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Eine Hecke versperrt die Sicht aus der Einfahrt, was für Radfahrer zu gefährlichen Situationen führt. Anwohner wollen seit Jahren einen Spiegel für bessere Sicht, die Verwaltung lehnt ab.

Haltern

, 20.08.2018 / Lesedauer: 3 min

„Ganz brenzlige Situationen“ gebe es hier regelmäßig, am Nordwall 10, berichtet Heinrich Serafin. Radfahrer seien schon gestürzt, Beinah-Unfälle fast an der Tagesordnung, sagt der Anwohner und Nachbarn stimmen ihm zu. Die Autofahrer ernten dann oft böse Blicke von Fußgängern und Radlern und sind selbst machtlos, weil die Ecke einfach äußerst schlecht einsehbar ist.

Eine hohe Hecke reicht direkt bis zur Hofeinfahrt der Mehrfamilienhäuser. Wer mit dem Auto auf die Straße will, muss sich langsam über den Bürgersteig inklusive Radweg tasten. Um in einem Auto mit durchschnittlich langer Motorhaube einen ordentlichen Blick auf den Radweg zu bekommen, muss man schon bis mitten auf ebendiesen Radweg vorfahren.

Abhilfe schaffen könnte ein gewölbter Verkehrsspiegel, meinen Heinrich Serafin und seine Mitstreiter. Sie fordern so ein Teil seit Jahren, eine Straßenlaterne steht bereits am perfekten Standort, sodass man den Spiegel nur aufhängen müsste. „Wir würden die Anschaffung ja sogar selbst bezahlen“, sagt Nachbarin Gabriele Werfel. Am anderen Ende der störenden Hecke, vor dem Gebäude der Volksbank, hängt bereits so ein Verkehrsspiegel. Doch die Stadt Haltern, die ihn genehmigen muss, lehnt ab.

Im Video wird die Problematik deutlich:

„Es geht hier überhaupt nicht ums Geld. Wir möchten generell von diesen Spiegeln absehen und sie nur in absoluten Ausnahmefällen genehmigen“, berichtet Verwaltungssprecher Thomas Gerlach. Die sogenannte Verkehrs- und Unfallsicherheitskommission mit Vertretern aus Polizei, Ordnungsamt und Politik habe sich die Stelle Anfang Juli angesehen und entschieden, dass es dort keinen Handlungsbedarf gebe.

„Es wurde abermals dargestellt, dass Verkehrsspiegel eine trügerische Sicherheit bieten, zumal diese auch verstellt oder witterungsbedingt zu nicht deutlicher Sicht führen“, schreibt die Stadt an die Hausverwaltung der Anwohner. Wissenschaftliche Erhebungen hätten keinen Nutzen zur Unfallvermeidung erwiesen. Auch eine Aufstellung in Eigeninitiative sei nicht zu gestatten. Thomas Gerlach weist darauf hin, dass man ja auch nicht einfach so ein Stopp-Schild aufhängen darf. Ein Verkehrsspiegel sei da genau so zu behandeln.

Diskussionen hatte ein Antrag der Halterner CDU Mitte Juli in der Stadt ausgelöst. Die Politiker fordern Vorschriften für die Bebauung von Eckgrundstücken. Sie wollen zum Beispiel blickdichte Zäune an Straßenecken verbieten, damit solche Bereiche für den Verkehr besser einsehbar sind. Mitte September tagt der Verkehrsausschuss des Stadtrats. Parallel zum Streit mit der Stadtverwaltung seien die Nordwall-Anwohner in Gesprächen mit dem Heckenbesitzer, damit das Gewächs zurückgeschnitten wird. Auch dort gebe es aber keine zufriedenstellenden Antworten.

Nordwall-Anwohner wollen ihre Straße sicherer machen - Verwaltung lehnt Spiegel ab

Dieser Spiegel hängt am anderen Ende der störenden Hecke vor der Volksbank. Er wurde vor Jahren genehmigt. © Kevin Kindel

In ganz Deutschland wird die Sinnhaftigkeit der Verkehrsspiegel diskutiert. In Dorsten wurden einige im vergangenen Jahr abgebaut, die Stuttgarter Verwaltung rät von ihnen ab, aus Berlin heißt es: „Nach Einschätzung des Senats sind Verkehrsspiegel grundsätzlich ungeeignet, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.“

In Münster sind in den vergangenen Jahren hingegen fast 150 Spiegel aufgehängt worden, um den Toten Winkel beim Abbiegen einsehbar zu machen. „Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die gewünschte Wirkung“, heißt es von der dortigen Stadtverwaltung. Zu schwer einsehbaren Ausfahrten sagt Andreas Pott vom Verkehrsmanagement in Münster aber auch: „Da setzen wir Spiegel sehr restriktiv ein.“

Heinrich Serafin und seine Mitstreiter sind enttäuscht, möchten aber nicht aufgeben. „Auf dem Nordwall herrscht tagsüber viel Verkehr, kleine Kinder fegen hier auf dem Rad an der Einfahrt vorbei“, so der Anwohner: „Muss denn erst etwas Schlimmes passieren?“ Ein möglicherweise trügerisches Hilfsmittel ist den Bewohnern wesentlich lieber als gar keins.

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