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Der Verzehr regionaler und gesunder Lebensmittel liegt bereits seit einiger Zeit im Trend. Eine besonders vielfältige Salatbar bieten Wald, Wiesen und sogar der eigene Garten.

von Julian Reimann

Herbern

, 25.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Fragt man Gartenbesitzer, wie man mit Pflanzen wie Brennnesseln oder Giersch verfahren sollte, werden viele wohl sagen: Weg damit! Beide Pflanzen bekommen gerne den Stempel „Unkraut“ aufgedrückt. Dass sie aber durchaus ihre Berechtigung haben und vor allem auch gut schmecken, lässt sich hingegen in einem aktuellen Trend erkennen. Dabei kommen Wildkräuter oft auf den Teller - oder in die eigene kleine Hausapotheke.

Maren Haumann macht in Herbern bei verschiedenen Kräuterwanderungen und in Seminaren auf die Kräuterwelt vor der eigenen Haustüre aufmerksam. Direkt beim Schloss Westerwinkel betreibt sie ihre „Kleine Heilpflanzenschule“. Ihr Leben lang beschäftigt sie sich schon mit den verschiedensten Pflanzen, die Wald und Wiesen zu bieten haben.

Vor acht Jahren kam dann der Entschluss, das Wissen um Kräuter zu intensivieren und vor allem weiterzugeben. „Angefangen habe ich mit Kräuterwanderungen von zu Hause aus“, erzählt Haumann. Mittlerweile bietet sie regelmäßig Kräuterwanderungen und Seminare in der Orangerie des Schlosses Westerwinkel an. Den Trend, sich intensiv mit Kräutern für die Küche sowie mit Heilkräutern auseinander zu setzen, nimmt auch sie deutlich wahr.

Sammeln von Wildkräutern hat sich zu einem Trend entwickelt

„Das Interesse hat in den letzten Jahren noch einmal zugenommen“, erklärt die „diplomierte Kräuterhexe“, wie sie sich selbst mit einem Augenzwinkern nennt. „Viele verstärken ihr Bewusstsein für die Natur und für eine gesunde Ernährung.“ Kräuter, die frei in der Natur wachsen, dürften dabei nicht fehlen.

Das Sammeln der Wildkräuter für den eigenen Verzehr soll jedoch wohl bedacht sein. Einfach drauf loszusammeln, davon rät Haumann ab. „Wenn man mit dem Kräutersammeln anfängt, sollte man sich am Anfang auf zwei oder drei Pflanzen beschränken“, so Haumann. Die bereits erwähnte Brennnessel aber auch der Giersch wären optimale „Einsteiger-Pflanzen“. Sie erfüllen nämlich ein wichtiges Kriterium beim Sammeln: „Man sollte nur das sammeln, was man auch mit Sicherheit bestimmen kann.“

Mit Brennnessel und Giersch den Einstieg wagen

Die Brennnessel kennt eigentlich jeder. Freiwillig nähern möchte man sich ihr jedoch eher ungerne. Nur zu gut kennt man das Gefühl, wenn man aus Versehen mit den feinen Härchen auf den Blättern oder dem Stängel in Berührung kommt und sich daran „verbrennt“. Mit Handschuhen ist das Sammeln jedoch kein Problem. Beim späteren Verzehr muss man nicht befürchten, kleine Brandblasen im Mund zu bekommen.

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Der Giersch ist für viele Hobbygärtner nicht mehr als ein Unkraut. In der Küche ist die Pflanze jedoch vielfältig einsetzbar. © Maren Haumann

Und auch der Giersch sei leicht zu erkennen, gerade Gartenbesitzer kennen ihn nur zu gut. „Wer einen Garten hat, der braucht gar nicht weit gehen, um Giersch zu sammeln“, merkt Haumann an. „Für Gartenbesitzer ist er nämlich oftmals ein eher lästiger Zeitgenosse.“ Dabei kann man ihn, wie auch die Brennnessel, bedenkenlos essen. Egal ob als Tee, im Salat, als Pesto oder im Smoothie – beide Kräuter finden viele Verarbeitungsmöglichkeiten in der Küche, so die Kräuterexpertin aus Herbern.

Nicht überall ist das Sammeln von Wildkräutern erlaubt

Ist man sich sicher, dass man eine Pflanze erkennt, muss man nur den geeigneten Platz finden, wo man sammeln kann. Denn beim Pflücken und Sammeln gibt es Regeln, an die man sich zu halten hat. Außerdem sind nicht alle öffentlichen Flächen geeignet, um Kräuter für die Küche und den eigenen Verzehr zu sammeln.

Im Wald ist das Sammeln von Wildkräutern mit Einschränkungen erlaubt. Zum privaten Verzehr und in kleinen Mengen darf man Pflanzen im Wald sammeln, außer in Naturschutzgebieten, da ist Pflücken und Sammeln generell verboten. Mit Ausnahme der Naturschutzgebiete darf man fürs Sammeln auch die gekennzeichneten Wege im Wald verlassen.

Anders verhält es sich, wenn ein Waldgebiet in Privatbesitz oder als Jagdrevier gekennzeichnet ist. „Jäger haben es nicht so gerne, wenn man durch das Kräutersammeln Wild aufscheucht“, erklärt Maren Haumann. „Außerdem sollte man bei Privatbesitz immer um Erlaubnis fragen, bevor man einfach loszieht.“ So habe sie vom Schlossherren in Westerwinkel für ihre Kräuterschule die Erlaubnis, im Schlosspark zu sammeln. Für alle anderen begeisterten Sammler ist das Sammeln von Kräutern im Park verboten.

Abstand von Feldern, Hundewiesen lieber meiden

Dafür gebe es in Herbern und Umgebung genügend andere Stellen, an denen man sammeln könnte. „Brennnessel wächst beispielsweise fast überall“, meint Haumann. Egal ob im Wald, auf weitläufigen Wiesen oder sogar in Stadtparks. Doch auch hier sollte man einige Dinge beachten, erklärt die Wildkräuterexpertin: „Von Feldern sollte man mindestens zwei Meter Abstand halten, damit die Kräuter keinen Dünger oder Pflanzenschutzmittel abbekommen haben. Hundewiesen sollte man auch lieber meiden, ebenso wie Wegesränder.“

Wenn man dann den geeigneten Platz zum Sammeln gefunden hat, muss man sich gerade bei der Brennnessel keine Sorgen machen, sie mit anderen und vor allem giftigen Pflanzen zu verwechseln. Möchte man auch mal andere Kräuter sammeln, sei eine Führung ratsam.

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Das Aronblatt wächst oft zwischen Bärlauchpflanzen und führt zu Verwechslungen. Die sind nicht ungefährlich, da die Pflanze giftig ist. © Maren Haumann

„Bücher helfen nicht immer, da die Pflanzen auf der Wiese, je nach Blütestand, anders aussehen, als auf den Bildern im Buch“, meint Haumann. Von Apps würde sie aufgrund eklatanter Fehler abraten: „Ich habe mal testweise eine App benutzt und dabei festgestellt, dass Bilder von giftigen Pflanzen versehentlich unter essbaren Kräutern auftauchten.“

Führungen geben Sicherheit beim Bestimmen der Pflanzen

Bei ihren Führungen lässt sie sich Zeit, den Teilnehmern ein Gespür und vor allem Wissen zu vermitteln, welche Pflanzen sie sammeln können und welche nicht. „Gerade beim Bärlauch besteht bei uns in der Gegend eine Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Aronstab“, so Haumann. Dessen Blätter wachsen sogar zwischen denen des Bärlauchs hervor. Die in dem Zusammenhang häufig erwähnten (giftigen) Maiglöckchen würden hier dafür kaum wachsen.

Ist man sich bezüglich der Pflanze sicher, kann man das sammeln, was einem schmeckt. „Man sollte nur nicht die Pflanze mit der Wurzel herausreißen“, sagt Maren Haumann. „Bei der Brennnessel kann man beispielsweise die jungen und frischen Blätter von oben abpflücken.“ Dann würde das ganze Jahr über genug nachwachsen.

Die beste Zeit zum Sammeln sei zwischen März und Juni. Danach würden manche Kräuter einfach nicht mehr so gut schmecken. „Mit der Zeit werden die Kräuter dann hölzig und teilweise auch bitter“, so Haumann. Dann wäre es eher unangenehm, sie zu verzehren. Gerade im Frühjahr können sie jedoch viele Gerichte mit ihrem besonderen Geschmack abrunden.

Maren Haumann gibt in Herbern regelmäßig Seminare und Kräuterführungen. Weitere Informationen dazu sowie zu den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten für Wildkräuter finden sich auch auf ihrer Homepage unter www.kleineheilpflanzenschule.de
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