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Mit einer Raubserie auf Discounter sorgten zwei Täter 2017 auch in Herbern und Ascheberg für Aufruhr. Noch immer werden sie mit Phantombildern gesucht. Doch wie funktioniert das eigentlich?

Herbern

, 05.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Sechs Überfälle innerhalb von wenigen Wochen auf Supermärkte in Herbern, Drensteinfurt, Ascheberg und Hamm sollen auf das Konto von zwei Tätern gehen. Sie warteten bis kurz vor Ladenschluss, bedrohten die Mitarbeiter mit einer Waffe und forderten Geld.

Die Raubserie aus dem Frühjahr 2017 schaffte es sogar in die TV-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Nach Rekonstruktion des Falls meldeten sich mehr als 50 Leute mit Hinweisen bei der Kriminalpolizei Hamm – doch noch immer wurde keiner der Täter gefasst.

Das Verfahren läuft noch

„Das Verfahren läuft noch“, sagt Polizeisprecherin Julia Breitenstein. Mehr könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den Ermittlungen sagen. Doch die Hoffnung hat die Kriminalpolizei noch lange nicht aufgegeben. Besonders, weil sie Phantombilder von den Verdächtigen erstellt hat.

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Knapp einen von vier Fällen können die Ermittler in Nordrhein-Westfalen erfolgreich abschließen, wenn sie mit einem Phantombild suchen. „Wenn sich Zeugen gut erinnern, hilft uns das sehr bei der Arbeit“, bestätigt Breitenstein. Erstellen kann das Phantombild allerdings nicht jeder Polizeibeamte. Zur Erstellung kommen extra Zeichner vom Landeskriminalamt (LKA) vorbei.

In Nordrhein-Westfalen sind drei von etwa 40.000 Polizisten beim LKA in Düsseldorf auf die Erstellung der Phantombilder spezialisiert. Dafür arbeiten sie mit dem Computer-Programm Photoshop – manchmal ist das Bild in einer Vierstelstunde fertig, aber es könne auch sein, „dass wir ein Gespräch nach drei Stunden abbrechen müssen, weil unser Zeuge die Situation nicht mehr aushalten kann“, sagt ein Kriminalhauptkommissar aus dem Rheinland, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird.

Aldi-Räuber sind noch immer auf der Flucht – so arbeiten Experten am Phantombild

So beginnt der Aufbau eines Phantombildes: Der Kriminalbeamte fragt nach dem Gesichtypen. Das Computer-Programm bietet ihm dafür 4000 Vorlagen. © Peter Bandermann

Knapp 400 Phantombilder erstellt er zusammen mit seinen beiden Kollegen im Jahr. Dabei bedienen die Zeichner nicht nur ihr Programm besonders gut, sie müssen auch besonders aufmerksam mit dem Zeugen umgehen: behutsam fragen und Antworten präzise umsetzen. Deshalb gibt es einen festen Ablaufplan.

Beamte wollen zuerst die Angst nehmen

Zunächst wollen die LKA-Beamten die Zeugen beruhigen und ihnen die Angst nehmen, möglicherweise keine perfekten Beschreibungen abzugeben. Erst dann erklären sie, wie sie vorgehen und was auf den Zeugen zukommt, um langsam aber sicher zur Tat selbst überzugehen und Erinnerungen daran zu wecken – sowohl bewusste als auch unbewusste.

Aldi-Räuber sind noch immer auf der Flucht – so arbeiten Experten am Phantombild

Das Phantombild des ersten Tatverdächtigen auf den Aldi in Herbern. © Polizei Coesfeld

Ist das geschafft, entsteht am Computer ein Bild, bei dem sich Zeichner und Zeuge langsam dem Aussehen des Verdächtigen annähern.

„Das funktioniert umso besser, je schneller der Zeuge zusammen mit dem Zeichner ein Phantombild erstellen kann, dann sind die Erinnerungen noch frisch“, sagt Julia Breitenstein. In der Regel sei ein LKA-Zeichner sehr schnell vor Ort, um das Phantombild zu erstellen.

Erst Gesichtstyp, dann die Details

Los geht es mit der Frage nach Geschlecht, Alter und Ethnie des Verdächtigen. 4000 Gesichter umfasst die Datenbank, mithilfe derer man sich an das tatsächliche Aussehen herantastet. Doch beeinflussen will man den Zeugen mit den Vorlagen nicht, deshalb fällt die Auswahl des endgültigen Gesichts normalerweise nach etwa 30 bis 60 Minuten, bevor Details wie Bart oder Haare hinzugefügt werden. Stück für Stück setzt sich so ein Gesamtbild zusammen.

Aldi-Räuber sind noch immer auf der Flucht – so arbeiten Experten am Phantombild

Der zweite Tatverdächtige des Überfalls auf den Aldi im Herbern am 8. Mai 2017. © Polizei Coesfeld

Bei den beiden Tatverdächtigen des Überfalls am 8. Mai 2017 in der Aldi-Filiale in Herbern haben Phantombild und Täterbeschreibung noch nicht geholfen.

Beide Männer sollen zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein und Russisch oder Polnisch gesprochen haben. Ein Verdächtiger soll eine dunkle Mütze getragen haben und etwa 1,75 Meter groß und schlank gewesen sein. Der zweite Verdächtige soll eine ähnliche Figur gehabt haben und schwarze, nach hinten gegelte Haare.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei iin Hamm unter Tel. (02381) 9163210 entgegen.
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