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Bestohlener Pfarrer reiseunfähig: Richter denken über einen Ortstermin nach

rnLandgericht Bochum

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ droht womöglich eine Verlängerung. Anlass ist der Gesundheitszustand des Pfarrers im Fall mit der wohl größten Beute.

Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund

, 13.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie am Mittwoch am vierten Verhandlungstag im Prozess um die Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung bekannt geworden ist, musste ein Pfarrer aus Cloppenburg die Reise zu seiner für Mittwoch geplanten Zeugenbefragung nach Bochum kurzfristig absagen.

Der Geistliche sei „schwer erkrankt“ und auf absehbare Zeit „nicht reisefähig“, hieß es vonseiten der Richter. Da auf seine Zeugenbefragung aber nicht so ohne Weiteres verzichtet werden kann, denken die Bochumer Richter nun auch an eine mögliche Dienstreise für alle Prozessbeteiligten nach Cloppenburg. Auch eine Videovernehmung des Pfarrers wäre unter gewissen Umständen denkbar.

„Wir werden uns mal Gedanken machen, was wir in dieser Angelegenheit machen können. Ob es wirklich ein Ortstermin in Cloppenburg sein muss, das wird man dann sehen“, sagte Richter Josef Große Feldhaus.

36.800 Euro Bargeld aus Sekretär gestohlen

Die Befragung des offenbar inzwischen ehemaligen Pfarrers einer katholischen Gemeinde in Cloppenburg ist nicht zuletzt deswegen von Interesse, weil der Beutezug am 13. Mai 2018 in dem Pfarrbüro eine ganz besondere Dimension angenommen hat. Denn laut Anklage wurde bei diesem einen Coup ein Großteil der von der Staatsanwaltschaft angegebenen gesamten Bargeld-Beute (90.000 Euro) gemacht. Aus einem verschlossenen Fach im Sekretär des Pfarrers, so die Anklageschrift, sollen nämlich allein 36.800 Euro Bargeld gestohlen worden sein. Außerdem weitere 1200 Euro und zahlreiche wertvolle Münzen.

Pikant ist aber auch: Nach Medienberichten soll ausgerechnet dieser Pfarrer vor Jahren in einen Bargeld-Skandal verwickelt gewesen sein und im Zuge dessen 2013 per Strafbefehl wegen Untreue zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden sein.

Augenzeugin sah drei Männer aus einer Hecke springen

Eine Augenzeugin erinnerte sich am Mittwoch im Prozess an den Tag, als in das Pfarrbüro in Cloppenburg eingebrochen worden ist, noch ganz genau. Die 58-jährige Friedhofsgärtnerin war nach eigenen Angaben gerade auf dem Weg zur Arbeit, „als plötzlich drei Männer aus der Hecke sprangen“. Einer der Männer habe dabei einen Tablet-Computer in der Hand gehabt. Weil die Frau kurz danach auch gesehen hatte, dass ein Fenster zum Büro des Pfarrers offen stand, hatte die Zeugin sofort die Polizei alarmiert.

Den zwei angeklagten Männern und einer Frau werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. In Haltern war Pater James im Pfarrhaus von St. Sixtus attackiert, gefesselt und eingesperrt worden. Auch in Dortmund war ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus tätlich angegriffen worden. In Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St.-Lambertus-Gemeinde hatten die Täter einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Verankerung gehebelt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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