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Huckarde: Bürger schätzen das Gesundheitsangebot

rnStadtteilcheck

Die Huckarder sind sehr zufrieden mit ihrem Stadtteil. Viele Kriterien wurden über Stadtdurchschnitt bewertet. Eins davon überrascht: Die 9 Punkte für die Gesundheitsversorgung.

Huckarde

, 14.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Gitta Bellstedt (50) kam mit fünf Jahren ins Ruhrgebiet, als ihr Vater einen Job bei den chemischen Werken in Marl annahm. Sie interessierte sich auch für Chemie, aber vor allem für die Pharmazie und begann Ende der 1980er Jahre mit ihrem Studium. Als fertige Apothekerin folgte sie später ihrer Liebe nach Dortmund. Auf der Suche nach einer eigenen Apotheke stieß sie 2005 auf die Markt-Apotheke an der Rahmer Straße, für die ein Nachfolger gesucht wurde.

Als sie sich ihr zukünftiges Geschäft anschaute, wurde ihr ein wenig mulmig. Nein, nicht wegen des Zustandes der Immobilie, sondern wegen der Konkurrenz in der Nachbarschaft. Direkt gegenüber glänzten die Schaufenster der Dorf-Apotheke, etwas mehr als hundert Meter weiter die Berg- und Hütten-Apotheke und dort um die Ecke an der Roßbachstraße die Urbanus-Apotheke. Vier Apotheken auf weniger als 200 Metern – was für eine Konkurrenz.

Sie wagte trotzdem das Abenteuer und schnell merkte sie, in Huckarde können vier Apotheken entspannt nebeneinander existieren, es gab und gibt genug Kunden für alle. In Huckarde hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ausgedehnte Gesundheits-Infrastruktur entwickelt. In Marktnähe gibt es fünf allgemeinmedizinische und internistische Arztpraxen sowie sechs Zahnärzte. Das Ärztehaus an der Roßbachstraße deckt die spezialisierten Bereiche Chirurgie, Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, Hals, Nase und Ohren sowie Augen und Dermatologie ab.

Selbst ortskundige Huckarder können nicht mehr nachvollziehen, wie es dazu kam: „Das mag eine Standortfrage sein“, meint Gerhard Hendler, Chef des SPD-Ortsvereins Mailoh-Deusen. „Wir liegen effektiv ziemlich nah an den Dortmunder Krankenhäusern, weshalb auch der Notarzt schnell Huckarde erreicht.“

Gitta Bellstedt hat eine andere Erklärung: „Es leben besonders viele alte Menschen in Huckarde.“ Sie misst das an der Zahl der Besucher bei Regenwetter. „Dann bricht der Kundenstrom abrupt ab. Weil dann die Kunden, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, zu Hause bleiben.“

Die hohe Zahl der Ärzte bringt Vor- und Nachteile für die Apotheker. Viele Kunden, ja, aber auch viele spezielle Medikamente, die vorgehalten werden müssen. Das ist schwierig und nicht immer möglich, deshalb kommt es nicht selten vor, dass der eine Apotheker mal den anderen besucht und sich nicht verfügbare Medikamente ausleiht. „Das Verhältnis untereinander ist sehr kollegial“, lobt Gitta Bellstedt ihre Nachbarn. „Bei der Seniorenmesse hatte ich mit einem Kollegen sogar mal einen gemeinsamen Stand.“

Für die Kunden ergeben sich in Huckarde mehrere günstige Konstellationen. Die Ärzte und Apotheken liegen direkt rund um den Marktplatz genauso wie die Geschäfte und die Haltestellen des Nahverkehrs. In dem Bereich Nahversorgung vergeben die Stadtteilcheck-Nutzer deshalb auch eine sehr gute Note.

Das wurde positiv bewertet:

Nahversorgung: Über die zehn Punkte für die Nahversorgung freut sich Christian Oecking vom Gewerbeverein. „So eine Umfrage spiegelt ja vor allem die Wahrnehmung einer Situation wider. Und dafür muss man viel arbeiten.“ Die zehn Punkte für die Nahversorgung sind für ihn eine Wertschätzung für die Aktivitäten der Gewerbetreibenden. In Huckarde sind es zahlreiche Veranstaltungen wie die Bürgerwoche oder Wohltätigkeit wie „Huckarde für Huckarde“, die viel Aufmerksamkeit ernten.

Die Nahversorgung schneidet so gut ab, obwohl es in Huckarde immer noch den Streit um Parkplätze gibt. „Eigentlich reichen die Parkplätze, nur an Markttagen wird es eng“, sagt Oecking. „Seltsam ist, dass das Parkhaus an der Marienstraße immer noch ein Geheimtipp ist.“

Huckarde: Bürger schätzen das Gesundheitsangebot

Der Oldtimer-Frühschoppen ist jedes Jahr der Höhepunkt der „Bürgerwoche“, die der Gewerbeverein Huckarde organisiert. © Stephan Schütze

Verkehrsanbindung: Bei der Beurteilungen der Huckarder Umfrage-Teilnehmer erreicht der Ortsteil einen weiteren guten Wert beim Nahverkehr (10 Punkte). Kein Wunder, die Lage Huckardes sorgt dafür, dass man mit der S2 oder der U47 nach wenigen Stationen in der City ist.

Grünflächen: Die Huckarder freuen sich über viel Grün in der Nachbarschaft (9). Kein Wunder bei zwei Parks in der Nachbarschaft – auf der einen Seite der Rahmer Wald und auf der anderen Seite der Revierpark Wischlingen. Dessen Geschäftsführer Bernd Kruse glaubt zu wissen, warum der Revierpark so wichtig für die Huckarder ist: „Der Großteil unserer Nachbarn schätzt das Zusammenspiel von Parkanlagen, Gesundheits- und Reha-Angeboten, Schwimmbad, Sauna und den Musikveranstaltungen.“ Kruse respektiert zwar die Kritik an der Lautstärke der Konzerte, meint aber, dass eine Mehrheit der Nachbarn diese Ereignisse befürwortet. „Wenn internationale Künstler zu Gast sind, spürt man auch in Huckarde, dass man in einer Metropole lebt.“

Das wurde negativ bewertet

Sicherheitsgefühl: Sechs Punkte beim Sicherheitsgefühl sind unterdurchschnittlich. Damit entspricht die Wahrnehmung der Huckarder aber nicht den realen Daten der Polizei. 5374 Straftaten im Jahr 2016, 4765 (2017) und 3417 bis September hat die Polizeiwache Huckarde aufgenommen. „Es ist eine deutliche Abnahme der Straftaten zu verzeichnen“, sagt Gunnar Wortmann von der Pressestelle der Polizei. Das gilt auch für Wohnungseinbrüche 261 (2016), 208 (2017) und 177 bislang in diesem Jahr.

Jugend: Eine weitere schlechte Note, die eine echte Überraschung ist. Nur fünf Punkte gaben die Huckarder im Bereich Angebote für die Jugend. Das ist zwar Durchschnitt für Dortmund, Huckarde galt aber als gut versorgt, weil „nebenan“ in Rahm der Leuchtturm der Kinder- und Jugendarbeit des Bezirks liegt, die Jugendfreizeitstätte und der Abenteuerspielplatz Rahm. Auch das scheint ein Phänomen der Wahrnehmung zu sein. Die JFS ist zwar einfach zu erreichen, „aber eben nicht in Zentrumsnähe. Deshalb nehmen die Huckarder das Angebot scheinbar nicht für sich an“, sagt Erwin Fischer, Fachreferent für Kinder- und Jugendförderung im Bezirk Huckarde.

Huckarde: Bürger schätzen das Gesundheitsangebot

Die JFS Rahm galt als Vorzeige-Jugendangebot auch für Huckarde. Doch der Stadtteilcheck zeigt, dass die Huckarde sich von dem Angebot nicht angesprochen fühlen. © Stephan Schütze

Thomas Bernstein vom Vorstand der CDU-Ortsunion Huckarde erinnert sich an die Überraschung: „Bei den Bürgerdialog-Veranstaltungen im Rahmen des Projektes nordwärts sind wir erstmals auf dieses Phänomen aufmerksam geworden“. Und die Lösung kam wie von allein. „Die Stiftung Industriedenkmalpflege auf der Kokerei Hansa hat sich angeboten, im Bereich Jugendarbeit aktiver zu werden“, berichtet Gerhard Hendler. Die Gespräche sind gerade erst angelaufen, aber die Chancen stehen gut, dass es in absehbarer Zeit ein neues Jugendzentrum in Huckarde geben wird.

Die Gespräche sind gerade erst angelaufen, aber die Chancen stehen gut, dass es in absehbarer Zeit ein neues Jugendzentrum in Huckarde geben wird, und zwar im einzigen Gebäude der Kokerei, dem man einen separaten Zugang von der Straßenseite geben kann.

-> Hier geht es zu allen Folgen des Stadtteilchecks.

Historie

Besiedlungsspuren aus der Zeit Christi

Erste Besiedlungsspuren Huckardes, die an der Oberfeldstraße nachgewiesen wurden, stammen aus der Zeit um Christi Geburt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Huckretha“ in einer Urkund des Stiftes Essen stammt aus dem Jahr 860. Beim Bau eines Brunnens im Jahre 1810 wurde Kohle entdeckt. Die erste Zeche in dem bis dahin rein landwirtschaftlichen Stadtteil wurde aber erst 1855 gebaut.
Huckarde: Bürger schätzen das Gesundheitsangebot

Huckarde Anfang des 20. Jahrhunderts. Man kann die Roßbach-Mühle (Mitte) erkennen. Die Roßbachstraße, die heute links daran vorbeiführt, gibt es aber noch nicht. © Peter G. Henning

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