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Tom Tailor schließt - Warum es Modehändler auf dem Westenhellweg mittlerweile schwer haben

rnWestenhellweg

Der Westenhellweg ist im Wandel. Tom Tailor schließt, Wormland und Douglas bauen um. Was auffällt: Wenn Modehändler dichtmachen, kommen keine neuen Modehändler nach. Wir erklären die Gründe.

Dortmund

, 11.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Im Mai 2008 hat die Modekette Tom Tailor auf dem Westenhellweg eröffnet. Etwas mehr als zehn Jahre später ist Schluss: Seit einigen Tagen läuft der Räumungsverkauf, Kunden bekommen noch einmal satte Prozente - Ende Oktober 2018 schließt der Laden.

Die Tom Tailor Holding befindet sich seit zwei Jahren in einer Phase der Sanierung (hier ein Bericht des Handelsblatts): Über 300 Filialen von Tom Tailor sowie der Damen-Boutique Bonita, die ebenfalls zum Unternehmen gehört, wurden geprüft. Und viele Filialen wurden geschlossen. Jetzt ist eben auch der Laden in Dortmund dran.

Tom Tailor schließt am Westenhellweg in Dortmund

„Wir trennen uns von Filialen, die nicht profitabel sind“, sagt auf Anfrage Tom-Tailor-Sprecherin Lena Wulfmeyer. „Erstmal“ sei es ein Rückzug aus Dortmund, es sei nicht geplant, an anderer Stelle in der Stadt einen neuen Laden aufzumachen. Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, will die Sprecherin konkret nicht sagen. Generell würden zwei feste Kräfte sowie Teilzeitkräfte in jeder Filiale arbeiten. „In der Regel“ werde Mitarbeitern angeboten, in andere Filialen in der Umgebung zu wechseln.

Pläne, dass auch Bonita auf dem Westenhellweg schließt, gebe es derzeit nicht, sagt Wulfmeyer. Indes soll schon ein Nachfolger für das Ladenlokal am Westenhellweg 58 feststehen, das Tom Tailor verlässt: Dort ziehe im Sommer 2019 der Sneaker- und Sportmode-Händler JD Sports ein, sagt Andreas Grüß. Er ist Geschäftsführer von Lührmann Osnabrück, ein auf Einzelhandelsimmobilien spezialisiertes Maklerunternehmen, das auch häufiger Immobilien in Dortmund vermittelt.

Modehändler gehen - meist kommen andere Branchen

An dieser Stelle würde also zwar kein reiner Modehändler nachfolgen - immerhin aber ein Geschäft, das unter anderem auch Bekleidung anbietet. In den vergangenen Jahren hingegen kamen in der Dortmunder City für scheidende Modehändler zumeist keine Händler aus derselben Branche nach: Für die Textiler Pohland und Forever 21 kam am Westenhellweg die Drogeriemarktkette Müller; Promod wurde durch den Optiker Mr. Spex ersetzt. Und aufs Modehaus Boecker folgt an der Kampstraße bekanntlich der Sportartikel-Händler Decathlon.

Tom Tailor schließt - Warum es Modehändler auf dem Westenhellweg mittlerweile schwer haben

Andreas Grüß vom Maklerunternehmen Lührmann Osnabrück (hier bei einem Rundgang Ende 2017) kennt den Westenhellweg gut. © Michael Schnitzler

Modehändler gehen - Händler aus anderen Branchen kommen. Diesen Trend „kann ich nur bestätigen“, sagt Makler Andreas Grüß. „Es expandieren vor allem die Branchen, in denen die persönliche Beratung besonders zählt.“ Diese Branchen seien Drogerie (siehe Müller), die Sportbranche (siehe JD Sports, siehe Decathlon) und Kosmetikhändler: Im Juli eröffnete auf dem Westenhellweg die niederländische Kosmetikkette Rituals. Grüß zufolge prüft auch die französische Kosmetikkette Sephora die Anmietung eines Ladenlokals auf Dortmunds Einkaufsmeile. Dass die Parfümerie Douglas auf dem Westenhellweg gerade umbaut, so Grüß, sei durchaus als Reaktion auf die gestiegene Konkurrenz zu verstehen.

„Wir haben ein starkes Textilangebot auf dem Westenhellweg“

Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch bei Mode lassen sich viele Kunden noch beraten. Viele andere bestellen hingegen inzwischen online. Der Wettbewerbsdruck unter anderem durch Onlinehändler wie Zalando und Amazon werde immer größer, sagt nicht nur Grüß.

Laut einer Studie des Branchenfachblatts „Textilwirtschaft“ fielen die Umsätze der stationären Modehändler zwischen Januar und Juni um zwei Prozent, die Kundenzahl verringerte sich um vier Prozent. Da werden die Händler in Dortmund keine Ausnahme darstellen.

Dass auf dem Westenhellweg eher keine neuen Bekleidungsgeschäfte nachkommen, wenn Modehändler schließen, ist für Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland, kein Zufall: „Wir haben hier ein starkes Textilangebot - das macht es schwierig für andere, neue Händler.“ In der Tat gibt es von Karstadt bis Kaufhof, Primark bis H&M, Anson‘s bis Peek & Cloppenburg noch reichlich Bekleidungsgeschäfte in Dortmund. Dazu zählt auch Wormland, wo gerade wegen eines geplanten Umbaus ein Räumungsverkauf läuft.

Wer weiß schon, was in zehn Jahren ist?

Thomas Schäfer geht davon aus, dass es in Dortmund im Textilhandel „noch manche Marktbereinigung“ geben wird. Dass also weitere Händler schließen, und an ihrer Stelle keine neuen Modehändler nachkommen. Wobei, das sagt Schäfer auch, nicht absehbar sei, was beispielsweise in zehn Jahren ist. Vielleicht gebe es dann wieder einen positiven Trend im stationären Textilhandel.

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