite Frage in diesem Komplex im Raum steht: Was sind Beschlüsse einer Bezirksvertretung wert? Sitzen dort, wie es ein Mitglied sarkastisch anmerkt, „professionelle Bordsteinabsenker“, die, wie es ein anderer sagt, „mit einem Federstrich übergangen“ werden können?

Beschwerdeschreiben

Inhaltlich sind die Bezirksvertreter bei den Anwohnern. Bezweifeln die Überbezirklichkeit des Vorgangs. Begrüßen auch, dass die Anwohner dieser Woche eine Beschwerde gegen den Ratsbeschlusss an den Oberbürgermeister geschickt haben. Stellen sich per Beschluss einstimmig hinter dieses Schreiben und fordern, dass die Bürger bei der Einhaltung der Auflagen des Festis beteiligt werden sollen.

Rechsradikal sollen sie sein - alles Unfug

Ramona Bohmann ist eine der wenigen Anwohnerinnen, die kein Problem damit hat, ihren Namen in der Zeitung zu lesen. Denn als Gruppe sei man bereits attackiert worden, rechtsradikal sollen sie sein. Alles Unfug, sagt die Gruppe. Es gehe ihr nicht um das Festi, es gehe ihnen um die nächste Großveranstaltung, ganz egal, was das für eine sei.

„Wir alle kennen die Geschichte von 2013“

Patrick Arens ist Schausteller, unter anderem er hatte den Anwohnern das Verkehrskonzept vorgestellt. Hatte gesagt, dass die Straße in das Wohngebiet das Hauptschutzziel der Veranstalter sei. Und dass das ganze Konzept darauf angelegt sei, das die Bewohner so wenig wie möglich belastet würden. „Wir alle kennen die Geschichten von 2013“, hatte er gesagt. Und dass die sich nicht wiederholen würden.

Besser wäre ein Platz ohne Nachbarn

Was, hatten die Anwohner gefragt, sei getan worden, um einen anderen Standort zu finden? „Alles!“, hatte Arens da geantwortet. Hatte sich später noch angeboten, bei jedweder Störung, egal zu welcher Uhrzeit, angerufen werden zu können. Und irgendwann gesagt, dass ihm ein Platz ohne Nachbarn auch lieber wäre.

Wie es aussieht, findet das Fest statt

Doch den scheint es in Dortmund nicht zu geben. Am 3. Mai 2019 soll das Festi Ramazan beginnen, am 2. Juni soll es enden. Wie es im Moment aussieht, wird es stattfinden. Arens, Berater für den Veranstalter Fatih Ilhan, ist von Kindesbeinen an im Schaustellergeschäft, er sagt, jedes Fest ist inzwischen schwierig geworden. Und er könne auch die Anwohner verstehen.

Weiter Streit um das Festi Ramazan

Der Dortmunder Fatih Ilhan (48) Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik kennt sich gut mit dem Festi Ramazan aus. © Peter Bandermann

Kein Glauben an die Etablierung des Platzes

Aber man müsse eben auch sehen, dass es beim letzten Festi Ramazan auf der anderen Seite der Westfalenhallen keine einzige Beschwerde gegeben habe. Der damalige Standort war eine Notlösung, die heute nicht mehr genutzt werden kann. Sicher ist sich Arens heute, so sagt er, nur in einem: Am Remydamm werde sich das Fest nicht etablieren können.

„Festival des Friedens“

Wenn man auf die Internetseite des Festi Ramazan schaut, wird es dort umschrieben als „kulturelles Festival des Friedens“. Wenn es das in Dortmund sein soll, braucht es eine längerfristige Lösung.

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