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Schulbus-Fahrer sorgt sich um Kinder: „Die meisten Autofahrer brettern mit 50 km/h vorbei“

rnÜberholen an Bus-Haltestellen

Mit dem Schulstart kehrt eine Unsitte zurück auf Dortmunds Straßen: Viele Autofahrer sind beim Überholen von Schulbussen viel zu schnell. Ein Busfahrer kritisiert fehlende Kontrollen.

Dortmund

, 29.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Mit dem Beginn des Schuljahres am heutigen Mittwoch sind wieder tausende Dortmunder Schüler morgens und nachmittags unterwegs. Einige von ihnen nehmen dann jeden Tag in Bernhard Schindlers 17-sitzigen Kleinbus Platz. Und jedes Mal, wenn der Schulbusfahrer bei der Anfahrt auf eine Haltestelle sein Warnblinklicht anmacht, wird ihm ganz anders.

Eigentlich gilt ab diesem Moment bis zu jenem, an dem der Bus an der Haltestelle zum Stehen kommt, ein absolutes Überholverbot. Und wenn er dann steht, dürfen Autos - auch die im Gegenverkehr - den Bus nur im Schritttempo überholen. So regelt es die Straßenverkehrsordnung. Eigentlich. Denn, so Schindler: „Der Anteil der Autofahrer, die diese Verkehrsregel anwenden, liegt im Promillebereich. Die meisten brettern mit 50 km/h ungebremst vorbei.“

Regelung ist bei vielen Autofahrern bis heute nicht angekommen

Seit 2005 steuert Schindler Schulbusse durch Dortmund. Meistens ist er im Dortmunder Süden unterwegs, aber auch in der Nordstadt. „Das ist ein stadtweites Problem“, sagt er. Und auch Bernd Winkelmann, Pressesprecher von Dortmunds Nahverkehr-Betreiber DSW21, spricht von einer gesetzlichen Regelung, „die seit ihrer Einführung 1995 bei vielen Autofahrern bis heute nicht angekommen ist.“

Busfahrer Schindler, der für ein privates Busunternehmen arbeitet, glaubt, dass vielen Autofahrer auch nicht bewusst ist, wie riskant schnelle Überholmanöver für die ein- und aussteigenden Schüler sind. „Fünf- bis sechsmal pro Jahr erlebe ich brenzlige Situationen, in denen die Kinder ohne Vorwarnung über die Straße laufen, ohne auf den Verkehr zu achten“, berichtet Schindler. Immer wieder denke er sich dann: „Gott sei Dank, es ist mal wieder nichts passiert.“

Verletzte Jugendliche in Dorstfeld

Nicht immer gehen solche Situationen glimpflich aus. Durchschnittlich zweimal pro Monat verletzt sich in Dortmund ein Kind oder ein Jugendlicher bei einem Verkehrsunfall auf dem Schulweg, die Zahlen sind seit Jahren konstant. Wie viele dieser Unfälle rund um Schulbusse passieren, dazu führt die Polizei keine gesonderte Statistik. Dass es sie gibt, zeigt ein Fall aus dem April 2017. Damals wurde eine 17-Jährige in Dorstfeld von einem Auto angefahren und leicht verletzt, als sie gerade die Straße vor einem haltenden Bus überquerte.

Dabei drohen Autofahrern, die sich nicht an das Überholverbot und das Schritttempo-Gebot (max. 10 km/h) beim Überholen von Bussen halten, durchaus saftige Strafen. Wer beispielsweise einen haltenden Bus mit 40 km/h überholt, für den sieht der Bußgeldkatalog 100 Euro und einen Punkt in Flensburg vor, bei über 50 km/h sind es sogar 200 Euro, 2 Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Schindler: Habe noch nie erlebt, dass Polizei jemand angehalten hat

Dass so viele Fahrer das Schritttempo-Gebot trotzdem ignorieren, liegt Schindlers Meinung nach auch daran, dass es zu wenig Kontrollen gibt. „Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Autofahrer deswegen zur Rechenschaft gezogen worden wäre“, sagt der Schulbusfahrer. Er erzählt, dass es ab und an vorkomme, dass selbst andere Busse und sogar Streifenwagen ohne Bremsen an ihm vorbeiführen, während er an einer Schulbus-Haltestelle stehe. „Da fehlt es an Problembewusstsein.“

Sowohl DSW21 als auch die Polizei bestreiten diese Vorwürfe. „Bei DSW21 sind solche Fälle nicht bekannt“, sagt Pressesprecher Bernd Winkelmann. Man weise regelmäßig zum Schulstart auch hausintern durch Aushänge auf die beiden Regeln in Bezug auf Schulbus-Haltestellen hin. In einem konkreten Fall bei der Polizei, in dem Schindler 2015 eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Beamten einreichte, hätte sich die Streifenwagen-Besatzung in einem Einsatz befunden, erklärt Polizeisprecherin Dana Seketa auf Anfrage. Die Beschwerde wurde abgewiesen.

Polizei: Thema ist bei uns nicht als Problem bekannt

Auch die Kritik, dass die Polizei das Überholverbot und das Schritttempo-Gebot nicht kontrollieren würde, will Seketa nicht gelten lassen. „Regelmäßig“ gäbe es Verkehrskontrollen im Umfeld von Schulen und an den dortigen Bushaltestellen, wo man auch auf diese beiden Verkehrsregeln achten würde, darüber hinaus gebe es Schwerpunktkontrollen, auch zum Schulbeginn. Wie viele Autofahrer gegen diese beiden Verkehrsregeln verstießen und deswegen ein Bußgeld bezahlen mussten, kann die Polizei hingegen nicht sagen. Das werde statistisch nicht einzeln erhoben.

Vielleicht ändert sich das. Schindler hat sich mit seinem Wunsch nach mehr Kontrollen auch an die Polizei gewandt. Das Beschwerdemanagement befasse sich mit dem Anliegen, so Polizeisprecherin Seketa. Sie sagt aber auch: „Dieses Thema ist uns momentan als Problem nicht bekannt.“

Täglich verkehren in Dortmund laut Stadt 78 Schulbuslinien. Dazu kommen noch rund 600 wöchentliche Fahrten, wenn Schulklassen zum Beispiel ins Hallenbad oder in Museen fahren.
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