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Schleusensperrung ist eine „mittlere Katastrophe“ für „Santa Monika“-Ausflugsschiffe

rnDortmunder Hafen

Seit Montag ist die Kanalschleuse Henrichenburg dicht. Für viele Dortmunder Hafenbetriebe steigen die Transportkosten. Für die „Santa Monika“-Schiffe ist die Sperrung eine „Katastrophe“.

Dortmund

, 05.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Seit Montag (3. September) kommen Schiffe in den Dortmunder Hafen weder hinein noch hinaus. Der Zustand wird bis zum 28. September bleiben: Die Henrichenburger Schleuse, einziger Zufahrtsweg für den Schiffsverkehr, ist gesperrt. Das Bauwerk wird einer Inspektion unterzogen, zudem stehen Wartungsarbeiten an.

Nicht das erste Mal. Seit Jahren beklagen Hafen-Vorstand Uwe Büscher und Karl-Heinz Keisewitt, Vorsitzender des Vereins Dortmunder Hafenanlieger, dass die Schleuse "Teil einer veralteten Verkehrsinfrastruktur und daher sehr störanfällig" sei.

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Mit ihren Versuchen, den Bund zur Beschaffung eines Ersatz-Schleusentores zu bewegen, sind die Dortmunder Akteure in den vergangenen Jahren regelmäßig auf Grund gelaufen. Für einen Teil der 161 Hafen-Betriebe sind die Ausfallzeiten ärgerlich: Sie müssen umswitchen und ihre Transporte vom Schiff auf die Bahn oder den Lkw verlegen - und das ist in aller Regel teurer.

Santa Monika hat Umsatzeinbußen von 80 Prozent

“Für uns ist die Sperrung eine mittlere Katastrophe“, klagt Annette Janssen, Betreiberin der Ausflugsschiffe Santa Monika I und II. Beide Schiffe, die jährlich von bis zu 20.000 Fahrgästen genutzt würden, liegen nun im Hafen. „Ausgerechnet in der Hauptsaison von Juni bis September“, sagt Janssen. „Normalerweise sind wir im September an 25 von 30 Tagen unterwegs, jetzt gerade noch an zehn.“ Der September-Umsatz sinke auf gerade noch 20 Prozent. „Die Personalkosten für die rund zehn Beschäftigten laufen aber weiter.“

Sicher, bis Henrichenburg und zurück könnten die beiden Schiffe noch fahren. „Aber nach Datteln oder Münster kommen wir jetzt nicht mehr“, sagt Janssen. Gerade das Schleusen sei aber für Fahrgäste immer ein Highlight. Eine andere Möglichkeit, als die Schiffe im Dortmunder Hafen festzumachen, gebe es nicht. „Ich kann sie ja nicht irgendwo am Dortmund-Ems-Kanal anlegen, wo es keinerlei Wasser- oder Stromversorgung gibt.“

Die Aussicht aufs kommende Jahr erscheint ihr nicht viel besser: vom 15. Juni 2019 bis 12. Juli 2019 wird die Schleuse erneut gesperrt. „Diese ständigen Reparaturen müssten nicht sein, wenn sich der Bund endlich mal stärker um seine Infrastruktur auf dem Wasser kümmern würde“, sagt Janssen.

Gasrußwerke drosseln die Produktion

Und wie gehen die Hafen-Betriebe mit der Schleusensperrung um? Die Deutschen Gasrußwerke, die mit Schweröl beliefert werden, haben ihre Produktion gedrosselt, um Rohstoffe zu sparen. „Wir fahren derzeit nur mit vier statt mit sechs Anlagen“, sagt Finanzchef Siegfried Moritz. „Wir nutzen die Zeit, für die Revisionen.“

Der Wasserweg sei für die Gasrußwerke „elementar“, betont Moritz. Rund 80 Prozent der 200.000 Tonnen Schweröl für die Reifenproduktion jährlich würden per Schiff geliefert, von denen rund zehn pro Monat im Industriehafen anlegen. Zurzeit kommt kein einziges. Bis zur Inbetriebnahme der Schleuse werde das Schweröl nun per Lkw und per Eisenbahn transportiert. „Zu einem deutlich geringeren Volumen, dafür aber mit höheren Kosten“, wie Moritz sagt. Ganz zu schweigen von der Umweltbilanz.

„Eine Schleusensperrung ist für uns auch deshalb sehr einschneidend, weil wir gezwungen sind, die Produktionsabläufe immer wieder neu zu steuern.“ Nach erneuter Inbetriebnahme der Schleuse würden die Transporte wieder auf den Wasserweg verlegt.

Coils werden auf Lkw und Bahn verfrachtet

Abwarten, heißt es im Stahlanarbeitungszentrum (SAZ). „Ich kann noch nicht sagen, ob Mengen komplett auf Straße und Schiene umgeschlagen werden oder ob sie sogar an uns vorbeigehen“, meint Wolfgang Boos, Prokurist und technischer Leiter des bis zu 100 Mitarbeitern starken SAZ im Hafen.

Schleusensperrung ist eine „mittlere Katastrophe“ für „Santa Monika“-Ausflugsschiffe

Im Stahlanarbeitungszentrum werden von Schiffen gelieferte Coils auf Maß geschnitten und wieder ausgeliefert. jetzt muss die Fracht per Lkw und Bahn geliefert werden, das erschwert die Disposition. © Gregor Beushausen

Dort werden pro Jahr 250.000 Tonnen Stahlcoils aus aller Welt angeliefert, zurechtgeschnitten und wieder abtransportiert. „Rund 30 Prozent der Tonnage kommt für gewöhnlich per Schiff“, sagt Boos. Eigentlich habe man bereits vor zwei Wochen mit einer Lieferung von 800 Tonnen Coils gerechnet, sagt Boos. Das Schiff sei aber wegen des Niedrigwassers nicht weiter gekommen, so dass die Ladung auf Lkw und Schiene verfrachtet werden müsse. Boos: „Wir können nicht sagen, wann die Tonnagen eintreffen.“

Recycling-Firma disponiert um

Umdisponieren - das ist auch das Stichwort für die GMH Recycling am Hardenberghafen. Dort liefern Schiffe Stahlschrott an, der aufbereitet und anschließend weiterverkauft wird. Auch hier gilt: Solange der Schiffsverkehr ruhe, laufe ein Teil der Transporte - zu höheren Kosten - über Lkw und Bahn.

Ein anderer Teil der Transporte gehe während der Sperrung an Dortmund vorbei. "Wir lenken sie zu anderen Standorten um", heißt es bei GMH Recycling.

Rund 2000 Schiffe machen nach Angaben der Hafen AG pro Jahr im Dortmunder Hafen fest. Ungefähr 2,6 Millionen von insgesamt 4,6 Millionen Tonnen transportierter und umgeschlagener Güter sind 2017 per Schiff transportiert worden. Für die Henrichenburger Schleuse ist das Wasserstraßen- und Schifffartsamt in Duisburg-Meiderich zuständig. Die Häfen werden über das elektronische Wasserstraßen- und Informationssystem ELWIS über bevorstehende Sperrungen informiert. Die Kommunikation habe sich deutlich verbessert, sagt Uwe Büscher, Vorstand der Dortmunder Hafen AG. Vor Jahren sei man teilweise erst wenige Wochen vor einer Sperrung ins Bild gesetzt worden. Inzwischen komme die Information "deutlich früher" an, sodass sich die Betriebe mit ausreichend zeitlichem Vorlauf auf die Situation einstellen könnten.
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