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Lindenhorst: Guter Wohnstandort mit Sorgen um Sicherheit und Sauberkeit

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Ein wenig vom alten Dorf Lindenhorst ist noch sichtbar. Ansonsten wird der Ortsteil im Stadtbezirk Eving von der Bergbaugeschichte geprägt. Die Anwohner sehen Licht und Schatten.

Dortmund

, 28.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Es kam einiges zusammen als die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Bergauf im Juni bei der Aktion „Sauberes Dortmund“ im Umfeld der Bergstraße zum Müllsammeln ausrückten. Sauberkeit ist ein Problem in Teilen von Lindenhorst, stellten Andreas Frank als Sprecher der Interessengemeinschaft und seine Mitstreiter fest. Das belegt auch das Ergebnis unserer Stadtteil-Check-Umfrage. Sie gibt Hinweise darauf, wo den Lindenhorstern der Schuh drückt, aber auch, was sie an ihrem Stadtteil schätzen.

Immerhin: In Sachen Lebensqualität vergeben die Lindenhorster 7 von 10 Punkten für ihren Stadtteil, das liegt nur knapp unter dem Stadtdurchschnitt von 8 Punkten. Bei der Bewertung der einzelnen Themenfelder gibt es in Lindenhorst aber besonders deutliche Ausschläge – leider vor allem nach unten.

Das wird positiv bewertet:

Wohnen: Wohnen lässt es sich in Lindenhorst offensichtlich gut. Mit sieben Punkten liegt der Stadtteil über dem Stadtdurchschnitt von 6 Punkten. Rund um den historischen Dorfkern wird Lindenhorst von alten Bergarbeiter-Siedlungen mit viel Grün geprägt, von denen mehrere sogar unter Denkmalschutz stehen. Die Siedlung Fürst Hardenberg rund um die Herreckestraße gilt als eine der bedeutendsten Arbeitersiedlungen des Ruhrgebiets und wurde während der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscherpark erneuert und ergänzt.

Dass man in Lindenhorst gut wohnen kann, bestätigt auch Andreas Frank, der seit 2012 in einem umgebauten alten Siedlungshaus in Lindenhorst wohnt. „Es ist hier angenehm und schön zu wohnen. Die alten Zechensiedlungen haben einen besonderen Charme“, sagt der Sprecher der IG Berg Auf. „Das ist das große Potenzial von Lindenhorst. Darauf kann man aufbauen.“

Grünflächen: In der Tat sind in den vergangenen Jahren mehrere Neubaugebiete entstanden – meist in der Nähe des Grävingholzwaldes und der ländlichen Ausläufer von Holthausen. In Sachen Grünflächen schneidet Lindenhorst denn mit 9 Punkten auch gut ab, wenn auch im Stadtdurchschnitt.

Sport: Über dem Stadtdurchschnitt liegt Lindenhorst beim Sportangebot – das dürfte vor allen an den großen Sportvereinen liegen, die hier an der Grenze zwischen Lindenhorst und Eving beheimatet sind. Mit Phönix Eving und dem TUS Eving-Lindenhorst gibt es gleich zwei große Traditionsvereine. Aus dem TUS sind mehrere BVB-Stars wie Michael Zorc, Stefan Klos und Lars Ricken hervorgegangen.

Radfahren: Die Bewertung von 8 Punkten, ein Punkt über dem Stadtdurchschnitt überrascht zunächst. Denn eine besondere Radinfrastruktur gibt es insbesondere an den Hauptverkehrsstraßen, der Bergstraße und der Lindenhorster Straße, nicht. Sie lassen sich allerdings über parallel verlaufende Wohnstraßen gut umfahren. Und entlang des Kanals gibt es einen sehr schönen Weg für Freizeitradler, stellt Andreas Frank fest.

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Das wird negativ bewertet:

Sauberkeit: Die Sammelaktion der IG Bergauf hat es gezeigt: Es gibt große Müllprobleme in Lindenhorst. In Sachen Sauberkeit vergeben die Anwohner ähnlich schlechte Noten wie in der Nordstadt. Manche Containerstandorte seien „ein Seuchenpfuhl“, kommentiert ein Teilnehmer des Stadtteil-Checks. Im Kampf gegen Müllecken ist auch die Interessengemeinschaft Bergauf aktiv – nicht nur mit Sammelaktionen wie im Juni. „Unser Ziel ist, die Identifikation mit dem Stadtteil zu stärken, damit die Leute selbst auf ihre Umgebung achten“, erklärt Andreas Frank. Die vor einem Jahr gegründete IG besteht derzeit aus neun Mitgliedern zwischen 35 und 80 Jahren – und hofft auf weitere Mitstreiter. Mit ihrem Stadtteilbüro an der Bergstraße hat die IG einen festen Treffpunkt geschaffen, wo man auch Sorgen und Anregungen loswerden kann.

Sicherheit: 3 von 10 Punkte, nur Westerfilde schneidet in Sachen Sicherheit beim Stadtteil-Check schlechter ab. „Die Kriminalität ist extrem“, schreibt ein Anwohner. Mit Blick auf die Statistik kann Polizeihauptkommissar Frank Degenhardt, Leiter der Polizeiwache Eving, diesen Eindruck allerdings nicht bestätigen. Es gibt zwar keine speziell für Lindenhorst ausgewiesenen Zahlen.

Insgesamt fällt der Stadtbezirk bei den Straftaten im stadtweiten Vergleich allerdings nicht aus dem Rahmen – und wie in ganz Dortmund sind die Zahlen rückläufig. Das gilt für Einbrüche ebenso wie für Raubüberfälle. „Es gibt eine gefühlte Sicherheit oder Unsicherheit und die Realität“, kommentiert Bezirksbürgermeister Oliver Stens die Bewertung. Man nehme die Sorgen der Bürger aber ernst und arbeite eng mit der Polizei zusammen.

Lindenhorst: Guter Wohnstandort mit Sorgen um Sicherheit und Sauberkeit

Die Bergstraße trägt mit vielen Leerständen und schmuddeligen Ecken zum Negativ-Image von Lindenhorst und zum Unsicherheitsgefühl vieler Anwohner bei. © Oliver Schaper

Mit zum Unsicherheitsgefühl beitragen dürfte vor allem die Bergstraße, an der sich in den letzten Jahren viele Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien angesiedelt haben. „Die lagern überall ihren Müll ab“, beklagt ein Teilnehmer des Stadtteil-Checks. An der Bergstraße müsse man abends Angst haben. Hier bestimmten „fremde Mächte das Geschehen“, meint ein anderer Anwohner. Auch Andreas Frank vermutet, dass das Unsicherheitsgefühl vor allem ein subjektiver Eindruck ist. Aber auch hier seien IG, Politik und Verwaltung aktiv.

Die Polizei sowieso. „Wichtig ist aber, dass die Bürger uns auch verständigen, wenn es Probleme gibt“, sagt Wachleiter Frank Degenhardt. Das gilt etwa für die Beobachtung eines Stadtteilcheck-Teilnehmers, der ein Waldstück als Treffpunkt von Drogendealern ausgemacht hat. In der Tat gibt es bei festgestellten Drogendelikten einen Anstieg in der Polizeistatistik, was aber vor allem auf verstärkte Kontrollen zurückzuführen sei. Denn angezeigt würden solche Delikte selten, erklärt Degenhardt.

Nahversorgung: Kleine Supermärkte, Bäcker und Metzger – früher war das alles an der Bergstraße vorhanden. Heute stehen hier viele Ladenlokale leer. Immerhin hat der Discounter im alten Dorf Lindenhorst an diesem Montag nach längerem Umbau wieder eröffnet. Insgesamt liegt Lindenhorst mit sieben Punkten aber trotzdem unter dem Stadtdurchschnitt (9 Punkte).

Gastronomie: Bei Gastronomie sieht es ähnlich aus. Von den zahlreichen Traditionslokalen an der Bergstraße ist nicht viel übrig. Nur 5 Pünktchen gibt es für das Gastronomieangebot vor Ort. „Das allgemeine Kneipensterben ist auch in Lindenhorst spürbar“, stellt Andreas Frank fest. Auch hier will die IG gemeinsam mit dem Gewerbeverein Eving aber etwas tun.

Senioren: Hier liegt Lindenhorst mit sechs Punkten ebenfalls unter dem Stadtdurchschnitt (7 Punkte). Und die angekündigte Schließung des Nachbarschaftshauses an der Herreckestraße dürfte nicht dazu beitragen, das Angebot für Senioren zu verbessern. Auch für Jugendangebote gibt es nur 5 Punkte. Das liegt allerdings im Stadtdurchschnitt.

Lindenhorst: Guter Wohnstandort mit Sorgen um Sicherheit und Sauberkeit

Das Nachbarschaftshaus in der Siedlung Fürst Hardenberg steht vor der Schließung. © Dieter Menne

Seelsorge; Deutlich zurück fällt Lindenhorst bei der Seelsorge – nur 6 Punkte gegenüber 8 im Stadtdurchschnitt. Die katholische St. Barbara-Kirchengemeinde ist an der Friesenstraße auf der Grenze zwischen Lindenhorst und Eving angesiedelt und bietet ein breites Gemeindeangebot. Die evangelische Segens-Kirchengemeinde hat sich allerdings fast komplett aus Lindenhorst zurückgezogen und ihre Angebote in Eving und Kemminghausen konzentriert.

Lindenhorst: Guter Wohnstandort mit Sorgen um Sicherheit und Sauberkeit

Der Turm der alten Kirche in Lindenhorst ist seit vielen Jahren wegen Baufälligkeit eingerüstet, die Kirche selbst ist entwidmet und wartet auf eine neue Nutzung. © Dieter Menne

Die alte evangelische Kirche in Lindenhorst ist sogar entwidmet worden und wartet seit Jahren auf eine Nachfolgenutzung. Ein Förderverein sammelt Geld für die Renovierung des maroden Kirchturms, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Die Wiederbelegung von Kirche und Gemeindezentrum – auch das ist ein Potenzial in Lindenhorst.

Historie

Einst Dorf mit Adelssitz,
dann Bergarbeiter-Vorort

Lindenhorst: Guter Wohnstandort mit Sorgen um Sicherheit und Sauberkeit

Die nicht mehr bestehende Derfflinger-Kolonie. © Archiv Beuchel

Die Geschichte Lindenhorsts reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Eine Burg war hier Stammsitz der Herren von Lindenhorst, die später auch den Grafen von Dortmund stellten. Letztes Relikt dieser Zeit ist die alte Kirche in Lindenhorst, deren Turm als das älteste Bauwerk in Dortmund gilt. 1758 hatte das Dorf Lindenhorst elf Bauernhöfe und Kotten. Mit der Gründung der Zeche Fürst Hardenberg 1872 und Beginn der Kohleförderung 1876 wuchs Lindenhorst rasant. Es entstanden mehrere Bergarbeiter-Siedlungen. 1960 wurde das Bergwerk von der Zeche Minister Stein in Eving übernommen, die wiederum 1987 stillgelegt wurde.
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