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Kirchlinde: Staus sorgen für Dauerärger, das Einkaufen macht Freude

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Beim Stadtteilcheck geben die Kirchlinder ihrem Stadtteil weitgehend durchschnittliche Bewertungen. Die Abstimmung zeigt aber auch, wie sehr die Verkehrsbelastung sie stört.

Kirchlinde

, 28.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Kirchlinde: Staus sorgen für Dauerärger, das Einkaufen macht Freude

Falko Bergmann an der Kreuzung in Kirchlinde. Auch um 10.30 Uhr fahren die Autos aus Richtung Castrop-Rauxel (rechts) dicht an dicht. © Stephan Schütze

Falko Bergmann (43) hat längst seine Konsequenzen gezogen. Der Bewohner der Siedlung Kirchlinder Feld an der Grenze zu Castrop-Rauxel tut sich die Kirchlinder Kreuzung nicht mehr an. Er fährt morgens auf dem Weg zur Arbeit lieber weite Umwege, als sich in den unvermeidlichen Stau zu stellen. Doch genug Menschen leiden unter der verstopften Straße, die Pendler und die Anwohner. Deshalb bekommt Kirchlinde beim Stadtteilcheck von den Teilnehmern nur 5 von 10 Punkten in der Kategorie „Verkehr“ und liegt damit unter dem stadtweiten Durchschnitt.

Wenn Falko Bergmann vom Kirchlinder Feld nach links auf die Frohlinder Straße abbiegt, ist er rund anderthalb Kilometer von der Kirchlinder Kreuzung entfernt. Im morgendlichen Verkehr ist das eine einzige Wagenkolonne. „30 Minuten braucht man für den Weg“, berichtet Bergmann. Für ihn ist das nicht mehr akzeptabel. Der Informatiker arbeitet verstärkt von zuhause aus (Homeoffice), um dem Stau zu entgehen, oder, wenn es doch mal sein muss, macht er Umwege, die dauern, aber er muss zumindest nicht wartend im Auto sitzen.

Seine Kinder leiden unter dem Verkehr. Sie müssen einen Bus früher nehmen, um pünktlich zur Schule zu kommen. Denn die Buslinien 460, 461, 469, 470 und 480 fahren teilweise ebenfalls über die Frohlinder „Staustraße“. Sie sorgen aber auch für eine gute Anbindung an den Nahverkehr. Das belohnen die Kirchlinder dann auch mit 9 Punkten.

Die morgendliche Fahrzeugkette in Richtung A45-Auffahrt am Bärenbruch hat mehrere Quellen: Aus Castrop-Rauxel kommen die Autofahrer, die die A45-Anschlussstelle Bodelschwingh meiden, weil es dort auch voll ist. Aus Westerfilde kommen die Pendler, die nicht die Emscherallee durch Huckarde nutzen wollen. Das war auch schon vor dem Tagesbruch an der Emscherallee so. Die Bewohner der Großsiedlung an der Siepmannstraße fahren ebenfalls auf die Frohlinder Straße, für sie gibt es keine Alternative. Kurz vor der Kreuzung wird der Verkehrsfluss durch die Ampel am Kirchlinder Einkaufszentrum erneut ausgebremst. Doch da widerspricht Peter Spineux (CDU), 1. stellvertretender Bezirksbürgermeister, selbst Kirchlinder: „Ohne die Ampel wäre das Chaos in Kirchlinde größer.“

Alle Lösungsvorschläge, wie eine Anschlussstelle für die Mallinckrodtstraße in Wischlingen, um den Verkehr aus Kirchlinde abzuziehen, scheinen ausdiskutiert: „Unsere Kreuzung ist ein Nadelöhr und gehört zu den am stärksten frequentierten Knotenpunkten in Dortmund“, sagt Mario Gacek, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtbezirks Huckarde und Chef der Interessengemeinschaft Kirchlinder Vereine. Ein wenig Hoffnung setzt Gacek in neue Technologien: „Ein wesentliches Thema kommt mir in der Diskussion oft zu kurz: die intelligente Verkehrssteuerung. Lichtzeichenanlagen könnten auf den aktuellen Verkehr und die Wetterverhältnisse reagieren und den Verkehrsfluss optimieren. Durch die Vernetzung von mehreren Ampeln ist es möglich, Verkehrsströme zu steuern.“

Falko Bergmann hat da eine radikalere Idee: „An der Kreuzung gibt es einen Taxi-Stand, den Platz könnte man umbauen in eine Rechtsabbiegerspur.“ So eine Baumaßnahme halten die Politiker aber für nicht umsetzbar.

Das wurde negativ bewertet

Sauberkeit: Mit 6 Punkten bekommt Kirchlinde eine unterdurchschnittliche Bewertung beim Thema „Sauberkeit“. Zur Verwunderung von Peter Spineux: „Ich bin viel zu Fuß in Kirchlinde unterwegs, aber mir sind bewusst keine „Dreckecken“ aufgefallen. Die Wege, Grünanlagen und Parkflächen werden regelmäßig gesäubert. Eigentlich gefällt mir das Ortszentrum mit der Blumen-Bepflanzung des Gewerbevereins sogar recht gut.“

Mario Gacek dagegen hat einen Verdacht: „Ich nehme wahr, dass oftmals kein Unterschied zwischen „ungepflegt“ und „dreckig“ gemacht wird.“ Unkraut gebe es überall, aber objektiv sei Kirchlinde nicht dreckig.

Kirchlinde: Staus sorgen für Dauerärger, das Einkaufen macht Freude

Im Vereinszentrum Alte Kochschule, Westerwikstraße 13, bietet die Jugendorganisation Die Falken einen Kinder- und Jugendtreff. Trotzdem bewerten die Kirchlinder das Angebot für Jugendliche schlecht. © Stephan Schütze

Sicherheitsgefühl: Sechs Punkte beim Sicherheitsgefühl sind unterdurchschnittlich. Damit entspricht die Wahrnehmung der Kirchlinder aber nicht den realen Daten der Polizei. 5374 Straftaten im Jahr 2016, 4765 (2017) und 3417 bis September 2018 hat die Polizeiwache Huckarde aufgenommen. „Es ist eine deutliche Abnahme der Straftaten zu verzeichnen“, sagt Gunnar Wortmann von der Pressestelle der Polizei. Das gilt auch für Wohnungseinbrüche 261 (2016), 208 (2017) und 177 bislang in diesem Jahr.

Grünflächen: Mit 8 Punkten bekommt Kirchlinde zwar keine schlechte Note im Bereich Grünflächen, aber immerhin ein unterdurchschnittliche. Peter Spineux sieht das nicht dramatisch. „Mit dem Stadtteilpark am Sportplatz haben wir eine hervorragende Grünfläche“, so der CDU-Politiker. Außerdem gebe es zwischen Widey-Bach und Mühlenbach im Norden Kirchlindes viel Grün, ebenso südlich der Littgenloh-Siedlung. Deshalb wertet er die 8 Punkte als Lob für den Stadtteil.

In zwei Bewertungs-Kategorien bekommt Kirchlinde durchschnittliche Noten, die aber Fragen aufwerfen.

Gesundheitsversorgung: 8 Punkte bekommt Kirchlinde bei der Gesundheitsversorgung. Kein schlechter Wert. Doch Kirchlinde hat als einziger Ortsteil im Bezirk Huckarde ein eigenes Krankenhaus, das in der Lukas-Gesellschaft vernetzte Katholische Krankenhaus Dortmund-West. Wieso bekommt Kirchlinde keine 10 Punkte?

Für Peter Spineux ist das eine Frage der Wahrnehmung: „Die meisten Menschen, die hier leben, sind mit dem Krankenhaus aufgewachsen. Es ist für sie wohl eine Selbstverständlichkeit, dass es da ist, und sie nehmen es vielleicht deshalb nicht mehr bewusst wahr.“ Mario Gacek sieht es gelassen: „Eine durchschnittliche Bewertung finde ich gar nicht schlecht. Was in Kirchlinde fehlt, sind Facharztpraxen. Diese sind eher in den Zentren der Stadtbezirke, in Huckarde, Lütgendortmund, Mengede zu finden.“ Auch Willi Breuckmann, der Patientenfürsprecher in Kirchlinde, sieht die 8 Punkte nicht als Kritik. Er wertet die Bewertungsbögen aus, die Patienten vor ihrer Entlassung ausfüllen: „Ein wiederkehrender Wunsch der Patienten sind mehr Toiletten auf den Stationen, sonst gibt es nur Lob.“

Kirchlinde: Staus sorgen für Dauerärger, das Einkaufen macht Freude

In der vergangenen Woche begannen die Abrissarbeiten der alten Gebäude auf dem Gelände der Zeche Zollern I/III. Im Anschluss beginnt der Neubau des neuen Lidl. © Holger Bergmann

Jugend: Kirchlinde bekommt nur fünf Punkte im Bereich „Angebote für die Jugend“. Das ist ebenfalls Stadt-Durchschnitt. Doch die Jugendlichen müssten nur wenige hundert Meter zur Jugendfreizeitstätte Rahm gehen, um das überregional anerkannte Angebot wahrnehmen zu können. Außerdem gibt es den Kinder- und Jugendtreff (KJT) der Falken und die Skateranlage im Stadtteilpark am Bärenbruch. Doch das scheint für eine gute Note nicht zu reichen. Michael Rehberg, Leiter des KJT, nennt Gründe: „Immer mehr Jugendliche treffen sich lieber unter freiem Himmel, auch weil sie sich bewusst nicht in Einrichtungen pädagogisieren lassen wollen. In unserer kleinen Einrichtung muss man sich dagegen an Regeln halten.“ Außerdem stelle er fest, dass die Freizeitgestaltung für die jungen Menschen immer schwieriger wird, „Die Zeit wird knapp“. Das führe trotz guter Angebote zu einer schlechten Beurteilung der Lage.

Das wurde positiv bewertet

Nahversorgung: Mit 9 Punkten ist Kirchlinde dort zwar ebenfalls nur städtischer Durchschnitt. Doch es ist eine der besten Bewertungen für Kirchlinde. „Das Einzelhandelsangebot ist wirklich gut und wird demnächst durch die Ansiedlung eines Lidl eine wichtige Ergänzung erhalten“, sagt Mario Gacek. Die Vorbereitungs-Arbeiten für den Neubau an der Kirchlinder Straße haben in der vergangenen Woche begonnen. Gacek hofft auf eine Fertigstellung des Supermarktes bis zur Kirchlinder Woche im Juni 2019.

Sport: Acht Punkte geben die Kirchlinder ihrem Ortsteil im Bereich Sport. Das hat laut Mario Gacek zunächst einmal Gründe in der Infrastruktur. Die Turnhallen am Schulzentrum sind groß und variabel, dann wurde der neue Kunstrasenplatz am Bährenbruch im Sommer feierlich eröffnet. Diese Sportstätten ermöglichen es den Vereinen, ein vielfältiges Angebot auf die Beine zu stellen. Ringen, Leichtathletik, Fußball sind die wichtigsten Sportarten - aber bis Cardio-Kickboxen, Indiaca oder Badminton reicht die Vielfalt. Mit der Kirchlinder Woche organisieren die Kirchlinder Vereine das wichtigste Volksfest in Kirchlinde. So nehmen die Sportvereine einen wichtigen Platz im Bewusstsein der Kirchlinder ein.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

HISTORIE

KIRCHLINDER HULDIGTEN DEM DONNERGOTT

Seine erste urkundliche Erwähnung verdankt Kirchlinde dem „vollfreien Mann Egilmar in Linni“, dessen Abgaben im Jahr 880 in den Archiven des Klosters Werden verewigt wurden. Laut Historikern dürfte Kirchlinde viel älter sein. So deutet der Straßenname „Dorloh“ auf einen heiligen Hain für den Donnergott „Thor“ hin. („Loh heißt Wald“). Tatsächlich gab es am Dorloh einmal mehrere sehr alte Linden, deren letzte aber 1877 einen Sturm nicht überstand.
Kirchlinde: Staus sorgen für Dauerärger, das Einkaufen macht Freude

Die Kirchlinder Turner bei einem Festumzug auf der Frohlinder Straße, vermutlich in den 60er Jahren. Im Pflaster erkennt man die Straßenbahnschienen, die nach Castrop-Rauxel führten. © Archiv Risse

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