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Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

rnStadtteilcheck

Naturfreunde kommen in Holzen voll auf ihre Kosten. Auch einkaufen kann man tief im Dortmunder Süden gut. Dennoch gibt es in unserem Stadtteilcheck auch negative Punkte.

Holzen

, 28.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Hier will er seine Kinder aufwachsen sehen. Benjamin Schönfeld selbst ist im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern nach Holzen gezogen. Heute ist er 29 Jahre alt und weiß die hohe Lebensqualität in Dortmunds Süden zu schätzen: „Hier hat man alles, was man braucht. Und eine herrliche Natur.“

Im Januar wird Benjamin Schönfeld zum ersten Mal Vater. Mit seiner Frau Kim (27) erwartet er ein kleines Mädchen. „Es gibt zwei Kindergärten und wir haben die Grundschule vor der Tür, viel besser geht es nicht“, sagt die werdende Mutter. „Dazu kommen ein Sportverein mit einem tollen Sportplatz und die Jugendfeuerwehr“, ergänzt Benjamin Schönfeld, der seit bald 20 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr ist.

Mit Mischlingshündin Ginger machen beide gerne lange Spaziergänge durchs Grün. Bald werden sie hier den Kinderwagen entlang schieben und „die Idylle und die Ruhe“ genießen. „Wir haben in Holzen ohne Ende Wanderwege. Und wenn ich Aktion will, nehme ich das Rad dazu“, sagt Benjamin Schönfeld.

Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

Sebastian Axnichts Söhne Lukes und Leo spielen gern auf dem Spielplatz hinter der Eintracht-Grundschule. © Christin Mols

Sebastian Axnicht (35) ist schon Vater. Drei Kinder im Alter von 7, 5 und 3 Jahren hat die junge Familie, die vor fünf Jahren von Kirchhörde nach Holzen zog. „Alles ist fußläufig erreichbar, es gibt viele Spielplätze und einen schönen Sportplatz“, zählt Sebastian Axnicht die Vorzüge von Holzen auf. Bei Nachteilen kommt er ins Grübeln. „Fehlende Radwege“, fällt es ihm schließlich ein.

Das wurde positiv bewertet

Einkaufen: In der Holzener Mitte kann man gut einkaufen, meint Esther Gärtner (35). Ihr gehört das Blumenfachgeschäft Rosenrot neben dem Edeka-Markt. „Für meine kleine Tochter bekomme ich dort gute Bio-Produkte“, sagt sie. Zudem gibt es auf der anderen Seite der Kreisstraße noch einen Netto. Holzen hat eine Apotheke und auch der Non-Food-Discounter Action hat sich hier mit einer Filiale angesiedelt. Esther Gärtner sagt, dass es in den Geschäften im Ort immer ein persönliches Wort gebe. „Man kennt sich hier.“ Was ihr allerdings fehle, sei ein Drogeriemarkt, dafür fahre sie des Öfteren nach Schwerte.

Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

Esther Gärtner hatte zunächst befürchtet, Holzen sei „zu spießig“ für sie. Inzwischen wohnt die 35-Jährige seit 15 Jahren in Holzen und fühlt sich sehr wohl. © Christin Mols

Sportangebot: Seit drei Jahren liegt im Eintracht-Stadion Kunstrasen und seit dem Frühjahr gibt es auch eine Flutlichtanlage. „Das macht unseren Sportplatz, der mitten im Ort liegt und damit sehr gut erreichbar ist, besonders attraktiv“, sagt Erwin Dötsch, Vorsitzender des TuS Holzen-Sommerberg. Der Verein habe starken Zulauf in den Jugendabteilungen, besonders bei den kleinen Kickern. Angeboten werden auch Tischtennis, Badminton und Volleyball sowie Turnen für Kinder und Jugendliche. Mit Stolz berichtet Erwin Dötsch, dass der TuS Holzen-Sommerberg „der Verein in Dortmund mit den meisten Sportabzeichen im Erwachsenenbereich“ ist. Die Sommersaison von Mai bis September werde jährlich rege genutzt. Neben dem TuS gibt es einen Schützenverein. Der SV Holzen 1844 bringt seit Jahren erfolgreiche Bogenschützen hervor. Angebote für Interessierte gibt es von 8 bis 99 Jahren.

Das wurde negativ bewertet

Verkehrsanbindung: „Die Verkehrsanbindung ist eine Katastrophe“, findet Blumenfachfrau Esther Gärtner. Der Bus fährt nur zweimal in der Stunde in die Stadt. „Wenn man den Bus verpasst, muss man lange warten.“ Alex Wolf ist Student an der TU Dortmund. „Ich fahre immer mit dem Auto zur Uni. Mit dem Bus nervt das einfach nur und dauert viel zu lange“, sagt der 23-Jährige, der in der 2. Männermannschaft des TuS Holzen-Sommerberg Fußball spielt. Gut findet er, dass es den Nachtexpress gibt, „das funktioniert gut und den nutze ich am Wochenende auch oft“. Tagsüber würde er sich wünschen, der Bus würde dreimal in der Stunde fahren.

Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

Der Bus nach Hörde fährt zweimal in der Stunde. © Christin Mols

„Wir prüfen den Bedarf regelmäßig und haben das auch gerade wieder getan. Weder bei einem dichteren Takt noch bei einer anderen Linienführung haben unsere Prognosen aber ergeben, dass wir an dieser Stelle nennenswert mehr Fahrgäste überzeugen könnten“, teilt Britta Heydenbluth, Sprecherin von DSW21, auf Anfrage mit. Zudem orientiere sich Holzen zum Teil Richtung Schwerte, dort ergänzt der Bus C31 der VKU das Angebot. Man werde die Entwicklung im Bereich Holzen aber verfolgen, „denn in den letzten Jahren ist der Ortsteil ja durchaus gewachsen“.

Dirk Hanné von der Interessengemeinschaft „Holzen aktiv“ findet den Bus-Fahrplan durchaus akzeptabel. „Wir sind nun mal mit der südlichste Punkt, da funktioniert keine Fünf-Minuten-Taktung. Man muss hier ein Auto haben, dann ist man flott unterwegs.“

Radwege: Alex Wolf ist gern mit dem Rad unterwegs – in den Wäldern rund um Holzen. Weniger auf Holzens Straßen. Denn dort gibt es keine Radwege. „Das macht keinen Spaß, wenn direkt neben einem die Autos fahren“, sagt er. Auch aus dem Ortsteil raus führt kein Radweg. Nicht nach Schwerte-Holzen, nicht nach Höchsten. „Man fährt auf der Hauptstraße. Da rauschen die dicken Lkw vorbei. Das ist total gefährlich!“, meint Alex Wolf. Dabei sind in Holzen viele Radfahrer unterwegs, ist es doch Durchgangsort für Radler nach Schwerte.

Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

Nach Schwerte-Holzen gibt es keinen befestigten Gehweg. Und einen Radweg schon gar nicht. Das ärgert Dirk Hanné von der Interessengemeinschaft „Holzen aktiv“. © Christin Mols

Dirk Hanné von der Interessengemeinschaft setzt sich seit Jahren für Radwege ein und fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Schaut man ganz in den Süden der Kreisstraße, gibt es dort kurz vorm Ortsausgang nicht mal einen Gehweg, die Straße ist seitlich nicht befestigt. So läuft man zur Haltestelle Ehrendenkmal durch Schlamm und Gras. „Das ist absolut nicht ok“, schimpft Dirk Hanné. „Uns als Kommunalpolitikern sind die Hände gebunden“, wirft Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris (SPD) den Ball Richtung Landtag weiter. Straßeneigentümer ist nämlich Straßen NRW. Das jahrelange Tauziehen hat noch kein Ende.

Seelsorge: Seit dem Abriss des evangelischen Gemeindehauses 2006 fehlt den Holzenern der Treffpunkt im Ort. „Die Kritik ist richtig“, sagt Pfarrer Ralf Greth mit Bedauern. In seinem Pfarrhaus am Habichtsweg 8 sei er zwar immer für die Menschen in Holzen erreichbar, aber „jetzt kommen überwiegend nur die Leute, die gezielt Hilfe suchen“. Ohne Gemeindehaus sei die erste Kontaktaufnahme vielleicht ein Hemmnis für die Leute, vermutet der Pfarrer, der regelmäßig Haus- und Krankenbesuche bei Senioren macht und in der Grundschule im dritten Schuljahr die evangelische Kontaktstunde gibt.

Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

© RN-Grafik


Weiterhin kritisiert wurden in unserem Stadtteilcheck der schlechte Zustand einiger Straßen, beispielsweise des Heidewegs oder der „Buckelpiste“ Limbecker Postweg. „Im Tiefbauamt fehlt die Manpower, man kommt dort den vielen Aufträgen einfach nicht nach“, macht Sascha Hillgeris den Holzenern wenig Hoffnung auf eine baldige Straßensanierung.

Außerdem beschweren sich einige Holzener über den zunehmenden Hundedreck auf den Fußgängerwegen, der von den Hundebesitzern nicht weggemacht wird. „Das nervt, wenn ein Spaziergang oder der Weg zum Einkauf zum Slalomlauf wird“, schreibt eine Teilnehmerin des Stadtteilchecks. Die Holzener Interessengemeinschaft hat dieses Problem bereits auf dem Zettel und plant, künftig Hundetütenhalter aufzustellen.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer digitalen Karte.


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HISTORIE

Das „Haus Steinhausen“ ist Holzens ältestes Gut
Holzen: Wer in der Idylle wohnt, braucht ein Auto

Die Burg Steinhausen wurde urkundlich erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. © Archiv Heimatverein Holzen

  • Die Geschichte von Holzen begann wahrscheinlich im Jahr 900 bis 1000. In der Urkunde „Urbare zu Werden“ wird im Jahr 1150 ein „Holthouson“ zwischen Dortmund und Schwerte erwähnt. Von Prof. Wilfried Reininghaus vom Staatsarchiv in Münster wurde dieses „Holthouson“ als heutiges Holthusen/Holzen bezeichnet.
  • Das älteste Gut in Holzen ist „Haus Steinhausen“. Auf den Ländereien, die zu diesem Gut gehörten, sind Spuren einer eiszeitlichen Siedlung gefunden worden. Diese Funde lassen den Schluss zu, dass ein erster mittelalterlicher Wohnplatz, der vermutlich im 13. Jahrhundert durch Steinbau gefestigt wurde, schon seit dem 9. Jahrhundert existiert.
  • Die Burg Steinhausen wurde urkundlich erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. Das Areal besteht heute nur noch in Fragmenten, nachdem sowohl das Herrenhaus schon 1999 niederbrannte und das Torhaus einem Brand im Jahre 2015 zum Opfer fiel.
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