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Darum steht diese Frau mit verbundenen Augen auf dem Westenhellweg

rnFree Hugs

Der Westenhellweg am Samstag. Es ist brechend voll. Mittendrin steht eine Frau mit verbunden Augen und weit ausgebreiteten Armen. Für die vielen Passanten hat sie ein besonderes Angebot.

Dortmund

, 24.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie fällt auf, wie sie da auf dem Westenhellweg steht. Sie trägt eine Daunenjacke, quietschpink. Die Arme hat sie weit ausgebreitet. Ein schwarzer Stoffstreifen bedeckt ihre Augen.

Es erscheint ganz schön mutig, wie sie da inmitten des Menschenstroms steht. Alles Fremde, alle sind eilig unterwegs. Übersieht sie jemand, würde sie einfach umgelaufen. Sie muss den Menschen vertrauen, glauben, dass man schon auf sie achten werde.

Menschenmassen drängen über die Einkaufsstraße

An diesem Samstag ist es besonders voll. Wie ein Fluss drängen sich die Massen über die Dortmunder Einkaufsstraße. Wer stehenbleibt, läuft Gefahr, weitergeschoben zu werden. Und doch halten die Menschen inne, als sie die Frau in der pinkfarbenen Jacke sehen.

Zu ihren Füßen hat sie mit Kreide aufgeschrieben, warum sie dort steht: „Free Hugs“, steht da. Kostenlose Umarmungen. Das ist ihr Angebot an die Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Menschen bleiben stehen, lesen, zögern kurz und fassen sich ein Herz. Sie gehen auf die Frau zu und umarmen sie.

Die Daunenjacke ist ganz weich

Die Daunenjacke ist ganz weich, die Umarmung ist fest, aber nicht zu fest. Britta Schmuck, so heißt die Frau in Pink, ist ein Profi. In dem Moment, wo der Umarmte denkt, nun genügt es aber, lässt Schmuck auch schon wieder los. Es ist also genau die richtige Dosierung, als ahnte sie, was man gerade braucht.

Darum steht diese Frau mit verbundenen Augen auf dem Westenhellweg

Es dauert nur wenige Minuten, bis jemand kommt, um Britta Schmuck zu umarmen. © Dennis Werner

Ein kleines Mädchen steht bereits ein zweites Mal an diesem Tag vor der Frau. Etwas weniger zögerlich geht sie hin, Britta Schmuck spürt, dass jemand Kleines sie umarmen möchte und muss die Arme erst einmal herunternehmen. „Ich habe das Gefühl, du warst heute schon mal da. Du kannst ganz toll umarmen“, sagt Schmuck. Das Mädchen grinst, nickt, doch das kann Schmuck nicht sehen, und läuft glücklich strahlend zu seinem Vater.

Es dauert nie lange, bis jemand kommt

“Ich mache das regelmäßig hier auf dem Westenhellweg. Jetzt, im Frühling hatte ich das Gefühl, es wäre mal wieder an der Zeit“, sagt Britta Schmuck. Und tatsächlich: Es dauert nie lange, bis wieder jemand sie umarmt.

„Ich mache das nicht nur, weil ich Umarmungen mag. Ich gebe auch gern welche, weil die Menschen sich freuen“, sagt Britta Schmuck. Und das Tuch vor den Augen? Eine Mutprobe? Nein, sagt Schmuck. Sie vertraue den Menschen. Das mache es den Leuten leichter, auf sie zuzugehen. Ohne Blickkontakt trauten sie sich eher, sie zu drücken, das habe die Erfahrung gezeigt.

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