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Dorstfeld: Charmantes Wohnen im Dorf mit überschaubarem Gastronomie-Angebot

rnStadtteilcheck

Dorstfeld kämpft mit Vorurteilen. Doch der Stadtteil bietet mehr. Anwohner schätzen die Anbindung. Bei der Sicherheit passen Gefühl und Statistik nicht zusammen.

Dorstfeld

, 15.12.2018 / Lesedauer: 6 min

Coralie Siebert hat Dorstfeld in all seinen Facetten kennengelernt. Als Kind, als Jugendliche, als Studentin, als Mutter und Hausbesitzerin. „Dorstfeld bedeutet für mich zu Hause, weil ich seit 33 Jahren hier wohne, und vor allem weil meine Familie, Freunde und Bekannte dort wohnen“, sagt sie. Die 34-Jährige ist in Oberdorstfeld aufgewachsen und wohnt seit mehr als einem Jahr in einem der alten Zechenhäuser. Klein, eigen, mit Garten. Vor allem diese denkmalgeschützte Siedlung versprühe den Charme eines Dorfes. Und genau das – die Nähe zueinander, die Kontakte – sorgen dafür, dass sie mit Sohn Liam (7) und Ehemann so gerne hier wohnt.

Oberdorstfeld bildet aber nur die eine Hälfte des Stadtteils. Auf der anderen Seite der Bahngleise liegt Unterdorstfeld. Nicht wenige behaupten, dass diese zwei Dörfer unterschiedliche Welten sind: Auf der einen Seite das Oberdorf mit seinen Zechenhäusern, den Kleingärten. Jenseits der Emscher liegt noch das sogenannte Negerdorf. Auf der anderen Seite der Gleise das Unterdorf mit dem Wilhelmplatz als Zentrum, drum herum Einzelhandel, Busse und Stadtbahn, das Schulte-Witten-Haus, der dazugehörige Park – aber auch Nazis.

Dorstfeld: Charmantes Wohnen im Dorf mit überschaubarem Gastronomie-Angebot

Der S-Bahnhof Dorstfeld. Von hier aus erreichen Pendler mit den Linien S1, S2 und S4 die Innenstadt, die Uni, Recklinghausen, Essen und Unna. Der Bahnhof ist nur ein Teil der sehr guten Verkehrsinfrastruktur in Dorstfeld. © Stephan Schütze

Deren Anwesenheit prägt das Sicherheitsgefühl der Dorstfelder auf negative Art und Weise. Dorstfeld ist aber vor allem auch ein bunter Stadtteil. Es gibt 46 Vereine mit insgesamt 6500 Mitgliedern – das ist nahezu jeder zweite Bewohner des Stadtteils. In der Interessenvertretung Dorstfelder Vereine (IDV) bündeln sich die Kompetenzen der Vereine. Der Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung hat 2018 zwei große Demokratiefeste auf dem Wilhelmplatz veranstaltet. Die Arbeitsgemeinschaft Dorstfelder Ferienspiele füllt die Sommerferien sinnvoll aus.

Derzeit entsteht aus der ehemaligen Waschkaue der Zeche Dorstfeld zudem ein neues Zentrum für den gesamten Stadtteil. In dem Bürgerhaus sollen ab 2021 die vielen Vereine einen Versammlungsort haben, Konzerte können hier stattfinden, Kinder und Jugendliche haben dann einen neuen Treffpunkt. Für den Betrieb haben Dorstfelder Akteure eine Genossenschaft ins Leben gerufen.

„Ich kenne viele, die aus anderen Vororten Dortmunds nach Dorstfeld ziehen“, sagt Coralie Siebert. Sie arbeitet als Sozialpädagogin im Mütterzentrum, das ebenfalls ein Treffpunkt für Familien und Bildung ist. Ein Ort, der zu den vielen Facetten von Dorstfeld gehört. Mit acht von zehn möglichen Punkten liegt der Stadtteil bei der Lebensqualität voll im Dortmunder Durchschnitt. Daran ändert auch die im Vergleich zur restlichen Stadt schwächere Bewertung hinsichtlich der Nahversorgung nichts. Zwar gibt es zwei Lidl-Märkte, einen Netto, einen Rewe und einen Asia-Markt. Der Aldi wird Ende 2018 schließen, an seine Stelle rückt aber eine Filiale der Drogeriemarkt-Kette Rossmann. Und in wenigen Jahren soll auf der Frerichwiese ein Edeka mit Vollsortiment stehen.

Das wurde positiv bewertet:

Verkehrsanbindung: Den Höchstwert von zehn möglichen Punkten geben die Dorstfelder ihrem Stadtteil für die Anbindung. Kein Wunder: Am S-Bahnhof Dorstfeld halten die Linien S1, S2 und S4. Die S1 hält zudem am S-Bahnhof Dorstfeld-Süd am Fuße des Hannibal. Mit den Buslinien 447, 465 und 466 kommt man von der Haltestelle Wittener Straße bis zur Uni, nach Huckarde und sogar bis zum Zoo. Die Stadtbahnlinien U43 und U44 machen auf ihrem Weg zwischen Marten, der Innenstadt, der Nordstadt und Wickede hier Halt. „Die Anbindung ist optimal“, sagt Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze: „Es stellt sich nur die Frage, welches Verkehrsmittel man benutzt.“ Autofahrer haben auch die Qual der Wahl: Wittener Straße, Dorstfelder Allee und Rheinische Straße sind drei Hauptverkehrsachsen neben der A40 und der A45.

Sport: Der ATV Dorstfeld hat in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag gefeiert. 1300 Mitglieder teilen sich in vier Abteilungen und zahlreiche Gruppen und Kurse auf. Direkt neben der Heinrich-Hartwig-Halle, den Tennis- und Multifunktionsplätzen liegt noch das Westbad, das im Revierpark Wischlingen neu aufgebaut werden soll. Gegenüber liegt die Bezirkssportanlage Bummelberg, Heimat des SC Dorstfeld. Etwas mehr als einen Kilometer entfernt liegt der Sportplatz der DJK Eintracht Dorstfeld. Hier spielt auch Coralie Sieberts Mann Fußball. „Sonntags trifft man viele bekannte Gesichter“, sagt sie. Nicht umsonst liegt Dorstfeld mit acht Punkten einen Zähler über dem Dortmunder Durchschnitt, was das Sportangebot angeht.

Das wurde negativ bewertet:

Sicherheit: „Bei diesem Thema geht es vor allem um das subjektive Gefühl der Menschen“, sagt Micha Neumann vom Projekt Quartiersdemokraten. Gerade der Wilhelmplatz sei aufgrund der Präsenz der Rechten ein angstbesetzter Ort. Das habe auch eine Quartiersanalyse ergeben, deren Ergebnisse Neumann und seine Kollegin Vivianne Dörne in diesem Sommer veröffentlicht haben. Aber ist es in Dorstfeld wirklich unsicherer als im Rest Dortmunds? Schließlich bekam der Stadtteil hier nur sechs von zehn möglichen Punkten, während es stadtweit durchschnittlich sieben sind.

Als Mitglied des Runden Tisches Dorstfeld hat Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze regelmäßig Kontakt mit der Polizei. „Die Sicherheit ist überhaupt kein Problem“, sagt er: „Es gibt unangenehme Situationen, wenn einige Leute behaupten, der Stadtteil gehöre ihnen, aber dagegen wird vorgegangen.“ Thomas Koch ist Leiter der für Dorstfeld zuständigen Polizeiwache Huckarde mit den Einzugsebieten Dorstfeld, Marten, Kirchlinde, Rahm, Jungferntal, Wischlingen, Deusen und Huckarde und sagt: „Dorstfeld ist verglichen mit ähnlich strukturierten Ortsteilen nicht stärker kriminalitätsbelastet.“

Ebenso sei kein signifikanter Unterschied zwischen Ober- und Unterdorstfeld festzustellen. Zudem sind die Fallzahlen bei Raubüberfällen, Wohnungseinbrüchen und Körperverletzungen im laufenden Jahr rückläufig im Vergleich zu den Vorjahren – „auch dank des äußerst guten Zusammenwirkens aller demokratischen Kräfte“, so Thomas Koch. Polizeisprecherin Dana Seketa verweist zudem auf die verstärkte Präsenz und Null-Toleranz-Strategie, die die Polizei seit Jahren vor Ort fährt.

Dorstfeld: Charmantes Wohnen im Dorf mit überschaubarem Gastronomie-Angebot

Der Wilhelmplatz ist das Zentrum in Unterdorstfeld - und auch Treffpunkt der kleinen Gruppe dort lebender Nazis. Deren Anwesenheit schüchtert die Anwohner ein. © Stephan Schütze

Gastronomie: Mit nur fünf Punkten landet Dorstfeld stadtweit im unteren Viertel. „Das Angebot ist tatsächlich nicht so gut“, sagt Coralie Siebert. „Früher gab es mehr Kneipen.“ Am Wilhelmplatz sind vor allem das Café Felix und das Haus Schmidt bekannte Anlaufpunkte. Im gesamten Stadtteil verteilt gibt es auch Imbissbuden. In Oberdorstfeld sind das Hicc Up und das Haus Unland die ersten Gastronomie-Adressen.

Coralie Siebert empfiehlt zudem das Angebot im Kleingartenverein Glück Auf. „Eine Eisdiele fehlt hier aber noch“, sagt sie. Karl-Heinz Hülsmann (71) ist Vorsitzender des VfV Fidelitas und seit Jahrzehnten in vielen Dorstfelder Vereinen aktiv. Allein entlang der Wittener Straße habe es mal acht Kneipen gegeben. Zu seinem 18. Geburtstag hatte er sich mit seinen Freunden vorgenommen, in jeder Kneipe im Unterdorf etwas zu trinken – es wurde ein langer Abend. „Das Gastronomieangebot heute hat aber Verbesserungspotenzial“, sagt er.

Grünflächen: Der Stadtteil sei mit Grünflächen unterversorgt, sagt Thomas Quittek vom BUND: „Die Stadtplanung hat aus unserer Sicht deshalb eine besondere Verantwortung gerade in der Innenstadt und den innenstadtnahen Ortsteilen zum Erhalt und Schaffung von Grünstrukturen. Der BUND kämpft deshalb unter anderem gegen den Edeka-Supermarkt auf der Frerichwiese.“ Coralie Siebert sieht aber auch die Vorteile von Dorstfelds guter Lage. „Wir haben den Revierpark Wischlingen und die Flächen an der Uni direkt in der Nähe“, sagt sie. Und genügend Grün sieht sie in Dorstfeld trotzdem, daher kann sie die sieben Punkte aus dem Stadtteilcheck nicht ganz nachvollziehen. Sie selbst geht gerne mit Sohn Liam in den Gartenvereinen spazieren, auch rund ums Westbad, am Kletterfelsen und im Schulte-Witten-Park sieht sie ausreichend Grün. Zudem hat die Stadt Dortmund der Grünfläche zwischen Dorstfelder Allee und der Emscher 2018 eine Schönheitskur verpasst und neue Wege und Aussichtspunkte geschaffen.

Dorstfeld: Charmantes Wohnen im Dorf mit überschaubarem Gastronomie-Angebot

Der Grünbereich zwischen Dorstfelder Allee und Emscher ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Fahrradfahrer. © Michael Nickel

Familienfreundlichkeit: Auch hier schneidet Dorstfeld mit sechs Punkten unterdurchschnittlich ab. Im Dortmunder Mittel verteilten die Teilnehmer einen Punkt mehr. In Sachen Familienfreundlichkeit spielt bei Coralie Siebert aber insbesondere das Angebot an Schulen, Kitas und Spielplätzen eine gewichtige Rolle – und davon gebe es reichlich. „Wir haben auch die Dasa, die durch immer neue Projekte Familien anlockt. Die Kirchen, die saisonbedingt Feste organisieren und den IDV, der ebenfalls regelmäßig Aktionen für Kinder anbietet.“ Karl-Heinz Hülsmann ist seit Jahrzehnten in der Kinder-, Vereins- und Familienarbeit engagiert: „Direkt für Familien arbeitet das Mütterzentrum sehr gut“, sagt er. Für Kinder werde im Stadtteil sehr viel getan, allerdings sei das Engagement von Eltern nicht so hoch wie früher.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

Historie

Seit 1914 ein Teil Dortmunds

Dorstfeld: Charmantes Wohnen im Dorf mit überschaubarem Gastronomie-Angebot

Die alte Zeche Dorstfeld war mal größter Arbeitgeber des Stadtteils. © Repro: Annette Hudemann/Archiv Tilo Cramm


Erstmals erwähnt wurde Dorstfeld Ende des 9. Jahrhunderts. Der „Dorstfelder Helewege“ wurde schon 1345 urkundlich erwähnt. Von 1886 bis 1914 war das Amt Dorstfeld mit den Gemeinden Dorstfeld, Huckarde, Marten, Rahm und Wischlingen selbstständig. Dann folgte die Eingemeindung nach Dortmund. Bis zur Stilllegung 1963 war die Zeche Dorstfeld größter Arbeitgeber des Stadtteils.
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