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Sölderholz: Dorfcharakter mit allem, was man braucht

rnStadtteilcheck

Die Menschen in Sölderholz und Lichtendorf gehören wohl zu den zufriedensten in ganz Dortmund. Doch es gibt auch hier, am Rande der Großstadt, Kritikpunkte – und nicht immer eine Lösung.

Sölderholz, Lichtendorf

, 12.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Eigentlich sind es ja zwei Ortsteile, Sölderholz und Lichtendorf. Und nicht nur der Name trennt sie. Die eine Seite hat eine Dortmunder Vorwahl, die andere Seite die aus Schwerte. Aber irgendwie ist es doch ein Dorf. Der Übergang ist fließend, es gibt eine gemeinsame Einkaufsstraße und auch sonst ist man sich sehr nahe. 1975 kam es aufgrund der kommunalen Neuordnung zur Teilung Lichtendorfs. Südlich der A1 heißt es nun Schwerte-Lichtendorf, nördlich der A1 Dortmund-Lichtendorf.

Und so wachsen Sölderholz und eben Lichtendorf zusammen. Und drumherum ist ganz viel Grün. So viel, dass es den Bürgern, die an dem Stadtteilcheck unserer Zeitung teilgenommen haben, die volle Punktzahl wert war. 10 von 10 Punkten – Spitze in Dortmund. Und es scheint die Menschen wirklich zu beeindrucken – diese ländliche Idylle. Deshalb haben Sölderholz und Lichtendorf auch bei der Frage nach der Lebensqualität so richtig abgeräumt. 9,5 von 10 Punkten. Weit über dem Dortmunder Durchschnitt.

Tatjana Langen ist so eine, die die Ruhe im Dortmunder Süden zu schätzen weiß. Die 44-Jährige kam der Liebe wegen nach Lichtendorf – und will hier nicht mehr weg. „Ich komme eigentlich aus dem Kreuzviertel“, sagt Tatjana Langen. „Und seitdem ich hier wohne, ist es wie ein Urlaub, der nie aufhört.“ Es ist das Tor zum Sauerland, das hört man hier oft. Schwerte ist nah, genauso wie Holzwickede. Hier geht es hin zum Einkaufen – oder man bleibt eben vor Ort.

Sölderholz: Dorfcharakter mit allem, was man braucht

Hier spielt sich das Dorfleben ab – an der Eichholzstraße. © Jörg Bauerfeld

Auf der „Einkaufsmeile“, der Eicholzstraße, die in die Nelkenstraße übergeht, hat der Bürger alles, was er braucht. Die Bäckerei, daneben eine Apotheke. Ein Bio-Laden ist da, genauso wie ein großer Supermarkt. Eine Metzgerei fehlt vor Ort ebenfalls nicht. Auch die Finanzen müssen stimmen, ganz tief im Dortmunder Süden, denn Sparkasse und Volksbank haben ihre Filialen in Sölde geschlossen – in Lichtendorf und Sölderholz sind sie noch da.

Es scheint wirklich ein Ort zum Wohlfühlen zu sein, denn auch Familie Linke ist mächtig zufrieden am Rande von Dortmund. „Wir haben schon in der Dortmunder Innenstadt und in einem anderen Ortsteil im Dortmunder Süden gewohnt. Aber hier fühlen wir uns am wohlsten“, sagt Michael Linke. „Wir haben das Dörfliche, sind schnell in der Innenstadt oder beim Fußball“, so der 53-Jährige.

Der geht nämlich, was den Verein angeht, fremd: Nicht bei den SF Sölderholz ist er für den fußballerischen Bereich tätig, sondern beim Aplerbecker SC 09. Apropos, SF Sölderholz. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Und pünktlich dazu gab es den neuen Kunstrasen, der auch schon fleißig bespielt wird.


Das wurde positiv bewertet:

Sauberkeit: Ohne Übertreibung kann man sagen, dass Sölderholz und Lichtendorf zu den saubersten Stadtteilen in Dortmund gehören – zumindest gefühlt. Vollgestopfte Mülleimer oder EDG-Sammelstellen findet man höchst selten. Was auch daran liegt, dass die Bürger durchaus ein Auge darauf werfen, was in ihrer Umgebung geschieht. So gab es einen kurzen Aufschrei, als an dem kleinen Waldparkplatz am Ende der Resedastraße der Mülleimer verschwunden war. Viele der Sölderholzer nutzen den angrenzenden Hixterwald für ausgiebige Spaziergänge – und da blieb dann auch schon einmal Müll zurück. Selbst die Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann setzte sich dafür ein, dass hier wieder vonseiten der Stadt Abfalleimer installiert wurden. Was auch prompt geschah.

Nahversorgung: Wenn in den Jahren 2010 bis 2014 die Frage nach der Nahversorgung vor Ort gekommen wäre, sie wäre äußert mies beantwortet worden. Denn durch den Brand des Supermarktes an der Nelkenstraße gab es vier lange Jahre keine größere Einkaufsmöglichkeit mehr vor Ort. Erst mit der Eröffnung des neuen Edeka Mitte 2014 war die Versorgung in Lichtendorf und Sölderholz wieder gesichert. Und das brachte satte 9 Punkte. Die liegen zwar genau im Stadtdurchschnitt, aber beim Blick zurück doch bemerkenswert. „Wir haben hier alles, was wir brauchen“, sagt Isabelle Linke. Die 41-Jährige ist mit dem Umfeld im Dortmunder Süden äußerst zufrieden – bis auf die Schulwege. Die seien doch gefährlich. An beiden Standorten, in Lichtendorf und in Sölderholz.


Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie: Es ist fast wie überall in den Randbereichen. Die Gaststätten und die Eckkneipen werden immer weniger. Auch in Sölderholz und Lichtendorf ist das der Fall. Haus Sievert an der Eichholzstraße schloss im April 2016 seine Türen. Hier, in dem großen Saal, war der Treffpunkt für zahlreiche Vereine. Schräg gegenüber liegt die Eichholzklause – noch hat sie geöffnet. Der Dorftreffpunkt liegt jetzt wieder an der Kreuzung Eichholzstraße / Lichtendorferstraße. Die ehemalige Gaststätte Zur Bergeshöh heißt jetzt Lokrum.

„Wir sind froh, dass wir wieder jemanden finden konnten, der hier weitermacht“, sagt Frank Bader (55). Dem gehört die Immobilie, in der es jetzt internationale Spezialitäten gibt. Und er kennt auch noch einige Anekdoten aus der Vergangenheit. „Hier gab es früher keinen Arzt. Wenn, dann kam einer aus Sölde hierüber und hat dann hier im Saal seine Sprechstunden abgehalten“, sagt Frank Bader. „Am nächsten Tag kamen die Patienten zurück in die Bergeshöh, setzten sich an den Tresen und haben ihre Medikamente abgeholt, die hierhin geliefert wurden.“

Gesundheit: Die Geschichte hat sich wiederholt – zumindest was einen Hausarzt angeht. Den gibt es in Sölderholz und Lichtendorf schon seit einigen Jahren nicht mehr. Gut, die Rezepte werden nicht mehr am Kneipentresen eingelöst – es gibt eine Apotheke. Nur die Gesundheitsversorgung liegt mit 6 von 10 Punkten weit unter dem Dortmunder Durchschnitt. Ob es eine Lösung für das Problem gibt, wird sich aber vielleicht bald entscheiden. Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel ließ durchblicken, dass sich in Sachen Hausarzt etwas tut.

Jugendliche: Hier schneiden Lichtendorf und Sölderholz nicht gut ab. Es gibt nicht in ausreichender Form Angebote, so die Meinung zahlreicher Bürger. Und man muss wahrlich suchen, um etwas zu finden. So gab es für die jungen Leute mal die Möglichkeit, sich am Sportplatz der SF Sölderholz zu treffen. Das wird nun aber nicht mehr möglich sein. Der Platz wird abgeschlossen, da er jetzt eben einen Kunstrasenplatz ist. Ein Angebot ist ein Treff im evangelischen Gemeindehaus in Sölderholz, der von den SF Sölderholz angeboten wird. Aber vielleicht ändert sich bald etwas. An der Resedastraße soll ein Treffpunkt entstehen.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:


Historie

125 Jahre Sportfreunde Sölderholz

Sölderholz: Dorfcharakter mit allem, was man braucht

Die Sportfreunde Sölderholz feiern in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Fußball war schon immer dort die Sportart Nummer eins. Auf dem Foto die Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 1951. © SF Sölderholz

  • Sölderholz ist erst im letzten Jahrhundert als Stadtteil gewachsen. Sein Name leitet sich von „Sölder Holz“, dem angrenzenden Wald ab.
  • Erste urkundliche Erwähnung fand Lichtendorf in den beiden um 1220 angelegten Vogteirollen des Grafen Friedrich von Isenberg als „Lichtericdorpe“.
  • Am 1. Januar 1975 wurde der nördlich der Autobahn A1 liegende Teil Lichtendorfs und damals mit 2812 Einwohnern ein Stadtteil der Stadt Dortmund.
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