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Fragen und Antworten: Wann sich der Bau einer Solaranlage lohnt – auch auf dem Balkon

rnSonnenenergie

Die Sonne schien in diesem Jahr so viel wie seit Jahren nicht. Das müsste man doch ausnutzen, denkt sich mancher, aber: Lohnt sich das, eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu setzen?

Dortmund

, 03.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Die Dächer in unseren Städten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. In fast jeder Straße, jedem Wohngebiet sind mittlerweile Photovoltaik-Anlagen installiert, die Sonnenlicht in Strom verwandeln. Ganz zu schweigen von Scheunen und Ställen der Landwirte, Dachflächen von Industrie-, Schul- und anderen öffentlichen Gebäuden.

Für all jene, die sich jetzt auch für eine Photovoltaikanlage interessieren, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst:

? Zunächst die wichtigste Frage: Lohnt sich eine Solaranlage überhaupt?

„Unbedingt“, sagt Thomas Seltmann, Referent Photovoltaik bei der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale in Düsseldorf. Es sei zwar richtig, dass die Vergütung für ins öffentliche Netz eingespeisten Strom kontinuierlich sinke, aber: „Die Kosten für solche Anlagen sinken auch. Außerdem kann ich sofort günstigen Solarstrom nutzen.“ Ähnlich sieht das das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. In einer Ende Oktober veröffentlichen Studie heißt es: „Grundsätzlich können neu errichtete PV-Anlagen sowohl durch Einsparung von Strom in das Netz als auch durch Eigenverbrauch Erträge bringen.“

? Was kostet eine Photovoltaikanlage?

Eine typische Anlage mit einer Leistung von fünf Kilowattstunden kostet rund 7000 Euro, sagt Thomas Seltmann. Nach etwa zehn Jahren hätten sich die Kosten amortisiert, danach mache man einen Überschuss.

? Gibt es eine Chance auf Förderkredite?

Ja, die KfW, die im Besitz des Bundes und der Länder befindliche Kreditanstalt für Wiederaufbau, fördert den Bau von Photovoltaikanlagen auch von Privatpersonen mit günstigen Krediten. Näheres dazu unter www.kfw.de.

? Welche Förderung gibt es?

Wer Strom ins öffentliche Netz einspeist, erhält eine Vergütung pro Kilowattstunde. Die wird regelmäßig überprüft und sinkt derzeit monatlich. Geht eine Anlage noch im Dezember 2018 in Betrieb, gibt es bei einer Anlage mit einer Leistung bis zu zehn Kilowatt 11,59 Cent pro Kilowattstunde, ab 1. Januar 2019 gibt es 11,47 Cent. Diese Fördersätze gelten immer für 20 Jahre ab Inbetriebnahme.
Eine Kilowattstunde entspricht der Energie, die zehn brennende 100-Watt-Glühbirnen in einer Stunde verbrauchen. Für etwas größere Anlagen bis 40 Kilowatt beträgt der Vergütungssatz im Dezember 11,27 Cent, ab Januar 11,15 Cent. Für noch größere Anlagen, die aber in der Regel nicht für den normalen Einfamilienhausbesitzer gelten, sind die Sätze niedriger. Klar ist aber: „Etwas größere Anlagen rentieren sich eher als ganz kleine, da der Fixkostenanteil ja fast gleich ist“, sagt Seltmann.

? Was lohnt sich mehr – den Strom einzuspeisen oder selbst zu verbrauchen?

„Ganz klar selbst verbrauchen“, sagt Thomas Seltmann. Hier sei der Unterschied zu den Strompreisen, die man sonst bezahlen müsste, besonders hoch.

? Können auch Mieter von Solarstrom profitieren?

Ja, sagt Thomas Seltmann. Es gebe mittlerweile Solarstrommodule für den Balkon. „Wenn der Balkon halbwegs nach Süden ausgerichtet ist, ein Geländer und eine Steckdose hat, kann man seinen Solarstrom für den Hausverbrauch produzieren“, sagt Seltmann. Eine solche Anlage koste rund 400 Euro. Allerdings müsse der Vermieter der Installation zustimmen.

? Welche Genehmigungen benötige ich überhaupt?

Eine Baugenehmigung ist in der Regel nicht nötig. Für Balkonanlagen ohnehin nicht und auch für eine Dach-Installation in einem normalen Wohngebiet zumeist nicht. Ausnahmen kann es im Bereich von denkmalgeschützten Siedlungen geben und in Bereichen, in denen es besondere Vorschriften im betroffenen Bebauungsplan gibt. Hier schafft eine Nachfrage bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung schnell Klarheit.

? Also kann ich sie installieren lassen und los geht’s?

Nicht ganz. Zum einen muss man seine Anlage beim örtlichen Netzbetreiber anmelden. Diese Aufgabe übernimmt in der Regel der Elektroinstallateur, der die Anlage aufbaut. Zum anderen muss man seine Anlage auch bei der Bundesnetzagentur anmelden. Das funktioniert über ein Online-Portal.

Erst, wenn man seine Anlage dort registriert hat, bekommt man auch eine Einspeisevergütung. Derzeit existiert diese Anmeldepflicht auch noch für Balkon-Anlagen. Das, so Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale, könnte sich aber demnächst ändern.

? Hat es Folgen für mein Verhältnis zum Finanzamt, wenn ich eine Photovoltaikanlage baue?

Wer seinen Solarstrom ausschließlich für die Eigenversorgung nutzt, hat in Sachen Sonnenenergie nichts mit dem Finanzamt zu tun. Anders sieht es aus, wenn man Strom ins öffentliche Netz einspeist. Für das Finanzamt gilt man in diesem Fall als Kleinunternehmer. Von dessen Erlösen möchte auch das Finanzamt einen Teil abschöpfen. Details dazu gibt es bei der Finanzverwaltung NRW.

? Wie kann ich eine erste Einschätzung erhalten, ob mein Haus für die Nutzung von Solarengerie überhaupt taugt?

Mittlerweile gibt es für nahezu jeden Ort und jede Stadt in Nordrhein-Westfalen sogenannte Solar-Potenzial-Kataster. Über eine Internetplattform kann man exakt nach seinem Haus suchen und dafür online und kostenlos berechnen lassen, ob sich eine Photovoltaikanlage für dieses Haus lohnen würde, was sie im Schnitt kosten und wie viel Ertrag sie nach 20 Jahren erbringen würde. Zu finden ist das Portal unter www.solare-stadt.de.
Bevor man jetzt aber euphorisch eine eigene Anlage in Auftrag gibt, empfiehlt es sich, die genauen Gegebenheiten vor Ort durch einen Experten prüfen zu lassen. Möglicherweise wirft ja der große Baum im Garten des Nachbarn so viel Schatten auf das Dach, dass sich eine Anlage trotz allem nicht lohnen würde. Wer für diese Begutachtung lieber nicht den örtlichen Elektriker fragen möchte, kann sich an die nächste Verbraucherberatung wenden. Dort gibt es einen unabhängigen, wenn auch kostenpflichtigen Check.

? Oft hört man, die Herstellung von Photovoltaikanlagen verschlinge mehr Energie als diese produzieren. Ist das so?

Nach der Studie des Fraunhofer-Instituts ist das nicht so. „Eine heute hergestellte Solaranlage erzeugt während ihrer Lebensdauer mindestens zehn mal mehr Energie, als zu ihrer Herstellung benötigt wurde.“ Die Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland“ kann man kostenlos downloaden.

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