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Der Ärger um die Kita „Abenteuerland“ in Herbern reißt nicht ab. Nächste Woche kommen die neuen Container. Knackpunkt ist aber nach wie vor der öffentliche Spielplatz nebenan. Wen ärgert was?

Herbern

, 18.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Rund zwei Wochen nach Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August ist die Kita „Abenteuerland“ schon wieder Thema in Herbern. Nicht nur, weil am Dienstag und Mittwoch (21. und 22. August) die neuen Container geliefert werden, sondern mehr noch, weil es bezüglich des angrenzenden öffentlichen Spielplatzes noch immer Gesprächsbedarf gibt.

Viel Ärger hinter der Auferstehungskirche

Es ist eine lange und nicht ganz unkomplizierte Geschichte, die da auf der grünen Wiese hinter der Auferstehungskirche ihren Anfang nahm. Es geht um die Außengestaltung der Containermodule, nach Ansicht mehrerer Anwohner um mangelnde Informationspolitik seitens der Verwaltung, um Zeitdruck, fehlende Kita-Plätze und – ganz aktuell – eben um den an das Kita-Gelände angrenzenden Spielplatz an der Straße „Auf den Äckern“.

  • Fakt ist, dass die Verwaltung wegen fehlender Kita-Plätze in Herbern handeln musste.
  • Fakt ist, dass die Kita (ein Provisorium, das vorerst auf sieben Jahre angelegt ist) deshalb um mehrere Container und damit von drei auf fünf Gruppen erweitert wird.
  • Fakt ist auch, dass die Politiker des Jugendausschusses am 19. Juni 2018 einstimmig beschlossen hatten, dem Kita-Gelände ein Stück des benachbarten Spielplatzes zuzuschlagen – genau 320 von insgesamt 800 Quadratmetern. Vorab stand im Raum, eine Alternativfläche für den öffentlichen Spielplatz zu suchen, um das Gelände in Gänze dem „Abenteuerland“ zuzuschreiben. Das aber stieß vor der Ausschuss-Entscheidung auf Unverständnis bei einigen Anwohnern der Straße „Auf den Äckern“.

Zwei Monate später meldet sich nun ein Vater zu Wort, der (wie auch die Anwohner) seinen Namen nicht öffentlich lesen möchte. Auch ihm geht es um den Spielplatz. Anders als seine Vorgänger fordert er, die Geräte zu versetzen – ginge es doch um ausreichend Außenspielfläche für die Kitakinder.

Ein Kindergarten und viele Probleme. Das sagen die einzelnen Parteien:

Die Eltern:

Es mache keinen Sinn, die Fläche (öffentlicher Spielplatz und Kita-Außengelände) zu teilen, sagte ein Vater aus Herbern am Donnerstag, 16. August, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Durch die neuen Container nimmt man den Kindern Fläche weg, gleichzeitig wird die Kita um zwei Gruppen erweitert“, bemängelt er. Die 320 Quadratmeter, die dazukommen, sind seiner Meinung nach nicht ausreichend. Warum könne man den Spielplatz nicht einfach komplett versetzen?

Insgesamt, so die Verwaltung, komme man nach der Erweiterung auf 890 Quadratmeter Außenspielfläche am Kindergarten – inklusive Wegeführung. „Das sind dann vielleicht knapp 700 Quadratmeter, die die Kinder nutzen können“, sagt der Vater. „Das ist vielleicht eine Erfüllung von Gesetzen, aber es macht keinen Sinn.“ Er und auch andere Eltern, versicherte er, hätten sich an die Politik gewandt. „Das war von Anfang an eine Flickschusterei – und es wird immer schlimmer.“

Man wolle nicht gegen die Anwohner wettern, die den Spielplatz an dieser Stelle erhalten wollen. „Ich habe Angst, dass es hinterher so geht: Anwohner gegen Eltern“, sagt der Vater, dessen Kinder die Kita besuchen. „Aber das wurde von Anfang an nicht mit Verstand gemacht und es wurde auch nicht ausreichend informiert.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das "Abenteuerland" bekommt neue Containermodule

17.08.2018
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Überall Container: Ein orangefarbener steht am Donnerstagabend, 16. August, vor den lindgrünen Containermodulen der Kita "Abenteuerland" (im Hintergrund). Fünf Gruppen besuchen den Herberner Kindergarten im neuen Kita-Jahr. Dafür werden in der nächsten Woche (21. und 22. August) neue Container geliefert. © Vanessa Trinkwald
Stehen die Container, geht es an die Pflasterarbeiten. © Vanessa Trinkwald
Die Kita "Abenteuerland" nahm Ende 2017 den Betrieb auf. Seitdem will der Ärger um das Provisorium nicht so recht abreißen.© Vanessa Trinkwald
Baustelle auf dem Gelände hinter der Auferstehungskirche: Der Boden ist vorbereitet, am 21. und 22. August kommen die neuen Container.© Vanessa Trinkwald
Der Boden für den Anbau ist vorbereitet, die Straße "Auf den Äckern" wird am Dienstag und Mittwoch (21. und 22. August) zwischen Parkplatz und Spielplatz gesperrt. Das Foto zeigt das Kita-Gelände vom angrenzenden Spielplatz aus. Auch der sorgt aktuell (mal wieder) für Ärger.© Vanessa Trinkwald
Der öffentliche Spielplatz neben der Kita: Erst sollte er verlegt werden - Anwohner beschwerten sich. Dann entschied die Politik, ihn nicht zu verlegen - das ärgert nun einige Eltern. 320 von insgesamt 800 Quadratmetern sollen der Außenspielfläche des Kindergartens nun zugeschrieben werden - so der Kompromiss.© Vanessa Trinkwald
Der öffentliche Spielplatz neben der Kita: Erst sollte er verlegt werden - Anwohner beschwerten sich. Dann entschied die Politik, ihn nicht zu verlegen - das ärgert nun einige Eltern. 320 von insgesamt 800 Quadratmetern sollen der Außenspielfläche des Kindergartens nun zugeschrieben werden - so der Kompromiss.© Vanessa Trinkwald
Der Zaun (im Hintergrund) wurde noch nicht versetzt. Das passiert, nachdem die neuen Container aufgestellt wurden.© Vanessa Trinkwald
Die Kita "Abenteuerland" nahm Ende 2017 den Betrieb auf. Seitdem will der Ärger um das Provisorium nicht so recht abreißen.© Vanessa Trinkwald
Trübe Aussichten: Die Erweiterung der Kita "Abenteuerland" erhitzt die Gemüter.© Vanessa Trinkwald

Die Anwohner:

Eine Verlegung des öffentlichen Spielplatzes kommt für die Anwohner der Straße „Auf den Äckern“ nicht infrage. „Es gibt Kinder in den umliegenden Häusern, für die wäre das sehr schade“, sagten sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Pattsituation. Darüber hinaus kritisieren sie die Außengestaltung der Container-Kita und die Informationspolitik der Verwaltung.

Das Kreisjugendamt:

Das Jugendamt des Kreises Coesfeld hat die Pläne der Verwaltung abgesegnet. „Das, was dort geplant ist, ist auch mit dem Landesjugendamt so geklärt“, sagt Detlef Schütt vom Kreisjugendamt. „Die geplante Fläche ist unserer Ansicht nach groß genug.“

Den Vorschlag, den Spielplatz als Kombi-Lösung für Kita und Öffentlichkeit zu nutzen, lehnt der Kreis Coesfeld aus versicherungstechnischen Gründen ab: „Das ist auch viel zu gefährlich“, sagt Schütt. „Wenn dort Glas liegt oder Spritzen – das geht nicht.“

Die Verwaltung:

Während Eltern und Anwohner klagen, von der Verwaltung nicht gehört zu werden, fragt Fachbereichsleiter Helmut Sunderhaus, warum man sich nicht erst mal an ihn wende, bevor man die Öffentlichkeit suche. „Bei mir hat keiner angerufen und das verstehe ich nicht.“ Klar könne man immer mehr machen. „Aber wir haben den Eltern das Bauvorhaben im Vorfeld vorgestellt und auch mit den Anwohnern gesprochen.“

Grundsätzlich, sagt er, habe man mit der Kita-Versorgung einen öffentlich Auftrag. Die Plätze, die im Kindergartenbedarfsplan für Herbern fehlten, hätten schnellstmöglich geschaffen werden müssen – und das passiere nun durch die Anlieferung neuer Container. „Die Betriebserlaubnis liegt vor, die Baugenehmigung liegt vor“, sagt Sunderhaus.

Dass so eine Bauphase im schon laufenden Kita-Jahr nicht optimal sei, verstehe er. „Solange aber können die Kita-Kinder den öffentlichen Spielplatz nutzen.“ Wenn die Container stehen, soll der Außenbereich verschönert werden – inklusive Sonnenterrasse und Rasen.

Die Politik:

Einstimmig haben die Fraktionen im Juni beschlossen, den öffentlichen Spielplatz an Ort und Stelle zu lassen. „Ich persönlich habe die Kombi-Lösung favorisiert“, sagt Josef Reher von der CDU. „Da das nicht ging, musste eine Entscheidung getroffen werden. Und ich denke, dass ein guter Kompromiss entstanden ist, um den Eltern eine schnelle Hilfe zu geben und auch den Anwohnern entgegenzukommen.“ Das sei sicherlich nicht die Idealvorstellung und „es tut uns allen ein bisschen weh“, aber das Ganze müsse auch umsetzbar sein.

Die Kita-Leitung:

„Natürlich bekommen wir das hier mit“, der Betrieb aber laufe seit einigen Tagen wie gewohnt, sagt Kita-Leiterin Manuela Jokiel. Sie bleibt sachlich bezüglich all der Querelen, die das Abenteuerland seit seiner Eröffnung Ende 2017 noch „abenteuerlicher“ machen.

Wie geht es jetzt weiter?

Fünf Gruppen besuchen die Kita „Abenteuerland“ im neuen Kita-Jahr. Dafür werden in der nächsten Woche neue Container geliefert. Der Boden für den Anbau ist vorbereitet, die Straße „Auf den Äckern“ wird am Dienstag und Mittwoch zwischen Parkplatz und Spielplatz gesperrt.

Im Herbst soll nach Angaben der Verwaltung mit den Anwohnern die Gestaltung des öffentlichen Spielplatzes beraten werden. Er soll mit neuen Spielgeräten aufgewertet werden. Einigen Eltern dürfte das wenig gefallen.

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