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Lanstrop und Grevel: Schöne Gegend, aber wenige Geschäfte

rnStadtteilcheck

Der Heimatverein Grevel ist für viele Anwohner ein wichtiges Bindeglied. Auch Neubürger finden Anschluss. Allerdings fehlen in Lanstrop und Grevel Kneipen und Restaurants sowie Ärzte.

Lanstrop, Grevel

, 22.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Ulrike Gießmann (48) lebt mit ihrem Mann und drei Kindern (12, 14 und 18 Jahre alt) auf einem ehemaligen Bauernhof in Grevel. Bis auf eine kurze Zeit in Münster hat sie im Grunde immer schon dort gewohnt. Und sie hat nicht vor, dort wegzuziehen. „Ich mag besonders zwei Dinge hier“, sagt sie, „die ländliche Gegend und den superguten Stadtbahnanschluss in die City.“ Und wenn man in Grevel in die U 42 steige, bekomme man sogar sicher einen Sitzplatz, fügt sie augenzwinkend hinzu. In Scharnhorst sei das schon nicht mehr der Fall.

Wie viele Greveler ist auch Ulrike Gießmann Mitglied im Heimatverein. In der Theatergruppe kümmert sie sich ums Catering, während ihr Mann und ihre Tochter auf der Bühne stehen. Der Heimatverein sei für viele Greveler ein wichtiges Bindeglied zu einem funktionierenden Dorfleben. Auch Neu-Greveler haben über den rührigen Verein schnell die Möglichkeit, Anschluss zu finden. In Grevel sei eben alles nicht so anonym wie in der Stadt. Sie lobt die vielen Wanderwege im nahen Kurler Busch oder auf der Deponie.

Lanstrop und Grevel: Schöne Gegend, aber wenige Geschäfte

Die Lanstroper und Greveler mögen die schöne Gegend ihrer beiden Dörfer zum Beispiel rund um das Haus Wenge in Lanstrop. © Andreas Schröter

Und sie bricht eine Lanze für die ländlichen Eigenheiten, die nicht allen Mitbewohnern gefallen: die möglichen Erweiterungen des Hofs Mertin und des Betriebs von Heribert Breuker mit seiner Bullenmast: „Wer regional erwirtschaftete landwirtschaftliche Produkte im Laden kaufen will, muss eben auch mit solchen Betrieben in der Umgebung leben.“ Manche Kinder, die in den Großstädten leben, wüssten doch gar nicht mehr, wo Kühe leben und wie es auf dem Dorf aussieht. Deswegen habe sie sich auch nicht in die Unterschriften-Liste eingetragen, die die neue Bürgerinitiative gegen die Bullenmast an der Greveler Straße in Umlauf gebracht hat.

Das wurde positiv bewertet:

Grünflächen: Zehn von zehn möglichen Punkten gab’s bei unserem Stadtteilcheck, in dem wir Grevel und Lanstrop zusammengefasst haben, für die Grünflächen in Grevel und Lanstrop – ein Wert, der nicht weiter verwunderlich ist. Matthias Hüppe vom Aktivkreis „Ja zu Lanstrop!“ führt zu diesem Punkt neben den vielen Landschafts- und Naturschutzgebieten auch den Pflegeplan für Haus Wenge in Lanstrop an sowie die Grünflächen zwischen den einzelnen Siedlungshäusern.

Verkehrsbelastung: Als nicht so schlimm wie im stadtweiten Durchschnitt mit sechs Punkten empfinden die Greveler und Lanstroper die Verkehrsbelastung (acht Punkte). Auf der Hostedder Straße herrsche allerdings schon sehr viel Verkehr, sagt Ulrike Gießmann. Sie habe durchaus Verständnis für die Anwohner, die sich derzeit gegen die Belastung dort wehren. Die anderen Straßen jedoch seien weniger belastet.

Speziell für Lanstrop ergänzt Matthias Hüppe die Belastung auf der Lanstroper Straße. Auf Anregung von „Ja zu Lanstrop!“ sei ein Verkehrstag in Planung, an dem auch Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny teilnehmen will.

Wohnen: Zwar bewerten die Teilnehmer unseres Stadtteilchecks diesen Punkt besser als im stadtweiten Durchschnitt (sieben zu sechs), allerdings hat Matthias Hüppe auch kritische Anmerkungen: Es gebe ein geringes Angebot an privatem Mietraum, und der ständige Besitzerwechsel in der Großsiedlung Lanstrop sei wegen des Renovierungsstaus negativ zu bewerten.

Radfahren: neun Punkte für das Radfahren in Lanstrop gegenüber sieben im stadtweiten Durchschnitt. Matthias Hüppe lobt die direkte Anbindung an viele Radwege und das Naturschutzgebiet Kurler Busch.


Das wurde negativ bewertet:

Verkehrsanbindung: Hier muss man sicherlich zwischen Grevel und Lanstrop unterschieden. Während Grevel durch die bereits erwähnte U 42 gut angebunden ist, sieht es für Lanstrop nicht mehr ganz so gut aus. Das sieht auch Matthias Hüppe so: Man müsse oft lange auf den Bus warten, außerdem gebe es Probleme wegen der Grenze von VRR und VKU. Kurze Fahrstrecken in die Nachbarstädte seien deswegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft teurer als lange Fahrten im Dortmunder Stadtgebiet.

Gesundheit: Klar, im ländlichen Raum lassen sich weniger Ärzte nieder als in den Ballungsgebieten. Für Ulrike Gießmann sei das aber kein Problem, sagt sie, denn sie habe ja ein Auto und könne deshalb das Facharztzentrum an der Droote in Scharnhorst problemlos erreichen. „Man kann eben nicht alles haben“, sagt sie. Die Grundversorgung mit Allgemein- und Zahnärzten sei sichergestellt, bestätigt Matthias Hüppe, Spezialisten gebe es jedoch nicht.

Nahversorgung: Außer Bauernläden (Lüning, Mertin) gibt es nicht viele Geschäfte in Grevel und Lanstrop – in Grevel gar keines, in Lanstrop immerhin eine Netto-Filiale und einen Bäcker. Ein Frische- oder Drogeriemarkt fehle ganz, so Hüppe. Wer den Wocheneinkauf erledigen müsse, setze sich ins Auto und fahre in die Nachbarorte wie Lünen-Horstmar, Scharnhorst oder Husen.

Lanstrop und Grevel: Schöne Gegend, aber wenige Geschäfte

Eine der wenigen noch existierenden Aschenplätze der Stadt befindet sich in Lanstrop. Das soll sich bald ändern. © Andreas Schröter

Negative Bewertungen gab’s auch in den Bereichen Gastronomie, Sport, und Seelsorge: Genausowenig wie die fehlenden Facharztpraxen seien die nicht vorhandenen Kneipen und Restaurants aber für sie ein Problem, sagt Ulrike Gießmann. Sie setze sich in ihr Auto, wenn sie essen gehen wolle. Allerdings muss man auch diesem Punkt zwischen Grevel und Lanstrop unterscheiden. Während es in Grevel kaum Gastronomie gibt (Chevy‘s Café und Bar an der Greveler Straße ist die Ausnahme), gibt es in Lanstrop durchaus einige Gastronomiebetriebe: Alte Post, Auf der Lauke, Schöne Aussicht, Wulle und Haus Mowwe.

In sportlicher Hinsicht fehlt bisher ein Kunstrasenplatz für die Fußballer, allerdings ist hier Besserung in Sicht: Der Aschenplatz von Teutonia Lanstrop an der Büttnerstraße soll in einen Kunstrasenplatz mit modernem Leichtathletikzentrum umgewandelt werden. Schon jetzt gilt der Verein aber als hervorragende Adresse für alle Leichtathleten. Auch sollen entweder eine große oder zwei kleine Turnhallen für die Brukterer-Grundschule und für die Lanstroper Vereine gebaut werden.

Matthias Hüppe sieht außerdem ein geringes Angebot im Bereich barrierefreies Wohnen, aber einige Freizeitangebote seitens der Kirchengemeinden. Für Kinder und Jugendliche gebe es keine weiterführenden Schulen, und auch das Angebot an Spielplätzen sei überschaubar – auch in der Großsiedlung.

Dennoch: Trotz dieser Nachteile bewerten die Lanstroper und Greveler die Lebensqualität in ihren beiden Orten mit acht Punkten – wie im stadtweiten Schnitt.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

HISTORIE IM 13. JAHRHUNDERT ERSTMALS ERWÄHNT
  • Lanstrop und Grevel: Schöne Gegend, aber wenige Geschäfte

    So dörflich-idyllisch sah es in Lanstrop vor etwa 100 Jahren aus. Das hat sich dann doch geändert. © Grafik Archiv Klaus Dieter Reichert

    Lanstrop wird erstmals im 13. Jahrhundert mit den alten Namen Lammerstorpe, Lanstorp, oder Lambsdorf erwähnt.
  • Die Schreibweise „Lambsdorf“ spiegelt sich auch wider im Namen des westfälischen, in einem Zweig ab Beginn des 15. Jahrhunderts deutschbaltischen Uradelsgeschlechts von der Wenge genannt Lambsdorff, das seinen Stammsitz im Lanstroper Haus Wenge hatte.
  • Grevel wurde am 1. April 1928 nach Dortmund eingemeindet. Zu den Sehenswürdigkeiten des kleinen Dorfes zählen der Wasserturm Lanstroper Ei und der Luftschacht Rote Fuhr im Rahmen der Route der Industriekultur sowie die Alte Mühle.
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