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Neues und altes Selbstvertrauen für die Rheinische Straße und das Unionviertel

rnStadtumbau

Einst war die Rheinische Straße für die meisten Dortmunder nur dazu da, um Richtung Westen zu fahren. Das Quartier hat sich gewandelt – und das Selbstbewusstsein der Anwohner ist gewachsen.

Dortmund

, 26.11.2018 / Lesedauer: 4 min

Eine Menge Stolz schwang mit beim Treffen im Bier-Café West. Aber auch ein wenig Wehmut. „Ein paar Tränen sind auch geflossen“, meinte Planungsdezernent Ludger Wilde. Am Rande des Westparks nahmen die Beteiligten Abschied vom Stadtumbau Rheinische Straße. Ein Projektname, der, so sachlich und trocken er klingt, im Kern aber die Geburt eines neuen Stadtteils beschreibt – die des Unionviertels. Für die Planer ist es die Geschichte eines erfolgreichen Wandels – der jedoch noch lange nicht abgeschlossen ist.

„Es geht nicht nur um Gebäude, sondern auch um Stimmungen“

Zwölf Jahre Stadtentwicklung hätten gezeigt, dass es dabei nicht nur um Planung, Gebäude und Technik gehe, so Wilde weiter, „sondern auch um Stimmungen, um Menschen“. An die zwölf Millionen Euro habe die Stadt in das Viertel investiert, verteilt auf 29 Projekte. Aber nicht nur aus öffentlicher Hand seien Mittel geflossen: „Eigentümer und Akteure vor Ort haben mitgemacht, das ist schon etwas Besonderes. Ohne diese Beteiligung wäre all das nicht möglich gewesen.“

Neues und altes Selbstvertrauen für die Rheinische Straße und das Unionviertel

In einer kleinen Ausstellung konnten die Besucher den Wandel verfolgen. © Stephan Schütze

Im östlichen Bereich des Quartiers sei der Wandel sehr deutlich. Nicht nur mit dem Dortmunder U, Wahrzeichen der Stadt, das seit 2010 im neuen Glanz erscheint. Auch durch das Berufsschulen-Zentrum, durch das neue Freizeitzentrum West. Die von ansässigen Wohnungsgenossenschaften und privaten Eigentümer vorgenommenen Fassadensanierungen, für die viel Geld in die Hand genommen worden sei. Ebenso für Neubauten wie das Dogewo21-Haus auf der einstigen Brachfläche zwischen Lange und Rheinischer Straße.

Von der Stadtbahn bis zum neuen Wahrzeichen

Kerstin Furkerts war 2007 in das Stadtentwicklungsprojekt eingestiegen. „Damals wurde erst einmal ein Handlungskonzept erstellt: Wo gibt es bestimmte Bedarfe, welche Maßnahmen sind geeignet?“ Damals habe man zunächst bauliche Mängel festgestellt und einen genauen Blick auf die soziale Infrastruktur geworfen.

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In den folgenden Jahren habe man die Maßnahmen dann mit gutem Ergebnis durchgeführt. „Man gewöhnt sich ja schnell an Veränderungen“, so Furkerts, „aber rückblickend sieht man schon, was sich alles getan hat. Davon konnten sich am Dienstag auch die Besucher im Bier-Café West überzeugen. Mehrere Aufsteller dokumentierten den Wandel. Zum Beispiel das Verschwinden der Straßenbahn bis zur Heinrichstraße, die „Verschwenkung“ der Unionstraße oder natürlich die Herrichtung des namensstiftenden Wahrzeichens der Stadt – das Dortmunder U.

Verantwortliche zeigen sich auch selbstkritisch

Es gibt aber auch Punkte, in denen sich die Verantwortlichen selbstkritisch zeigen. Zum Beispiel bei den Arkaden an der Rheinischen Straße. Diese sind zwar bereits heute nicht mehr so düster wie vor dem Start des Stadtumbaus. Wirklich einladend wirken sie allerdings immer noch nicht.

„Dieses Vorhaben werden wir Mitte kommenden Jahres noch abschließen“, verspricht Ludger Wilde. Ganz besonders geht sein Blick jenseits die Dorstfelder Brücke. „Im östlichen Bereich haben die Maßnahmen des Stadtumbaus noch nicht wirkliche Auswirkungen auf das Äußere gezeigt“, räumt Wilde ein. Auch, wenn im sozialen Bereich schon einiges passiert sei, zum Beispiel durch das Quartierscafé U-Jack an der Rheinischen Straße 194 oder das Haus der Vielfalt an der Beuthstraße 21.

Hoffnungen stecken in der Gartenausstellung 2027

Doch auch von außen soll sich die noch „dunkle“ Seite des Unionviertels bald ganz anders präsentieren – und der Planungsdezernent lehnt sich dabei mutig aus dem Fenster: „2027 können wir dann präsentierten, was sich hier alles getan hat: die Barrierefreiheit der Stadtbahn sowie ein Grünzug bis zum Phoenix-See.“

Neues und altes Selbstvertrauen für die Rheinische Straße und das Unionviertel

Planungsdezernent Ludger Wilde und seine Mitstreiter für den Wandel. © Stephan Schütze

Grund für seinen Optimismus ist das Folgeprojekt „Emscher nordwärts“, das von Hörde über die Rheinische Straße, Huckarde, den Deusenberg bis zum Mengeder Meer führt. Möglich machen es die Maßnahmen für die Internationale Gartenausstellung 2027, für die sich Dortmund mit dem Ruhrgebiet erfolgreich beworben hat.

Im Westpark sorgt die gute Arbeit für einen Boomerang

Beste Voraussetzungen also für ein Viertel, das einst nur dafür da war, in Richtung Westen zu fahren. Glaubt auch Bernhard Faller, Experte für Stadtentwicklung, der das Projekt „Stadtumbau Rheinische Straße“ begleitet hat. Der Westpark sei ein besonderes Beispiel für den Wandel: „Einst hat man einen großen Bogen um den Park gemacht, heute wiederum ist er so beliebt, dass er zu anderen Problemen führt, die angegangen werden müssen.“ Gemeint sind natürlich die Klagen der partygenervten Anwohner.

Am meisten verblüfft Faller, wie der neue Name eingeschlagen ist. „Eine Image-Kampagne bedeutet für mich normalerweise eine hohle Marketing-Phrase. Aber, wie der Name ‚Unionviertel‘ angenommen wird, zeigt, wie sich die Anwohner mit dem Viertel identifizieren.“

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