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Die Berghofer lieben ihren grünen, sauberen Stadtteil mit seiner guten Nahversorgung und bescheinigen ihm eine hohe Lebensqualität. Ein paar Wünsche bleiben aber dennoch offen.

Berghofen

, 24.11.2018 / Lesedauer: 6 min

Mit Familie Saager einen Termin zu machen ist gar nicht so einfach. Die fünf sind viel unterwegs, laufen mit Familienhund Fergus durchs Lohbachtal oder den Schwerter Wald, die Kinder spielen Hockey, Tennis und Basketball, gehen zu den Pfadfindern oder treffen sich mit Freunden in Brunos Eiscafé oder am Tennisclub. Keine Frage: Die Saagers fühlen sich wohl in Berghofen.

Fionnuala Saager (46) ist in Irland geboren und in Kanada aufgewachsen. Als sie vor 18 Jahren wegen ihres Ehemanns Dirk (49) nach Dortmund zog, sei es nicht so ganz einfach gewesen, im Stadtteil Fuß zu fassen, erzählt sie. „Es dauert etwas, reinzukommen.“

Inzwischen aber sind die Saagers mit ihren drei Kindern Cillian (9), Niamh (12) und Fyona (14) fest verwurzelt. Vor sechs Jahren kam noch der stattliche Berner Sennenhund Fergus hinzu. Er hat reichlich Auslauf im großen Garten am Eisvogelweg. Wie so oft bei älteren Wohngebieten sind auch in diesem Teil Berghofens die Grundstücke großzügig bemessen.

Cillian würde trotzdem lieber in der Neubausiedlung am Apolloweg wohnen, denn da sei immer etwas los. Dort haben sich viele junge Familien angesiedelt, es gibt eine Kita und einen Spielplatz. Doch auch in den alten Straßen mit den Vogelnamen hat der Generationswechsel längst eingesetzt, man kennt und hilft sich gegenseitig. „Alle Leute sind hier verbunden, es ist wie in Irland“, sagt Fin Saager. „Berghofen ist wie ein Dorf.“

Das bietet viele Vorteile. So bilden es auch die Ergebnisse des Stadtteilchecks ab, mit hohen Werten für Lebensqualität, Seelsorge und Gastronomie. „Wir haben hier alles, was man braucht. Nur ein Drogeriemarkt fehlt“, sagt die irische Berghoferin. Und sie vermisst den Discounter, nachdem sich Aldi von der Berghofer Straße verabschiedet hat. Dafür gibt es im Zentrum einen Supermarkt, eine Apotheke, Post, Sparkasse, Eisdiele, Blumenladen, Metzgerei und einen Bäcker.

Die nach dem Umbau des Zentrums neu hinzugekommene Bäckerei sei wichtig für den Ort. „Die Mütter stehen vor den Schulen und Kindergärten und quatschen, es gibt einfach kein gemütliches Café, wo sie hingehen können – nur die Filiale der Bäckerei-Kette“, sagt Fin Saager. Sie habe sogar schon überlegt, selbst ein Café zu eröffnen.

Das Gastronomie-Angebot im Ort mit dem „Berghofer“, einer Pizzeria, und Traditionskneipen wie Haus Heimsoth und Haus Gockel finden die Saagers bescheiden, obwohl dieser Punkt im Stadtteilcheck gut bewertet wurde. Die Irin vermutet, dass viele Alteingesessene so abgestimmt haben, weil sie das gutbürgerliche Angebot schätzen. Vielleicht auch, weil das unscheinbare „Mandarin“ an der Wittbräucker Straße als einer der besten Chinesen weit und breit gilt. „Mir fehlt etwas Moderneres, wo man unter mehreren Weinen auswählen kann und wo es vielleicht auch Cocktails gibt.“

Viel wichtiger aber sind der Familie die Freizeitmöglichkeiten, und die sind dank Lohbachtal und umliegender Waldgebiete ideal, nicht nur für Fergus. Die maximale Punktzahl beim Thema Grünflächen bestätigt das. „Das Lohbachtal ist ein toller Platz für Kinder, sie gehen mit Gummistiefeln los und fangen Kaulquappen.“ Der TC Berghofen in der Rubinstraße sei ein wichtiger Anlaufpunkt, auch für Jugendliche und nicht nur zum Tennisspielen. Dort treffen sich Erwachsene und Nachwuchs zum Fußballgucken oder zum Quatschen auf der Terrasse. Jüngere Kinder gehen auch gern zu den Pfadfindern oder sie sind Messdiener.

Für die Jugend sind auch die Sportvereine wichtig, neben dem Tennisclub der SV Berghofen mit seinen Fußballmannschaften und der mehr als 100 Jahre bestehende Turnverein TV Berghofen. An der Grenze zu Schwerte liegt der Kletterwald Freischütz mit einem tollen Spielplatz, „ein Traum“, wie Fin Saager sagt. Für junge Mütter bieten die Berghofer Kirchengemeinden Krabbelgruppen und Mutter-Kind-Turnen. Fin Saager hat viele dieser Angebote mit ihren drei Kindern gern genutzt. Die vergleichsweise schlechte Bewertung der Familienfreundlichkeit – ein Punkt weniger als im stadtweiten Durchschnitt – kann sie daher nicht nachvollziehen.

Auch Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel hat keine Erklärung dafür: „Durch den Steigerturm ist eine Menge an familienfreundlichen Aktivitäten hinzugekommen“, sagt er. „Es gibt eine neue Konzertreihe mit klassischer Musik, Flohmärkte und andere Veranstaltungen, darunter auch einiges für Jugendliche. Wir haben sehr aktive Sportvereine und eine Jugendfreizeiteinrichtung.“ In der Berghofer Mark sei das Angebot zugegebenermaßen etwas dürftiger.

Die grundlegende Versorgung stimmt jedenfalls in Berghofen, bestätigt Cornelius Boensmann, Fachreferent für Kinder- und Jugendförderung im Stadtbezirk Aplerbeck. Vier Kindergärten decken den Bedarf für alle Altersgruppen, der Kinder- und Jugendtreff in der Grundschule hat fast täglich geöffnet und bietet auch Aktivitäten für die ganze Familie: Fahrradtouren, Ausflüge zum Hengsteysee mit Paddelboot-Fahren oder Backen zur Weihnachtszeit.

Es gibt fünf öffentliche Spielplätze in Berghofen, darunter den großen Wasserspielplatz am Pottenkamp. Im evangelischen Familienzentrum am Fasanenweg organisieren Stadt und Kirche gemeinsam ein Krabbelcafé, hinzu kommt eine ganze Reihe weiterer Angebote in den Gemeinden. Auch Cornelius Boensmann verweist auf das wachsende Angebot der Initiative „Unsere Mitte Steigerturm“. „Es gibt wirklich eine Menge Möglichkeiten in Berghofen“, sagt Boensmann. „Man muss sie nur etwas mehr ins Bewusstsein bringen.“

Das wurde noch positiv bewertet

Sauberkeit: Nach dem im März 2017 abgeschlossenen Umbau im Ortskern strahlt das kleine Stadtteilzentrum in neuem Glanz. Dreckecken gibt es in Berghofen-City nicht. In den Wohngebieten achten die Bewohner auf Sauberkeit: 9 Punkte und damit zwei mehr als im Stadt-Durchschnitt.

Seelsorge: Neun von zehn Punkten vergaben die Befragten für das seelsorgerische Angebot in Berghofen - ein Kompliment für die Kirchengemeinden, die katholische Josephs-Gemeinde und die evangelische Gemeinde am Fasanenweg mit der 1929 errichteten Kreuzkirche.

Verkehrsbelastung: Die Berghofer waren durch die stark befahrene Berghofer Straße Kummer gewöhnt. Umso mehr schätzen sie die Entlastung, die der 2008 eröffnete Tunnel an der B236 für den Ortskern bedeutet. Sie bewerten den Straßenverkehr mit sieben Punkten, das ist ein Punkt über dem Stadt-Durchschnitt. Wobei es rund um Berghofer Straße und Ostkirchstraße ein Tempo-30-Problem gibt. Das sei „eine Katastrophe“, sagt Anwohnerin Silke Birkle. Sie hat Angst um ihre Töchter (3 und 6), die mit Fahrrad und Laufrad unterwegs sind. „Die Autos fahren viel zu schnell. Die brettern hier durch die Tempo-30-Zone und über den Kreisverkehr.“

Berghofen: Grünes Glück mit begrenzter Anbindung

Silke Birkle kritisiert die Verkehrssituation. © Susanne Riese

Auch die Bezirksvertreter wünschten sich eine Verkehrsberuhigung auf der Berghofer Straße. „Das Problem mit den Kreisverkehren regelt sich nach einige Beinahe-Unfällen von allein, die Autofahrer passen besser auf“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel. Auf der Wunschliste stehe aber noch ein Zebrastreifen oberhalb des Berghofer Zentrums, der mehr Sicherheit geben und zwangsläufig Raser mäßigen würde.

Ohne diese Bremse würden Autofahrer auf der breit ausgebauten Straße leicht dazu verleitet, schneller zu fahren. „Der Zebrastreifen war mit der Verwaltung nicht zu realisieren, obwohl es ursprünglich in der Planung vorgesehen war“, sagt Jürgen Schädel. Nachträglich sei das teuer und kompliziert.

Das wurde negativ bewertet

Verkehrsanbindung: An der Verkehrsanbindung gibt es Kritik, die Bewertung liegt einen Punkt unter dem stadtweiten Durchschnitt. Jürgen Schädel sagt dazu: „Der Bereich südlich der Wittbräucker Straße ist nicht gut angebunden.“ Etliche Busse führen nicht durch, die Bürger müssen umsteigen. Der öffentliche Nahverkehr ermögliche aber dennoch, alle Ziele zu erreichen. Offenbar gibt es aber Luft nach oben.

Bruno Della Mea, der die Eisdiele im Berghofer Zentrum betreibt, kennt das Problem. „Tagsüber geht es, aber ab 20 Uhr ist Berghofen quasi von der Außenwelt abgeschnitten.“ Darüber beschwerten sich auch viele seiner Kunden. Aber die Busse seien abends leer. „Da lohnt es nicht, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt er selbst.

Am späteren Abend müssen sich die Berghofer ab Hörde irgendwie durchschlagen, die Erfahrung macht auch Familie Saager. Das ist ihnen ihr schöner, grüner Stadtteil aber wert, so Fionnuala: „Wir sind hier glücklich. Ich würde nirgendwo anders hingehen wollen.“

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

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Historie

Fast 800-jährige Geschichte

Berghofen: Grünes Glück mit begrenzter Anbindung

Die Chausseestraße in Berghofen um 1910

Berghofen wird um 1220 erstmals namentlich erwähnt, in der Vogteirolle des Grafen Friedrich von Altena-Isenberg. 1229 taucht Theodericus de Berchoven als erster Vertreter einer Adelsfamilie auf, die sich nach dem Ort benannte. 1268 erwarb Adalbert von Berghofen seinen Lehns-Besitz in Berghofen vom Grafen Gottfried II. von Arnsberg. Später gerieten die Herren von Berghofen in die Lehnsabhängigkeit der Grafen von der Mark.
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