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Geschichte in der ersten Stunde, Mathe in der achten: Schüler regen sich gerne über ihre Stundenpläne auf. Wir haben zum Ferienende nachgefragt, wie das komplexe Klassen-Puzzle funktioniert.

Haltern

, 28.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Nach mehr als sechs Wochen Ferien geht am Mittwoch (29. August) der Ernst des Lebens für Tausende Halterner Schüler wieder los. Allein 349 Kinder kommen in die neuen ersten Klassen. Am ersten Schultag kriegen sie ihre Stundenpläne mitgeteilt, die in mühevoller Arbeit ausgetüftelt wurden. In jeder Schule müssen Dutzende Lehrer auf Hunderte Schüler verteilt werden.

„Die Zeiten für Schwimm- und Sporthallen stehen vorher fest“, erklärt Veronika Beher, die für gleich drei Halterner Grundschul-Standorte zuständig ist: Silverberg, Dachsberg und Hullern. Der begrenzte Platz in den Sportstätten wird unter den Schulen aufgeteilt. Alle anderen Unterrichtsstunden basteln die Schulleitungen in den Ferien zusammen.

Vor dem Urlaub habe sie mit einer ersten Übersicht angefangen, berichtet Beher, Lehrer konnten Wünsche zur Gestaltung der Pläne äußern: „Wer halbtags arbeitet, soll möglichst keine Freistunden haben. Lehrer mit kleinen Kindern fangen häufig gerne erst zur zweiten Stunde an, andere arbeiten lieber früher.“ Sie habe schon so lange Erfahrung mit der Verteilung: „Das geht ganz gut, und ich mach das auch ziemlich gerne.“

So entstehen die Stundenpläne fürs neue Schuljahr

Jede Farbe der Magneten steht für einen Lehrer. © Kevin Kindel


Auf einem Tisch in Behers Büro liegt eine handschriftliche A3-Tabelle mit Bleistift-Einteilungen, die man mit dem Radiergummi schnell korrigieren kann. Viel mehr Platz nimmt aber die große Magnettafel darunter ein. So groß wie der Tisch, darauf je eine Zeile für jede Unterrichtsstunde der Woche, in den Spalten sind die verschiedenen Klassen vermerkt. Einige bunte Magnete sind in den Kästchen schon platziert, andere noch am Rand gestapelt. Sie stehen für die eingesetzten Lehrer.

„Mein Mann kriegt immer einen Föhn“, sagt Veronika Beher und lacht entspannt wie Lehrer fast nur in den Ferien lachen: „Er erzählt mir immer, wie wunderbar man das hier alles mit Excel am Computer machen könnte.“ Das Magnet-System habe sie aber vor fast 20 Jahren gelernt - das sitzt jetzt einfach. Und eine Software sei einfach zu teuer und lohne sich nicht für eine Grundschule.

Für die Schulen in Hullern und Flaesheim habe sie Unterstützung von Lehrern, die das Kollegium seit vielen Jahren kennen. So könne man den persönlichen Wünschen häufig gerecht werden. Einige Fixpunkte sind in der Planung zu bedenken: „Deutsch und Mathe sind in der Grundschule an jedem Tag Pflicht“, sagt Veronika Beher. Sport gebe es möglichst in Doppelstunden, weil es relativ lange dauert, bis die Kinder umgezogen sind. In anderen Fächern vermeide man Doppelstunden.

21 bis 28 Stunden in der Grundschule

Erstklässler haben 21 oder 22 Schulstunden pro Woche, in der vierten Klasse sind es bis zu 27 Stunden. Vollzeitlehrer unterrichten 28 Stunden, beim Wiedereinstieg nach Elternzeit haben manche Kollegen nur 8 oder 10 Stunden. Wie an vielen Schulen gibt es auch am Silverberg nicht genügend Lehrer: „Eine Stelle fehlt uns aktuell“, sagt Veronika Beher. „Der größte Scherz ist, dass Referendare im November an die Schule kommen und im April wieder gehen.“ Das mache die Stundenplanung nur komplizierter. Auch für die freie Stelle der Schulleitung in Flaesheim und Hullern gebe es weiterhin keine geeigneten Bewerber.

„Grundschullehrer müssen ja bis auf Englisch, Schwimmen und Religion eigentlich fast alles machen“, sagt Beher. Das ist an den weiterführenden Schulen deutlich anders. Susanne Baldauf war mit zwei Kollegen damit beschäftigt, die Stundenpläne fürs Joseph-König-Gymnasiums zu erstellen. „Damit fangen wir immer zu Beginn der fünften Ferienwoche an“, erzählt sie. Für die 1090 Schüler und 100 Lehrer des Gymnasiums muss ein Computerprogramm helfen. Ab der Stufe acht gibt es sechs Klassen pro Jahrgang, bei den jüngeren fünf.

Kurswahl in der Oberstufe

Zunächst geben die Lehrer die Datenbasis ins Programm ein. Es sei nicht vorgespeichert, wie viele Stunden welche Klasse bekommen muss: „Insofern ist das dann doch Handarbeit“, sagt Baldauf. Die Belegung von Chemie- oder Biologieräumen spiele eine Rolle ähnlich wie die Schwimmhalle. Zunächst werden die Pläne für die Oberstufe erstellt, in der die Klassen nicht mehr gemeinsam unterricht werden. Kursweise wählen sich die Schüler ihre Stunden vor den Ferien individuell zusammen. „Wir können dann immer nach und nach die Pläne im Programm fixieren, damit bei einer Änderung nicht alles über den Haufen geschmissen wird“, so die stellvertretende Schulleiterin.

Die Wünsche der Lehrer versuche man umzusetzen, Susanne Baldauf sagt aber: „Bei rund 100 Kollegen muss man da schon realistisch sein.“ In der Unterstufe achte man zum Beispiel außerdem darauf, keine Hauptfächer in den Nachmittag zu legen. Zur Personalsituation sagt Susanne Baldauf: „Es kommt alles hin.“ Eine größere Herausforderung kommt im kommenden Sommer aufs Gymnasium zu: Dann werden die Stundenpläne mit Blick auf die längere Schulzeit umgestellt. Neue Gymnasiasten machen dann wieder das Abitur nach 13 Jahren.

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