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Immer wieder kommen Radfahrer ums Leben, weil Lkw-Fahrer sie beim Abbiegen übersehen. Nun hat sich erneut ein schwerer Unfall ereignet. Abbiege-Hilfen für Lkw sollen künftig davor schützen.

Dortmund

, 07.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Unfälle, bei denen abbiegende Lastwagenfahrer Radfahrer übersehen, sind auch in Dortmund keine Seltenheit. Im November 2017 erfasste ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen von der Mallinckrodtstraße in die Leopoldstraße einen 11-jährigen Jungen. Das Kind wurde lebensgefährlich verletzt und starb wenig später im Krankenhaus. Im Februar 2018 erfasste ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen von der Bornstraße in die Glückaufstraße einen 63-jährigen Radfahrer so schwer, dass er noch am Unfallort starb.

Am Montagmorgen (6.8.) wurde ein Mann auf seinem Rad überrollt, als ein Lastwagen von der Schützenstraße in die Mallinckrodtstraße einbiegen wollte. Der Radfahrer wurde schwer verletzt.

Vier weitere Unfälle mit Schwerverletzten

Es sind nicht die einzigen Unfälle dieser Art. Nach Angaben der Polizei gab es darüber hinaus 2017 in Dortmund vier Abbiege-Unfälle mit Schwerverletzten. In fünf weiteren Fällen kamen die Betroffenen mit leichten Verletzungen davon. Unfälle, in denen es bei Sachschäden blieb, sind gar nicht gesondert erfasst.

Zur Vermeidung solcher Unfälle will die Bundesregierung technische Hilfsmittel künftig zur Pflicht machen. Sie sollen die Fahrer großer Fahrzeuge wie Lkw, Müllwagen und Busse vor dem Abbiegen warnen, wenn sich neben ihnen ein Radfahrer „im toten Winkel“ befindet und vom Seitenspiegel des Lkw nicht erfasst werden kann. Bundes-Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte Hilfssysteme bereits Anfang 2019 zur Pflicht machen, die EU ab 2022.

Derweil rüstet ein Teil der Dortmunder Betriebe seine Flotte inzwischen auf freiwilliger Basis um. Firmen wie Edeka, Aldi und DB Schenker haben diesen Schritt angekündigt.

EDG testet nachträglichen Einbau

Die Entsorgung Dortmund (EDG) beispielsweise erwartet noch in diesem Jahr die Lieferung fünf neuer Müllsammelwagen. Die Neufahrzeuge sollen mit einer Seitenkamera und einem Ultraschall-System ausgestattet sein. Es warnt den Fahrer mit einem akustischen Signal, wenn sich ein Radfahrer vor dem Abbiegen neben dem Müllwagen befindet. Falls nötig, kann der Wagenlenker sein Fahrzeug sofort stoppen. Auch die EDG-Töchter Welge und Doga lassen sich zwei Transporter dieser Art liefern.

Kameras an Dortmunder Müllwagen sollen Unfälle beim Abbiegen vermeiden

Als Reaktion auf den tragischen, tödlichen Unfall stellten Dortmunder Radfahrer Anfang Dezember ein „Ghost Bike“ (Geisterfahrrad) an der Stelle auf, an der ein Lastwagen den 11-jährigen Jungen erfasst hatte. © Rüdiger Barz

Darüber hinaus will die EDG das Kamera-System nachträglich in zwei Altfahrzeugen einbauen und es im vierten Quartal 2018 als Test laufen lassen. „Wir wollen sehen, wie sich der nachträgliche Einbau auf unsere Bestandsfahrzeuge auswirkt“, sagt EDG-Sprecherin Petra Kroll. Zeitgleich werde ein Umrüstungskonzept vorbereitet. Verläuft der Test erfolgreich, sollen peu à peu 50 große Müllfahrzeuge sowie Waschwagen für die Straßenreinigung mit dem System ausgestattet werden. Kosten pro Fahrzeug: rund 3000 Euro.

Und wie reagiert die Transport- und Logistikbranche? „Wir fordern über unseren Verband seit Langem, solche Hilfssysteme zur Pflicht zu machen“, sagt Stefan Windgätter, Geschäftsführer der gleichnamigen Dortmunder Spedition. Das Unternehmen verfügt über rund 20 große Sattelzüge (Zugmaschinen mit Aufliegern) – ein neues Fahrzeug inklusive einer Außenkamera werde im Herbst erwartet, sagt Windgätter. Das Problem sei, dass die Hersteller an verschiedenen Systemen arbeiteten, die teilweise auch noch nicht ausgereift seien. „Es fehlen die Erfahrungswerte“, sagt Windgätter. „Am besten wäre, es gäbe einen einheitlichen Standard für alle.“ Den müsste der Gesetzgeber vorgeben.

Stadtwerke fragen bei Herstellern an

Bei der Spedition Voss an der Kanalstraße stellt man sich zumindest für einen Teil des Fuhrparks auf die kommenden Anforderungen ein. Das gelte aber lediglich für 30 Prozent der Fahrzeugflotte, sagt Disponent Sebastian Menze. „Wir haben solche Abbiege-Hilfen aktuell in Planung und werden sie im Rahmen unserer Neubeschaffungen berücksichtigen.“

Für die meisten Lkw sehe er eher keinen Bedarf. „Wir haben zu 70 Prozent Schwertransporte, die von Begleitfahrzeugen gesichert werden“, sagt Menze. Kurven, die auf der Strecke liegen, würden während des Transportes gesperrt. Zudem verfügten die Fahrzeuge über einen Abstandsmesser und einen Müdigkeitswarner für den Fahrer.

Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) sind gerade dabei, den Markt für ihre 171 Fahrzeuge große Busflotte zu sondieren. „Wir haben bei den Busherstellern eine Abfrage gestartet, ob und wann Abbiege-Assistenten verfügbar sind“, sagt Sprecher Marc Wiegand. Allerdings gebe es noch keine gesetzliche Grundlage, die solche Systeme verpflichtend vorschreibe. Zudem sei unklar, wann ein Gesetz in Kraft trete und wie es ausgestaltet werde. Bundes-Verkehrsminister Scheuer, der Abbiege-Systeme bereits 2019 zur Pflicht machen möchte, hat bereits Fördermittel für Nach- und Umrüstungen in Aussicht gestellt.

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