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Smart Home-Technik hilft beim Energiesparen und verrät auch Einbrecher

rnWohnen

„Smart Home“-Technik soll das Leben komfortabler machen. In Eving wurde mit einem kleinen digitalen Helfer ein Einbrecher geschnappt. Aber da geht noch viel mehr.

Dortmund

, 27.11.2018 / Lesedauer: 6 min

Michael Loeffler aus Dortmund ist 42 Jahre alt. Er ist davon überzeugt: „Smart-Home-Technik macht das Leben in manchen Dingen einfacher. Aber es ist gewöhnungsbedürftig.“ Sein Haus ist digital durchgetaktet. „Ich wollte es ins 21. Jahrhundert holen.“

Mit Smartphones und Kommandozentralen wie Alexa und Google Assistant digitalisiert der Mensch sein Leben. Längst geht es nicht mehr nur um die Kommunikation.

Das Telefonieren mit dem Smartphone ist zur Nebensache geworden. Per App steuerbare Endgeräte sollen den Alltag durchdringen. Hardware- und Software-Hersteller versprechen mehr Komfort und Sicherheit durch „Smart Home“-Produkte im Haushalt oder in der Firma.

Weltweit Zugriff aufs Haus

Wer mag, kann Temperatur, Wasserstrahl und sogar die Beleuchtung seiner Dusche mit einer App regeln. Roboterstaubsauger und -rasenmäher nehmen in Haushalt und Garten lästige Arbeit ab.

Weit verbreitet und beliebt sind steuerbare Lichtsysteme. Dabei geht es nicht nur um „an“ oder „aus“, sondern auch um Farbton, Helligkeit und Zeitsteuerungen.

Neben Assistenten für die Steuerung der Heizung bieten die Hersteller auch für mehr Sicherheit ins lokale Funknetz eingebaute Rauchmelder, Sensoren und Videokameras an. „Mein System erlaubt mir, weltweit auf mein Haus Zugriff zu haben.“

Rasante Entwicklung der Technik

„Broschüren können wir gar nicht so schnell drucken, wie sich die Technik entwickelt“, sagt Kriminalhauptkommissar Markus Schettke von der Dortmunder Polizei. Ohne jeden Zweifel könne digitale Technik mehr Sicherheit selbst beim Schutz vor Einbrechern liefern.

Ein Beispiel stammt aus dem Stadtteil Eving im Norden der Stadt: Für 75 Euro hatte ein Familienvater bei einem Restposten-Verkauf eines großen deutschen Discounters ein Sensoren-Set für die Wohnungstür gekauft. Ist die Tür wirklich zu, wenn sie zu sein soll oder wird sie gerade von Unbefugten geöffnet? Scharf gestellte Technik sendet dem Anwender sofort ein Signal aufs Smartphone.

Mieter kauft ein und entdeckt Einbrecher

Während eines Einkaufs in der Evinger Mitte erhielt jener Bürger aus Eving das Signal – obwohl niemand außer ihm selbst zu diesem Zeitpunkt die Tür hätte öffnen sollen. Der Mann eilte nach Hause und erwischte zwei junge Einbrecherinnen. Eine davon konnte er festhalten, bevor er die Polizei alarmierte.

Markus Schettke stellt klar: „Zu seiner eigenen Sicherheit hätte der Bürger zuerst den Polizei-Notruf 110 wählen sollen, denn er hätte auf wehrhaftere Täter stoßen können.“

Dennoch hätten die Sensoren und die App auf dem Smartphone einen wichtigen Mehrwert geliefert, weil sie einen ungleich größeren Wertverlust durch den Einbruchs-Diebstahl verhindert haben. Markus Schettke: „Ein ganz einfacher Fall, der zeigt, dass digitale Technik sinnvoll sein kann.“

Täter erkennen, Schaden begrenzen

Digitale Werkzeuge können also helfen, einen Einbruch zu erkennen und Schaden begrenzen. Ins Heimnetz eingebundene Videokameras übertragen sogar Livebilder aus der Wohnung auf eine Smartphone-App: Wer auf Mallorca am Strand liegt oder im Supermarkt an der Kasse steht, kann dabei zu sehen, wie Einbrecher daheim auf Beutezug gehen – und die Polizei alarmieren und sogar eine Täterbeschreibung liefern.

Kriminalhauptkommissar Markus Schettke, der 52-Jährige ist privat selbst ein digitaler Mensch, rät allerdings dazu, an die Videoüberwachung in Wohnräumen Bedingungen zu stellen – die Videokontrolle sei ein schwerer Eingriff in die Intimsphäre aller Familienmitglieder oder Gäste. „Das kann Freunde abschrecken“, gibt er zu bedenken.

Kameras und Sensoren nutzt auch Michael Loeffler. Mit Sensoren kann er unterwegs checken, ob Fenster oder Terrassentüren verschlossen sind. „Wenn nicht, kann ich Nachbarn oder Angehörige bitten, die Fenster zu schließen. Das ist natürlich Luxus. Den muss man nicht haben. Aber es macht Sinn. Wenn ich in der Eile etwas vergessen haben und das überprüfen kann, dann ist das doch praktisch.“ Betreten unbefugte Personen das Haus, kann Michael Loeffler automatisiert ein Licht-Programm ablaufen lassen und Anwesenheit simulieren – das stört den Täter.

Smart Home-Technik hilft beim Energiesparen und verrät auch Einbrecher

Videokameras stellen hohe Anforderungen an den Datenschutz im Umfeld des überwachten Wohnhauses oder der Firma und gerade auch in privat genutzten Räumen. © Peter Bandermann

Sicherheit ist nicht ausschließlich digital

Das Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei hatte 2017 mehr als 450 Bürgerinnen und Bürger in Einzelgesprächen zum Einbruchsschutz beraten und über 50 Vorträge vor größeren Gruppen gehalten. Dabei stellte sich heraus: Es sind vor allem junge Paare und Familien, die den Haushalt digitalisieren wollen und nach Standards fragen.

Die Polizei erkennt die Vorteile der Digitaltechnik. Markus Schettke warnt aber davor, die Sicherheit ausschließlich Smart Home zu überlassen. Die Polizei rät weiter zum Einbau eines robusten „mechanischen Grundschutzes“ an Türen und Fenstern. Die stabile Mechanik müsse in der Priorität den Sensoren und Apps vorgeschaltet werden.

Bei einem Umzug zieht Smart Home mit

Pilzkopfverriegelungen an Fenstern und Terrassentüren oder massive Querriegel an der Wohnungstür gehören dazu: Wer die Zugänge mit einer richtigen Sicherheitsklasse schütze, sei auf der sicheren Seite. Mieter hätten das Nachsehen, weil sie nachgerüstete Fenster und Türen bei einem Umzug nicht mitnehmen können. Anders ist das bei der Smart-Home-Technik: Elektronisch steuerbare Lichtschalter, Sensoren und Kameras können die Besitzer mit ins neue Heim nehmen. Ein wichtiges Merkmal, denn: Wer sein Haus oder seine Wohnung umfassend mit Smart-Home-Produkten ausstattet, muss einen hohen dreistelligen Eurobetrag investieren. Die Grenze zur Vierstelligkeit ist schnell überschritten.

Das Heimnetz muss sicher sein

Und was ist mit technischen Raffinessen wie der optischen Gesichtserkennung vor dem Türschloss, statt das Schloss klassisch mit einem Schlüssel zu bedienen? Das sei eine Frage des Komforts und sie zu beantworten nicht die Aufgabe der Polizei, sagt Markus Schettke. Das Schloss müsse sicher sein – Punkt. Allerdings sollten im Haushalt digital denkende Menschen präzise darauf achten, dass ihr Heimnetz kein Sicherheitsproblem darstellt, also keine Lücke für einen Hacker-Angriff von außen bieten.

Sollten Einbrecher nicht nur Hebelwerkzeuge besitzen, sondern auch digital aufgerüstet sein, könnten sie das Heimnetzwerk kapern und elektronisch steuerbare Jalousien öffnen, das Licht ausschalten und sogar erkunden, ob und welche Geräte gerade im Netzwerk aktiv sind (und damit auch ob jemand Zuhause ist). Autodiebe haben sich längst auf das Ausspähen von Daten spezialisiert.

Smart Home-Technik hilft beim Energiesparen und verrät auch Einbrecher

Kleine elektronische Helfer, die Komfort und Sicherheit bieten (von links): Ein Sensor, der in der Steuerzentrale anzeigt, ob eine Tür oder ein Fenster geschlossen ist; das austauschbare Innenleben eines per App aus der Ferne zu bedienenden Lichtschalters und ein Bewegungsmelder. © Peter Bandermann

Router sollen mit aktuellen Updates arbeiten

Die AVM GmbH in Berlin rät Verbrauchern dazu, Router und andere Geräte immer mit den aktuellen Updates zu versorgen. Das geht auch automatisch. AVM ist der Hersteller der „Fritz!Box“-Router und verfügt über hohe Marktanteile. Die in Fluren, Wohn- und Kinderzimmern oder Heimbüros installierten roten Kisten liefern das Internet ins Haus. AVM lässt auf Anfrage wissen: „Wir empfehlen, nur Smart-Home-Geräte von Herstellern zu nutzen, die ihre Produkte regelmäßig mit Updates pflegen. Anwender sollten darauf achten, diese Updates auch zeitnah nach der Veröffentlichung einzuspielen, sofern die Produkte das Update nicht bereits automatisch durchführen können.“

Smart Home-Technik hilft beim Energiesparen und verrät auch Einbrecher

Router sollten aus Sicherheitsgründen immer das aktuelle Update erhalten. © Peter Bandermann

Wenn das Wlan nicht funktioniert

Und was wollen die Verbraucher? Antworten auf diese Frage liefert in Dortmund auch Heinrich Pingel aus dem Stadtteil Hörde. Smart Home ist für ihn schon seit 2011 kein Fremdwort mehr. Damals ging es in dem 1927 gegründeten Fernsehfachgeschäft nur um Audiosysteme, die im Wohnzimmer eingeschaltete Musik im gesamten Haus übertragen sollten. Ab 2013 nahm der Smart-Home-Markt an Fahrt auf. Heute rüstet Heinrich Pingel Drei-Zimmer-Wohnungen, Immobilien mit Pool auf dem Dach, Luxusjachten, Einfamilienhäuser und Unternehmen mit Smart-Home-Systemen aus. „Aber niemand kommt rein ins Geschäft und fragt nach Smart Home“, sagt der Spezialist, „die meisten sind genervt davon, dass bei ihnen fünf Fernbedienungen auf dem Tisch liegen oder dass Wlan nicht funktioniert.“ Für ihn ist das der Einstieg in die private Datenwelt.

Alles aus dem Smartphone

Ob sämtliche TV- oder Radioprogramme, Licht innen und außen oder im Pool, Türen, Fenster, Jalousien, Kameras, Alarmanlage, Sonnenschutz, Heizungsregler, die Kaffeemaschine oder das Garagentor – Heinrich Pingel: „Das alles bringen wir dem Kunden aufs Tablet oder aufs Smartphone.“ Ein Haus müsse dafür nicht nigelnagelneu sein. Smart Home funktioniere genausogut im Altbau. Moderne Systeme seien so einfach zu bedienen, dass dem Kunden die App oder das Tablet nicht lange erklärt werden müsse. Energiesparfüchse können Heizkörperventile und Licht regeln, ohne Zuhause sein zu müssen.

Kunden wollen Sicherheit auch digital

Kunden wollen vor allem die Sicherheit: Nicht nur am eigenen Heim, sondern auch in der Firma. „Der Chef will Werkstatt oder Flure einsehen können, wenn ein Sensor eine Bewegung meldet, obwohl am Samstagabend niemand in der Firma sein sollte.“ Smart Home ermögliche Sicherheit durch Elektronik auch für die eigene Wohnung oder das Haus. Die Technik könne die An- und Auszeiten von Licht und die Positionen der Jalousien zum Beispiel für eine Woche speichern und diese Abläufe dann wiederholen. Heinrich Pingel: „Das ist ideal für den Urlaub.“

Nicht allein auf digitale Technik verlassen

Abseits von Routern, Updates, Sensoren und Apps rät Kriminalhauptkommissar Markus Schettke noch zu einer „Kommunikation mit dem Täter auf Augenhöhe“, wenn es um den Schutz vor Einbrechern gehe. Ein gut gesichertes Fenster erkenne ein Einbrecher auf den ersten Blick. Sogar dann, wenn es „auf Kipp“ stehe. Denn so sind die Sicherungselemente im Rahmen sichtbar.

Wie sicher eine Wohnungs- oder Haustür ist, erkenne ein Täter sofort am Schloss. Bei Schlössern und Riegeln, die beim Öffnen viel Arbeit und Lärm erforderten, fange ein Einbrecher erst gar nicht an. Grundsätzlich sollte gelten: „Bevor Sensoren oder Kameras einen Einbrecher erkennen, sollte stabile Mechanik den Einbruch verhindern. Es kommt darauf, den Täter erst gar nicht reinzulassen.“

Für den Einbau von sicheren Fenstern und Türen oder Nachrüstungen empfiehlt das Landeskriminalamt professionell arbeitende Firmen. Sie stehen auf einer „Errichterliste“. Für den Bereich Smart Home gibt es keine Errichterliste.
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