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Egon Zimmermann bereitet die Tagebücher von Journalist Heinz Rogge auf und entwickelt damit ein spannendes Zeugnis der Nachkriegszeit – bis zum ersten langsamen Aufschwung in Herbern.

Herbern

, 09.08.2018 / Lesedauer: 3 min

In Herbern war er bekannt und meistens mit seiner Kamera unterwegs. Man brauchte ihn nur „auf dem kleinen Dienstweg“ anzurufen und schon war er zur Stelle. Er war Auge und Ohr von Herbern. Oftmals belächelt, aber immer geachtet. Die Rede ist von Heinz Rogge (1930 bis 2014), der zu Lebzeiten mehr als 50 Jahre als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten tätig war.

Zwölf Tagebücher verfasst

Geschrieben hat Heinz Rogge schon immer gerne. Vor seiner Tätigkeit für die Redaktion in Werne schrieb er Tagebücher. Insgesamt zwölf an der Zahl in der Zeit vom 21. April 1945 bis zum 21. September 1958. Diese Tagebücher hat Rogges Witwe Erika vor einiger Zeit dem Gemeindearchiv überlassen.

Davon erfuhr auch Egon Zimmermann (71), der bereits zwei Bücher über die Dorfgeschichte Herberns mit dem Heimatverein Herbern herausgebracht hat. Das Buch über die Kriegsereignisse und deren Auswirkungen auf Herbern ist bislang 150-mal verkauft worden. Im Gemeindearchiv hat er viel Material für seine Bücher gefunden.

Tagebücher von Heinz Rogge aus der Nachkriegszeit werden veröffentlicht

Bisher hat Egon Zimmermann (71) zwei von insgesamt zwölf Tagebüchern durchgearbeitet. © Claudia Hurek

Viele Lebenserinnerungen

Nun widmet sich der ehemalige Lehrer den Tagebüchern von Heinz Rogge. „Ich habe ihn etwa 2010 einmal besucht; er brauchte meine Hilfe am Computer. Im Verlauf des Nachmittags hat er mir dann auch seine Tagebücher gezeigt und ich habe ihm geraten, die auf jeden Fall an das Heimatarchiv zu geben“, erzählt Zimmermann.

Zwölf kleine Büchlein, mal etwas dicker, mal etwas dünner, haben alle eins gemeinsam: Sie sind prall gefüllt mit den Lebenserinnerungen eines jungen Mannes an die Nachkriegszeit. Zusätzlich zu den schriftlichen Eintragungen sind viele mit Aquarell gemalte Bildchen zu finden, Bleistiftzeichnungen, eingeklebte Zeitungsartikel, Fotos und eine Vielzahl von Eintrittskarten – zum Beispiel in das Freibad Lünen. Die waren im Jahr 1958 für 0,10 DM zu haben.

Tagebücher von Heinz Rogge aus der Nachkriegszeit werden veröffentlicht

Neben seiner jounalistischen Ader verfügte Heinz Rogge über ein großes Talent: das Malen. © Claudia Hurek

Aber nicht nur schöne Erinnerungen, auch die schrecklichen direkt nach dem Krieg sind hier vermerkt. So lautet ein Eintrag vom 11. Juni 1945: Russische Arbeiter plündern weiter. Sie schlachten das Vieh ab, überfallen Frauen und Mädchen, ziehen Männern die Kleidung aus, um sie zu stehlen.

Statt Fleisch gab es Zucker

Am 3. April 1947 lautet der Eintrag: Alle Bergleute sind in Streik getreten. Es gibt für jeden 75 Gramm Fett und 3 Pfund Maisbrot. Nährmittel überhaupt nicht. In Hamm ist die Durchschnittszahl der Todesfälle um 2/3 gestiegen. Es gibt seit zwei Wochen kein Brot mehr und statt Fleisch gibt es Zucker. Armes Deutschland. Die Schwarzmarktpreise betrugen für eine englische Zigarette 3 Reichsmark, für 1 Pfund Speck 180 Reichsmark und für 1 Pfund Bohnenkaffee 300 Reichsmark.

Die Tagebücher lesen sich wie ein Geschichtsbuch. Auch wichtige politische Ereignisse, Aussagen über das tägliche Wetter sowie Urlaubsberichte sind akribisch notiert.

Lokale und politische Ereignisse

Egon Zimmermann hat sich eine Tabelle angelegt und diese aufgeteilt in lokale und politische Ereignisse, das Wetter und Sonstiges. „Ganz Persönliches lasse ich natürlich außen vor. Das hat niemanden zu interessieren.“ Die schönsten Zeichnungen sind bereits eingescannt und werden irgendwann in einem Buch mit den tabellarischen Ereignissen zu finden sein.

So hat der gelernte Dreher, der Mitglied in fast allen Herberner Vereinen sowie Rettungssanitäter gewesen ist, nicht nur seinen Freunden und Bekannten viele Erinnerungen an ihn hinterlassen, sondern auch ein spannendes Zeugnis der Nachkriegszeit bis zum ersten langsamen Aufschwung in Herbern.

Tagebücher von Heinz Rogge aus der Nachkriegszeit werden veröffentlicht

Zusätzlich zu den schriftlichen Eintragungen sind viele mit Aquarell gemalte Bildchen zu finden. © Claudia Hurek

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