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Brünninghausen: Toll für Ausflüge, aber nicht zum Ausgehen

rnStadtteilcheck

Eine Dauerkarte für den Zoo lohnt sich hier mehr als irgendwo sonst. Bolmke und Rombergpark laden zum Spaziergang ein. Nur zur Kneipe oder Gaststätte haben es die Brünninghauser weit.

Brünninghausen

, 19.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Rosensiedlung klingt einladend. Familie Kizilocak jedenfalls könnte sich nichts Besseres vorstellen. Mit ihren zwei Töchtern Defne (12) und Esra (14) fühlen sich Ali (50) und Canan (48) Kizilocak im Hundsrosenweg in Brünninghausen pudelwohl.

Eingerahmt von Rombergpark, Zoo und Naturschutzgebiet Bolmke bieten die Stadtteile Brünninghausen und Renninghausen ideale Bedingungen für Familien.

Die Umfrageergebnisse des Stadtteilchecks spiegeln das mit super Werten wider: volle Punktzahl beim Grünflächenangebot, hohe Werte bei Lebensqualität, Sauberkeit, Versorgung. In 11 der 17 abgefragten Kategorien erreichten die Stadtteile überdurchschnittlich hohe Punktzahlen. Fünf Bereiche lagen im stadtweiten Durchschnitt, und nur in einer Kategorie gab es weniger Punkte; doch dazu später.

Canan Kizilocak hat der Job nach Brünninghausen geführt. Seit 1992 arbeitet sie in der Verwaltung des Minna-Sattler-Seniorenzentrums. „Ich schätze die ruhige Lage, direkt am grünen Rombergpark. Als die Kinder klein waren, hatte ich immer eine Jahreskarte für den Zoo, das war super. Dort gibt es auch einen tollen Spielplatz“, erzählt sie.

„Andere reisen extra hierher, weil es so schön ist.“ Der Botanische Garten Rombergpark mit dem Torhaus Brünninghausen und das Café Orchidee mit dem Pflanzenschutzhaus gehören zu den Höhepunkten der Dortmunder Denkmallandschaft. 2004 wurde auch die Gutsanlage Schultenhof in die Denkmalliste eingetragen.

Brünninghausen: Toll für Ausflüge, aber nicht zum Ausgehen

Der Schultenhof. © Barz

Canan Kizilocak schätzt zudem den schnellen Weg in die Stadt. „Die Regionalbahn fährt zehn Minuten zum Hauptbahnhof.“ Zur Traumlage gehört für die 48-Jährige auch die Nähe zu Hombruch. „Dort habe ich alles, was ich brauche. Und die Hombrucher Innenstadt ist sehr schön. Wir gehen gern einfach zum Bummeln oder Eisessen hin.“

Die Nahversorgung stimme aber auch, so Canan Kizilocak. „Ich kann mich entscheiden, ob ich rechts zum Discounter oder links Richtung Rewe und DM gehe.“ Die überdurchschnittlich gute Bewertung für alle Angebote rund um Freizeit und Familie würde sie unterschreiben, die für das Seniorenangebot sowieso. Denn mit Mina-Sattler- und Erna-David-Seniorenzentrum und Hermann-Keiner-Haus gibt es ein großes Angebot für die Unterbringung älterer Menschen. Was viele von ihnen vermissten, sei eine Lotto-Toto Bude. Rebecca Lausen vom Quartiersmanagement bestätigt das.

Durch das Schulzentrum Renninghausen sind auch Defne und Esra bestens versorgt. Sie haben dort die Grundschule besucht und gehen jetzt zum Helene-Lange-Gymnasium. Das einzige was die Mädchen stört: Sie bekommen kein Schokoticket, weil der Weg zur Schule so nah ist. Damit würden sie aber schon gerne durch die Stadt fahren.

Das wurde noch positiv bewertet

Sauberkeit: Die Brünninghauser und Renninghauser bewerten ihre Stadtteile als besonders sauber, mit zwei Punkte über dem Stadt-Durchschnitt. Quartiersmanagerin Rebecca Lausen führt das auf die Quartierskümmerer zurück, die seit Jahren im Einsatz sind und etwa bei Müllansammlungen sofort reagieren. Zusätzlich hätten auch die Verantwortlichen von Zoo und Rombergpark ein Auge auf die Umgebung.

Verkehrsbelastung: Insgesamt vergaben die Befragten zwei Punkte mehr (8) als die Dortmunder im Durchschnitt aller Stadtteile vergeben haben. Allerdings scheiden sich die Geister an der Mergelteichstraße. „Im Sommer ist der Verkehr durch die Zoobesucher unerträglich“, sagt Canan Kizilocak. Und täglich gebe es mehrfach Rückstaus wegen der Bus- und Autofahrten zu den anthroposophischen Schulen. Ein Runder Tisch zum Thema regte eine Öffnung der Mergelteichstraße zur Zillestraße an. „Viele sehen das als einfachste Lösung, aber das geht nicht so einfach“, sagt Quartiersmanagerin Rebecca Lausen. „Über das Problem diskutieren wir in einer Steuerungsgruppe mit rund 25 Institutionen.“

Sicherheit: Überdurchschnittlich sicher fühlen sich die Menschen in Brünninghausen und Renninghausen. „Dieses Gefühl trügt nicht“, sagt dazu Polizeisprecher Kim Ben Freigang. Die Zahlen bestätigten das: Sowohl die Einbruchszahlen als auch die der Raubüberfälle sind im Stadtbezirk Hombruch in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Im Zeitraum Januar bis September 2016 verzeichnete die Polizei 237 Einbrüche, im Jahr 2017 noch 168 und in diesem Jahr 99 Fälle; das ist ein Rückgang von 41 beziehungsweise 69 Prozent. Die Zahl der Raubüberfälle ging von fünf (Januar bis September 2016) auf zwei zurück.

Brünninghausen: Toll für Ausflüge, aber nicht zum Ausgehen

Der Rombergpark steht für einen hohen Freizeitwert im Stadtteil. © Archiv

Sportangebot und Radfahren: Der alt eingesessene FC Brünninghausen hat neben dem Schwerpunkt Fußball ein breites Angebot mit Volleyball, Tischtennis, Gymnastik und Bodyfit. Beliebt bei Spaziergängern, Fahrradfahrern und Sportlern wie Joggern oder Nordic Walkern sind die Bolmke und Umgebung. Zum Teil reisen die Sportler sogar von außerhalb an, um das Erholungsgebiet zu nutzen. Lange wurde die Bolmke auch von Cross-Radfahrern genutzt, jedoch ist die Strecke auf behördliche Anordnung hin zerstört worden.

Mit den Radwegen sind die Bürger überdurchschnittlich zufrieden, was neben der Anbindung an die Bolmke auch auf die Erneuerung der Radwege im Bereich Stockumer Straße zurückzuführen sein könnte, auf die Bezirksbürgermeister Hans Semmler verweist.

Das wurde negativ bewertet

Gastronomie: Mit 1,5 Punkten unter dem Stadtdurchschnitt bewerteten die Befragten das gastronomische Angebot. „Hier ist absolut nichts“, sagt Canan Kizilocak. Für die Mittagspause kämen nur das Café Orchidee am Rombergpark, ein Imbiss und eine Steh-Bäckerei in Frage. „Aber es gibt nichts, wo wir abends mit den Nachbarn mal gemütlich etwas trinken könnten.“

Bezirksbürgermeister Hans Semmler fallen neben dem Goldenen Erntekranz in Renninghausen, der Sportplatz-Gastronomie und den Restaurants in den Kleingartenanlagen auch nicht viele Kneipen und Gaststätten ein - vor allem nicht in Brünninghausen. Immerhin ist das Restaurant am Zoo-Haupteingang wieder bewirtet. Wegen der häufigen Schließungen und Pächterwechsel in den vergangenen Jahren haben die Anwohner das „Due Leoni“ aber noch nicht so auf dem Schirm.

Hauptgrund für das bescheidene Ausgeh-Angebot aber sei das Kneipensterben, meint Hans Semmler, der sich noch an viele Gaststätten und Pinten erinnern kann, die es früher im Stadtbezirk gab. „Die Leute gehen einfach zu wenig in Kneipen, die letzten Pinten bekamen dann den Todesstoß durch das Rauchverbot.“

Für eine Gastronomie am Standort des alten Haus Mentler habe man lange versucht, einen Betreiber zu finden - erfolglos. So werden die Brünning- und Renninghauser weiter zum Ausgehen nach Hombruch ausweichen müssen.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

Historie
Schloss und Park entstehen aus einem Herrensitz

Brünninghausen: Toll für Ausflüge, aber nicht zum Ausgehen

Das Wasserschloss Brünninghausen mit Schlossteich im heutigen Rombergpark um 1930. © Archiv

Brünninghausen wurde als Bruninchusen 1262 erstmals urkundlich erwähnt. Ein adeliges Haus Brünninghausen befand sich wahrscheinlich ursprünglich im Dorf Brünninghausen circa 1 km südwestlich. Erst im 14. Jahrhundert ließ Dietrich Vitinchof gen. Nortkerke von Brünninghausen außerhalb des Dorfes an der Schondelle einen Herrensitz anlegen, später Haus Brünninghausen. Ende des 15. Jahrhunderts gelangte Haus Brünninghausen durch Heirat in den Besitz der Familie Rodenberg. Der Familienname veränderte sich im Laufe der Zeit zu Romberg. Gisbert von Romberg ließ im Umfeld des Schlosses einen botanischen Garten anlegen, den heutigen Rombergpark. Neben dem Schloss gab es zwei größere Anwesen und zugehörige Kotten. Renninghausen war eine kleine bäuerliche Siedlung, eingegrenzt durch die Baroper Heide, den Hombrucher Wald und die Ländereien der Freiherren von Romberg.
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