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Lücklemberg: Eine heile und ruhige, aber auch teure Welt im Grünen

rnStadtteilcheck

In Lücklemberg wohnen die reichen und älteren Menschen – das ist eine weit verbreitete Einschätzung. So ganz falsch ist das nicht. Obwohl Lücklemberg viel zu bieten hat.

Lücklemberg

, 15.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Martina Müller bewegt sich gerne in der Natur – beim Spazierengehen oder auch beim Joggen. Und genau das kann sie auch schnell machen, ohne erst mit dem Auto irgendwo hinfahren zu müssen. Wenn Müller aus der Haustür tritt, ist sie quasi direkt im Grünen, wie sie erzählt: „Ich wohne direkt am Eingang Richtung Rombergpark, dort gehe ich sehr gerne spazieren. Und auch der Zoo, das Pastorenwäldchen und die Bittermark sind nicht weit. Wir haben hier viele schöne Grünflächen.“

Im Norden Lücklembergs liegen einige Felder, im Süden die Waldungen der Bittermark. So sind es auch genau diese Grünflächen, die Martina Müller an ihrem Stadtteil ganz besonders zu schätzen weiß.

Lücklemberg: Eine heile und ruhige, aber auch teure Welt im Grünen

Die Bewohner in Lücklemberg sind stolz auf ihr grünes und fruchtbares Olpketal. © Oliver Schaper

Die ruhige Wohngegend liegt im Südosten des Stadtbezirks Hombruch. Wie Martina Müller freuen sich auch viele Teilnehmer unserer Stadtteilcheck-Umfrage über die ausgeprägte Natur in Lücklemberg: Sie vergaben zehn Punkte - und damit die volle Punktzahl – für den Aspekt Grünflächen. Eine Teilnehmerin schreibt dazu: „Super Lage, weil man überall schnell ist und trotzdem im Grünen lebt.“

Martina Müller geht mindestens einmal in der Woche laufen, und findet es super, dass sie direkt aus der Tür raus und loslaufen kann. Mit viel Natur ist Müller schon als Kind aufgewachsen, erzählt sie: „Ich komme vom Land und brauche die grünen Flächen deshalb einfach. Hier ist es sehr ruhig und ich fühle mich sehr wohl.“

Das wurde noch positiv bewertet

Sauberkeit: Bei dem Aspekt Sauberkeit gaben die Teilnehmer unserer Umfrage neun Punkte. Damit liegt Lücklemberg zwei Punkte über dem Durchschnitt. Martina Müller kann dieses Ergebnis aus eigener Erfahrung größtenteils bestätigen: „Ich finde Lücklemberg ist insgesamt ein sehr sauberer und schmucker Stadtteil.“ Nur an einer Stelle falle ihr immer wieder achtlos weggeschmissener Müll auf: „Rund um die Container an der Auffahrt B54 liegt alles mögliche rum. Das ist ein Schandfleck, die Mülleimer dort sind sehr stark frequentiert“, sagt Müller.

Lebensqualität: Auch für den Aspekt Lebensqualität vergaben die Teilnehmer neun Punkte für Lücklemberg und damit einen Punkt mehr als der Durchschnitt. Durch Lücklemberg fließen die Schondelle und der Olpkebach. Im grünen und fruchtbaren Olpketal lebt es sich nach der Meinung der meisten Teilnehmer gut. So schreibt eine Teilnehmerin der Umfrage: „Lücklemberg ist der schönste Vorort von Dortmund.“ Viele ähnliche Kommentare – wie die eines Teilnehmers: „Ich fühle mich in meinem Stadtteil sehr wohl“ – schließen sich an.

Und auch Martina Müller geht mit diesem Standpunkt konform: „Ich finde, es lässt sich hier sehr gut leben. Es gibt große Grundstücke und Häuser und auch Neubaugebiete. Den meisten Anwohnern hier geht es sehr gut.“ Die Einschätzung, dass in Lücklemberg die reichen Bewohner Dortmunds leben, hat also einen wahren Kern: Das Durchschnittseinkommen ist hier außergewöhnlich hoch.

Das wurde negativ bewertet

Wohnen: Einen Kritikpunkt hat Müller allerdings: „Wir sind in ein alteingesessenes Wohngebiet gezogen und man weiß kaum, wer zwei Häuser weiter wohnt.“ Auch die Teilnehmer der Umfrage haben für den Aspekt Wohnen lediglich vier von zehn Punkten vergeben – der stadtweite Durchschnitt liegt beim Wohnen bei sechs Punkten. Einen Grund für diese negative Bewertung können sicherlich die hohen Kosten für Wohnungen und Häuser sein.

So schreibt ein Teilnehmer der Umfrage: „Die Immobilienpreise sind eindeutig zu hoch, verglichen mit ähnlichen Städten in NRW.“ Auch Martina Müller findet, dass die Kosten sehr hoch sind: „Wir konnten vor 16 Jahren eine Eigentumswohnung erlangen, die noch ging, ansonsten ist es hier aber schon betuchter.“ Lücklemberg ist ein reicher Stadtteil, hauptsächlich stehen hier Einfamilienhäuser mit großzügigen Grundstücken. Die Architektur ist sehr durchmischt, vom 50er-Jahre-Klotz bis zur modernen Villa steht hier alles.

Lücklemberg: Eine heile und ruhige, aber auch teure Welt im Grünen

Martina Müller ist mit ihrer Familie in eine alteingessene Nachbarschaft gezogen und lebt gerne dort. Sie würde sich nur gerne mehr mit ihrer Nachbarschaft austauschen. © Rüdiger Barz

So ganz kann Bezirksbürgermeister Hans Semmler die schlechte Bewertung nicht nachvollziehen: „Warum Lücklemberg in Sachen Wohnen schlecht ausgefallen ist, kann ich mir nicht erklären, denn der Ortsteil zählt sicherlich zu den begehrtesten Wohnorten in Dortmund, daher auch die hohen Grundstückspreise und Mietpreise.“

Jugendliche: Einen anderen, negativ ausgefallenen Aspekt hingegen kann Semmler nachvollziehen: „Leider gibt es von Seiten des Jugendamtes der Stadt Dortmund in Lücklemberg keine Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche.“ Die evangelische Philippus-Gemeinde und die katholische Patroklus-Gemeinde jedoch hätten Angebote für Kinder und Jugendliche. Der Aspekt Jugendliche bekam im Schnitt nur fünf Punkte.

Martina Müller hat zwei Töchter im Alter von 15 und 17 Jahren und erzählt: „Die finden es hier beide etwas dröge, für junge Leute ist einfach zu wenig los. Die fahren dann lieber in die Stadt.“ Und das sei dank der guten Verkehrsanbindung auch kein Problem. „Meine Töchter haben auch ein Schoko-Ticket und gehen zu Fuß nur zehn Minuten bis zur U-Bahn, sind also immer schnell in der Stadt und wieder zurück. Aber hier direkt gibt es keinen Jugendtreff, keine eigene Kirchengemeinde, die sich um Jugendliche kümmert und zum Beispiel auch kein Fitnessstudio direkt in der Nähe“, erzählt Müller. Das nächste Fitnessstudio sei die Turnhalle, Hacheneyer Kirchweg 150, doch: „Die Turnhalle ist für Jugendliche sehr teuer, darum geht meine Tochter jetzt ins FitX nach Hörde“, sagt Müller.

Allgemein seien die hohen Preise in Lücklemberg ein weiterer Punkt gegen die Jugendlichen: „Ich denke, dass sich die meisten Jugendliche hier keine Wohnung leisten können, und die meisten ziehen wahrscheinlich auch lieber in Uni-Nähe.“

Hans Semmler ist zuversichtlich, dass ein neu entstehendes Wohngebiet auch für junge Familien interessant sein könnte und erzählt: „Es gibt ein großes Baugebiet, das ist sicherlich auch interessant für junge Menschen. Es liegt zwischen der Zillestraße und dem Heideblick, das Bergfeld. Hier sind die Straßennamen schon benannt: Emil Kiewski (verstorbener Rennfahrer), Heinz Neuhaus (verstorbener Boxer) und Wolf Bartmann (verstobener Zoodirektor). Die Erschließungsstraßen und Kanäle sind schon teilweise gebaut. In diesem Gebiet ist ein öffentlicher Spielplatz vorgesehen.“

Die Stadt Dortmund verkauft hier 29 Baugrundstücke für freistehende Einfamilienhäuser in bevorzugter Wohnlage nördlich des Heideblicks. Der Kaufpreis beträgt 435 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommen die Erschließungskosten von 72 Euro pro Quadratmeter und 7.935 € für den Kanalhausanschluss. So soll sich in Lücklemberg etwas tun und weiterer Wohnraum geschaffen werden.

Insgesamt ist Martina Müller sehr glücklich in ihrem Stadtteil: „In Lücklemberg kann man beschützt und ruhig leben, es passiert nichts und gibt nur wenig Kriminalität. Es ist hier schon ein wenig die heile Welt.“

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

Historie

Mahnmal in der Bittermark erinnert an grausame Nazi-Diktatur
Lücklemberg: Eine heile und ruhige, aber auch teure Welt im Grünen

Am 19. April 1945 wurde mit der Exhumierung der Leichen in der Bittermark begonnen. © Stadtarchiv

  • Die Ersterwähnung des Stadtteils reicht bis ins Jahr 1290 zurück. Früher gehörte Lücklemberg der Grafschaft Mark an, die mit der Reichsstadt Dortmund konkurrierte.
  • Am 1. Mai 1922 wurde Lücklemberg nach Wellinghofen eingemeindet. Die ersten Bauern, Lemberg und Ludeke (Lück) ließen sich im 12. Jahrhundert nieder und gaben dem Ort später seinen Namen.
  • In den Ostertagen 1945 wurden vom 07. März bis 12. April in der Waldlichtung „Spielwiese“ in der Bittermark, im Rombergpark und auf dem Eisenbahngelände zwischen Hörde und Berghofen etwa 280 Menschen ermordet. Einen Tag danach wurde Dortmund von den amerikanischen Truppen besetzt. Am 19. April 1945 wurde mit der Exhumierung der Leichen in der Bittermark begonnen. Das Mahnmal in der Bittermark erinnert an die Grausamkeit der Nazi-Diktatur.
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