Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Kiss and Fly“ sorgt am Airport Düsseldorf für Ärger – in Dortmund funktioniert es besser

rnFlughafen-Chaos

Die neue Zufahrtsregelung „Kiss & Fly“ hat in den Tagen nach Einführung am Düsseldorfer Airport Chaos verursacht. In Dortmund gibt es ein ähnliches Konzept. Aber das funktioniert tadellos.

Düsseldorf/Dortmund

, 11.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Lautes Hupen, schimpfende Autofahrer, lange Staus und Verkehrsdienst-Mitarbeiter, die mit Winkerkellen wedeln – Szenen, die sich seit einigen Tagen am Düsseldorfer Flughafen abspielen. Denn dort ist zum 1. September eine neue Zufahrtsregelung eingeführt worden – kurz „Kiss & Fly“.

Wer Freunde und Verwandte zum Flughafen bringt, muss diese innerhalb von acht Minuten abliefern. Ansonsten schlagen saftige Gebühren zu Buche. Weil die Zahl der Vorfahrten zur Abflug- und Ankunftsebene steigt (derzeit neun Millionen Fahrzeuge jährlich), will der Flughafen so den Verkehr besser regeln und Wartezeiten verkürzen. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall.

Um den Bringern ausreichend Halteflächen zum stressfreien Ausladen zu bieten und den Verkehrsfluss zu verbessern, regeln jetzt Schranken die Zufahrt zur Abflugebene. Fahrzeughalter, die sich länger am Flughafen aufhalten, sollen ihr Auto in einem der Parkhäuser abstellen. Bereits am Einführungswochenende hat die neue Zufahrtsregelung für chaotische Zustände gesorgt: Vor den Schranken bildete sich ein Rückstau bis zur Autobahn 44.

Gebühren beginnen nach acht Minuten

Das Vorgehen: Wer die acht Minuten Haltezeit reißt, zahlt bis zu einer Dauer von 15 Minuten Gebühren in Höhe von fünf Euro. Weitere fünf Minuten kosten dann jeweils drei Euro. Die Höchsthaltedauer liegt bei 30 Minuten für insgesamt 14 Euro. Danach droht den Bringern, dass ihre Wagen abgeschleppt werden.

Sieben Schranken regeln die neue Zufahrtsregelung zum Abflugbereich in Düsseldorf, an denen nun wie auf den regulären Stellplätzen Parktickets gezogen werden müssen. Vorort möchte gegenüber unserem Autor keiner der betroffenen Autofahrer zu dem neuen System Stellung nehmen. Kein Wunder. Das Gespräch würde von der knapp bemessenen Parkzeit abgehen.

System soll vor allem abschrecken

„Die verkehrsregulierende Wirkung, die das Schrankensystem ja erreichen soll, erzielt man nur durch ein entsprechend ausgelegtes Tarifkonzept“, verteidigt Thomas Kötter, Sprecher des Düsseldorfer Flughafens, das Konzept. Bedeutet: Die hohen Gebühren sollen eine abschreckende Wirkung erzielen.

 

In den Sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. „Einfach Abzocke und Frechheit“, sagt User Emi Emi. „Als Vielflieger mit mehr als 20 Flügen pro Jahr werde ich jetzt den Düsseldorfer Flughafen meiden“, schreibt Frank Prinz. Und User Heinrich Schoeler meint: „Jetzt weiß ich auch, warum ich lieber ab Münster fliege.“ Heinz Peter Rodrigo ist dagegen anderer Meinung: „Finde ich gut. Acht Minuten reichen dicke zum Ausladen.“

Nur wenige Fahrzeuge betroffen

Dabei soll „Kiss & Fly“ kein Geschäftsmodell sein, sondern ein System, das die Verkehrsführung vereinfacht. Thomas Kötter stellt klar: „Die Zahlen zeigen, dass etwa 95 Prozent der Autofahrer mit den acht kostenfreien Minuten auf der Abflugebene auskommen.“ Lediglich ein Prozent der Fahrzeuge würden länger als 15 Minuten innerhalb des beschrankten Haltebereichs stehen.

Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW betont: „Für die Zulässigkeit der Gebühren ist es wichtig, dass sie für die Verbraucher bei der Einfahrt schon gut sichtbar sind. Nur dann können sie Vertragsbestandteil werden und somit auch verlangt werden.“ Das ist in Düsseldorf der Fall – sie sind auf einem Hinweisschild direkt an der Schrankenanlage gut zu lesen.

Dortmund verlangt Parkgebühren schon seit 2010

Neu ist „Kiss & Fly“ nicht. Der Flughafen Dortmund zum Beispiel verlangt in seiner „Kiss & Fly“-Zone bereits seit 2010 Parkgebühren: zwei Euro pro 15 Minuten, vier Euro pro 30 Minuten. Das Be- und Entladen in der „Kiss & Fly“-Zone ist jedoch kostenfrei. Anders als am Düsseldorfer Flughafen stehen den Autofahrern in Dortmund allerdings nur drei Minuten zur Verfügung – „wie es die Straßenverkehrsordnung vorsieht“, sagt Annika Neumann, Sprecherin des Dortmunder Airports.

Drei Minuten, um das Gepäck sowie Freunde und Verwandte auszuladen und sich zu verabschieden? Reicht das aus? Ja, meint Neumann. Die Kontrolle der einzuhaltenden Zeiten durch das Flughafen-Personal erfolge schließlich durch Augenmaß. „Unsere Erfahrung: Das Angebot wird sehr gut von Bringern und Abholern angenommen.“

Autofahrer stellten ihren Wagen länger ab und stiegen früher aus

Anders als in der Landeshauptstadt ist die Einfahrt zur „Kiss & Fly“-Zone am Dortmunder Flughafen allerdings völlig frei zugänglich und ohne Schranke. Das führe zu besserem Verkehrsfluss. Zusätzlich kommen am Dortmunder Airport Parkraumüberwacher zum Einsatz, insbesondere zu den stark frequentierten Stoßzeiten. „Längere Rückstaus im Bereich der ‚Kiss & Fly‘-Zone können so weitestgehend vermieden werden“, sagt Neumann.

Mehr Verkehrsaufkommen, mehr Passagierzahlen, mehr Starts und Landungen als in Dortmund – der drittgrößte deutsche Airport in Düsseldorf hat sich mit dem „Kiss & Fly“-Konzept einer logistischen Herausforderung verschrieben.

„Etwas holpriger Start“

Seit dem Chaos am Einführungswochenende, das Thomas Kötter als „etwas holprigen Start“ bezeichnet, sei das System mit jedem Tag besser und die Prozesse flüssiger geworden. „Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die bis zu 1400 Autofahrer, die den Bereich vor dem Terminal pro Stunde passieren, jeden Tag besser an die neuen Abläufe gewöhnen.“

Aus dem „etwas holprigen Start“ habe der Airport allerdings seine Lehren gezogen. „Zum Beispiel werden wir die Beschilderung und die Verkehrssteuerung in den kommenden Tagen noch optimieren.“ Thomas Kötter sei überzeugt, dass sich das System in den kommenden Wochen immer besser einspiele werde.

„Kiss & Fly“ hat keine Auswirkungen auf die Ankunftsebene. Hier gibt es keine Halteflächen, hier gilt weiterhin absolutes Halteverbot.
Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Udo Mager

Der Geschäftsführer des Flughafens Dortmund im Interview zu den neuen Betriebszeiten

Am Airport Dortmund dürfen nun täglich vier Maschinen bis 23 Uhr landen. Was bedeutet das für den Flughafen? Airport-Chef Udo Mager spricht über Passagierzahlen, Bilanzen und neue Strecken. Von Uwe Becker

Lesen Sie jetzt