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Aus dem Abwassernetz gerät Abfall in die Stever. Eine Zählaktion an der Mündung zur Lippe brachte ein äußerst kritisches Fazit. Fachleute fordern jetzt Wasser- und Bodenanalysen.

Haltern

, 31.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Mitte August hatten sich Angler zum wiederholten Mal geärgert, dass Abwasserreste aus einem Betonrohr in die Stever gespült wurden. Feuchttücher, Damenbinden und andere Überbleibsel aus den Toiletten waren dort im Fluss zu sehen. Der zuständige Lippeverband teilte mit: „Es ist nach starken Regenfällen durchaus nicht unüblich, dass in Ausnahmefällen auch Hygieneartikel mit ausgespült werden.“ Die Ursache liege in einem Vorgang, um Regen- und Toilettenwasser vor der Kläranlage voneinander zu trennen.

Jetzt haben die Mitglieder des Angelsportvereins „Petri Heil“ beim Landesfischereiverband (LFV) eine Fischzählung in die Wege geleitet. Bei einer sogenannten Elektro-Befischung wurden die Tiere am Mittwochnachmittag mit leichten Stromstößen betäubt und mit einem Kescher eingefangen. „Wir haben uns auf den Mündungsbereich beschränkt, da für Strecken weiter oberhalb keine Genehmigung vorliegt“, sagt Dr. Svenja Storm vom LFV: „Aber bereits hier zeigte sich, dass der Fischbestand keinesfalls gesund ist.“ Für die Prüfung des oberen Bereichs habe sich schon ein Vertreter der Bezirksregierung angekündigt, ergänzt Fischereiaufseher Rolf Fehrmann. Das Betonrohr, an dem der Abfall auftauchte, befindet sich mehr als 600 Meter von der Mündung entfernt.

„Keinesfalls gesund“: Fachleute kritisieren Fischbestand in der Stever

Dr. Svenja Storm hat zu Beginn der Aktion Temperatur und Leitfähigkeit des Wassers gemessen. © Kevin Kindel

168 Fische wurden am Mittwoch im Mündungsbereich gefangen, davon waren 125 nicht heimische Schwarzmaul- und Marmorgrundeln. Heimische Fische wurden nur durch drei Arten repräsentiert: Flussbarsch, Stichling und zwei Aale. „Diese drei Arten sind nicht besonders anspruchsvoll“, erklärt Dr. Svenja Storm: „Was vor allem auffiel: Hier gab es keinen einzigen Jungfisch der Cypriniden, also Karpfenartige. Diese kommen derzeit in anderen Bereichen der Lippe zu Hunderten vor und können überall vom Ufer aus beobachtet werden.“ Auch weiter oberhalb in der Stever konnten die Experten vom Ufer aus keine Jungfische beobachten.

Unterdessen hat sich die Bezirksregierung Münster zu dem Sachverhalt geäußert und verweist auf einen NRW-Erlass aus dem Jahr 1995: „Es ist demnach üblich, dass der Zufluss zur Kläranlage bei Niederschlagsereignissen begrenzt wird und bei stärkeren Niederschlagsereignissen (mehrmals pro Jahr) mit Regenwasser vermischtes Schmutzwasser direkt in Gewässer entlastet wird“, schreibt Sprecherin Christiane Klein.

„Keinesfalls gesund“: Fachleute kritisieren Fischbestand in der Stever

Der Großteil der gefundenen Fische waren Grundeln. © Kevin Kindel

Die Einleitungserlaubnisse für die Stever seien in diesem Jahr neu erteilt worden. Im Rahmen dessen sei festgestellt worden, dass fachliche wie rechtliche Anforderungen erfüllt wurden. „Ein offensichtliches oder bekanntes Defizit besteht bei den Einleitungen also nicht“, so die Bezirksregierung, die außerdem betont: „Wie der Lippeverband korrekt darstellt, ist eine Entsorgung der Hygieneartikel wie Damenbinden über die Toilette nicht zulässig.“

Zum Rückhalt dieser Stoffe sei grundsätzlich die Nachrüstung eines Rechens denkbar. Dabei sei jedoch immer zu prüfen, ob die hydraulische Leistungsfähigkeit der Anlage erhalten bleibt, um Überflutungen zu vermeiden und ob eine Nachrüstung im konkreten Einzelfall technisch möglich ist. Die Sprecherin der Bezirksregierung teilt mit: „Wir werden die Berichterstattung aber zum Anlass nehmen, gemeinsam mit dem Lippeverband nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten zu suchen.“

Dr. Svenja Storm vom LFV kündigt auch mit Blick auf die Einleitungen aus dem Betonrohr an: „Wir werden mit den zuständigen Behörden ins Gespräch gehen, um Wasser- und Bodenproben zu veranlassen und die Ursache zu klären.“

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