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Mengede ist ein Spiegelbild von Dortmund. Nahversorgung, Verkehrsanbindung und Grünflächen erreichen im Stadtteilcheck gleiche Werte. In einigen Bereichen schneidet Mengede noch besser ab.

Mengede

, 24.11.2018 / Lesedauer: 5 min

Als Hanka und Tobias Splett vor zehn Jahren von einer längeren Weltreise zurückkehrten, suchten sie eine Wohnung. „Wir haben vorher in der Innenstadt gewohnt“, erzählt die heute 36-Jährige. Es sollte raus gehen an den Stadtrand. „Mengede ist meine Wahlheimat“, sagt sie nun so, als könnte man das „Wahl“ auch gleich weglassen. „Ich würde gar nicht auf die Idee kommen, in den Süden zu ziehen.“ Ehemann Tobias wirft augenzwinkernd ein: „Der Liebe wegen sind wir nach Mengede gezogen.“

Das Paar fand zunächst eine Dachgeschosswohnung in Nette. Seit einigen Jahren lebt das Paar mit Helge (8) und Frieda (2) in Groppenbruch: 106 Quadratmeter, zu einem Schnäppchenpreis.

Das ist nicht ungewöhnlich in Mengede, das mit 7 von 10 Punkten in Punkto Wohnen besser abschneidet als im städtischen Durchschnitt (6). In vielen Bereichen wirkt der Stadtteil dagegen wie ein Spiegelbild der gesamten Stadt: Grünflächen, Verkehrsanbindung, Nahversorgung (jeweils 9 Punkte) liegen ebenso im Durchschnitt wie Lebensqualität, Gesundheitsversorgung und Seelsorge (jeweils 8) oder Kinderbetreuung, Angebote für Senioren und das Sicherheitsgefühl (jeweils 7).

Für Hanka Splett spielen diese guten Werte aber gar keine große Rolle. „Hier lernt man super schnell Leute kennen“, betont sie. Beim Kaffee im „Il Cestino“ etwa. „Da ist ein sehr gemischtes Publikum“, sagt die angehende Lehrerin. Für Familien ideal: die Grünflächen. „Der Volksgarten ist der Ruhepunkt und auch der Amtshauspark ist schön.“ Und – noch relativ neu – das Hochwasser-Rückhaltebecken im Emschertal an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel.

Mengede: Wo Sportskanonen auf ihre Kosten kommen - es aber zu wenig Restaurants gibt

Das Hochwasser-Rückhaltebecken mit dem Hof Emschertal ist bei den Mengedern ein beliebtes Ziel für Radtouren und Spaziergänge. © Stephan Schütze

Auch mit der Nahversorgung ist Hanka Splett zufrieden. „Wenn ich’s hier nicht finde, kaufe ich es nicht.“ Lebensmittel, Bekleidung, „ein gutes Angebot auch an Second-Hand-Läden“.

Sie schaut zu Ehemann Tobias. „Käse“, wirft er ein. „Der Markt hat nachgelassen“, greift Hanka Splett das Stichwort auf. Der Käsestand sei verschwunden, ebenso wie ein vernünftiger Brotstand und der Kartoffelhändler. „Früher konnte man da einkaufen, ohne in einen Supermarkt zu gehen. Heute ist da so viel Fläche, die nicht genutzt wird.“

Das nachlassende Angebot des Wochenmarktes hatten auch schon Mengeder Einzelhändler bei unserer Einkaufsstraßenserie beklagt. Generell bestätigt Familie Splett aber die Ziele des Masterplans Einzelhandel, der Mengede als Stadtteilzentrum eine zentrale Rolle zuschreibt.

Das wurde positiv bewertet

Radfahren: Hier schneidet der Stadtteil mit 8 Punkten über dem städtischen Durchschnitt (7) ab. Mengede liegt an der überregionalen Radroute Dortmund-Ems-Kanal, die Dortmund mit der Nordsee verbindet. Die Route liegt bei Familie Splett in Groppenbruch quasi direkt vor der Haustür. Regional durchquert der Emscher-Weg von Ellinghausen bis zur Stadtgrenze nach Castrop-Rauxel den Stadtteil.

Hanka Splett ist gern und viel mit dem Fahrrad unterwegs, meistens mit Anhänger, in dem Frieda es sich gemütlich macht. „Rund um Mengede ist Fahrradfahren schön“, betont sie. „Im Alltag, wenn es mal schnell auf kurze Wege ankommt, noch nicht so.“ Das mag an der Randlage in Groppenbruch liegen, in der Familie Splett wohnt. „Durch die Mengeder Heide ist es sicherer, nach Mengede rein über die Königsheide wird es vor der Emscherbrücke schmal, oder man muss vorher die Straße kreuzen.“ Und die ist viel befahren. Einmal im Ortskern, ist der Stress vorbei. „Da kann man sich gut bewegen und es ist relativ ruhig“, sagt die Mutter auch mit Blick auf ihre Kinder.

Seit Jahren fordern die Bezirksvertreter Verbesserungen für Radfahrer, darunter ein Fahrradwege-Konzept für den Stadtbezirk inklusive der Anbindung an den Radschnellweg Ruhr. „Das begrüße ich grundsätzlich“, erklärte der städtische Fahrradbeauftragte Fabian Menke in der September-Sitzung. Die Krux: Für das Konzept ist das Planungsamt zuständig. Menke ist beim Tiefbauamt beschäftigt.

Mengede: Wo Sportskanonen auf ihre Kosten kommen - es aber zu wenig Restaurants gibt

Die neue Boule-Bahn im Volksgarten ist ein weiteres Sportangebot, das ein Verein und Freizeit-Bouler nutzen. © Stephan Schütze

Sport: Mit ebenfalls 8 Punkten liegt Mengede auch hier über dem Dortmunder Durchschnitt (7). „Wir sind nicht so sportlich“, räumt Hanka Splett ein. „Aber es gibt ein großes Sportangebot. Helge hat einiges ausprobiert.“ Sie nennt die Fußballvereine und den TV Mengede, die Angebote der Schulen oder das Hallenbad in Nette, in dem mehrere Vereine Schwimmkurse anbieten. Hinzu kommen die Möglichkeiten in den Parks: im Hansemannpark etwa die Skateranlage oder im Volksgarten die Boule-Anlage.

Jugendliche: Das Ergebnis von 6 Punkten ist respektabel, liegt der städtische Durchschnitt doch nur bei 5 Punkten. Mit dem HoT der katholischen Remigiusgemeinde und der städtischen Gender-Begegnungsstätte „Jam“ liegen zwei Jugendfreizeitstätten direkt im Ortskern. Gewiss spielt auch das breite Sportangebot hier eine Rolle. Über mehrere Buslinien sind die Sporthallen und -plätze sowie die Jugendtreffs in den Stadtteilen Nette, Oestrich und Westerfilde gut erreichbar.

Das wurde negativ bewertet

Gastronomie: Mit 6 Punkten liegt Mengede unter dem städtischen Durchschnitt (7). „Das Angebot an Pommesbuden ist super“, sagt Hanka Splett. Das Aber folgt postwendend: „Als meine Eltern zu Besuch waren, wollten wir nicht in eine Pommesbude gehen, aber ‚Toms im Burghof‘ hatte zu. Das war schon doof.“

Denn die Restaurants in Mengede sind an einer Hand abzählbar: neben „Toms“ im alten Ortskern bleiben noch das Hotel Handelshof, das Volksgarten-Restaurant und das chinesische Restaurant am Markt – offenbar zu wenig für ein Stadtbezirkszentrum. Hanka Splett nennt ein entscheidendes Argument: „Ich denke, die Mengeder haben nicht genügend Geld für regelmäßige Restaurantbesuche.“

Die mediterranen Angebote – ob Pizzeria, Dönerbude oder Grieche – fallen in die Kategorie Imbiss. Keine Orte für einen gemütlichen Abend. Ihre Vermutung, dass die Kaufkraft für mehr und für gehobene Gastronomie in Mengede fehlt, kann richtig sein. Ohne die konkrete Situation vor Ort zu kennen, sagt Harald Becker, Schulleiter der Wirtschaftsschulen für Hotellerie und Gastronomie (Wihoga) in Dortmund: „Es wird sicher einen Grund haben, dass es kein nennenswertes Gastronomieangebot gibt. Denn eines steht fest: Wenn es sich lohnen würde, gäbe es auch ein Angebot! Gastronomen gehören fast immer zu den mutigen und geschäftstüchtigen Geschäftsleuten.“

Mengede: Wo Sportskanonen auf ihre Kosten kommen - es aber zu wenig Restaurants gibt

Das Volksgarten-Restaurant ist eines der wenigen gastronomischen Angebote im Stadtteil. © Uwe von Schirp

Vermisst werden nicht nur Restaurants. „Es gibt auch keine Kneipenkultur, kein Szeneleben“, bedauert Hanka Splett. Und als sie den geschlossenen Westfalenhof im alten Ortskern nennt, klingt ein wenig Wehmut mit. Die ehemals angesagte Fachwerk-Kneipe ist heute Wohnhaus.

Das Gastronomie-Problem kennt auch Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch: „Im Sommer täte uns zum Beispiel eine Außengastronomie in der Ortsmitte gut. Und für den Volksgarten fehlt eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.“ Die Politik hat allerdings nur begrenzt Einfluss auf die Ansiedlung gastronomischer Angebote.

Sauberkeit: Die Gleichgültigkeit in Sachen Müll macht auch vor Mengede nicht halt. Allerdings liegt das Ergebnis unseres Stadtteilchecks mit 6 Punkten unter dem Dortmunder Durchschnitt (7). Hanka und Tobias Splett kennen das Problem. Einmal im Jahr beteiligen sie sich an den Müllsammelaktionen. Schlimmer der Alltag. Wenn nicht mit dem Fahrrad, fährt Familie Splett möglichst oft mit Bus und Bahn. „An den Haltestellen liegen Kippen, Rotze und Kotze“, sagt Mutter Hanka. „Wenn man mit den Kindern wartet, muss man aufpassen.“ Besonders schlimm sei es am Bahnhof. Das weiß auch Wilhelm Tölch: „Die Reinigung ist phlegmatisch. Abfallkörbe fehlen oder liegen neben der Halterung. Dazu haben wir in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung bereits einen Antrag an die Verwaltung beschlossen.“

Chronologie des Stadtteils

Funde aus vorchristlicher Zeit

Mengede: Wo Sportskanonen auf ihre Kosten kommen - es aber zu wenig Restaurants gibt

Das alte Mengede: Die Partie an der evangelischen Kirche hat sich seit 1949 kaum verändert. © Archiv Heimatverein

Archäologische Funde weisen auf erste Besiedlungen Mengedes in der keltischen Zeit etwa 200 bis 500 v. Chr. hin. In den Heberegistern des Klosters Werden ist der Ort erstmals um 880 n. Chr. erwähnt. Mengede hat zwei Ortskerne: Der historische Mittelpunkt liegt rund um die evangelische Remigiuskirche und die benachbarten Fachwerkhäuser. Der „neue“ Ortskern ist das Geschäftszentrum rund um den Marktplatz.
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