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100 Bananen für das Ruhrgebiet

DORTMUND An einer 40 Zentimeter großen Banane, an die Hauswand gesprüht von Thomas Baumgärtel, scheiden sich die Geister. Viele Museen und Galerien freuen sich über das inoffizielle Gütesiegel, andere lehnen es ab.

von Von Julia Gaß

, 16.07.2008
100 Bananen für das Ruhrgebiet

Ans Atelier Anschnitt in Dortmund hat Thomas Baumgärtel gestern die 30. Ruhrgebiets-Banane gesprüht.

Von Dienstag bis heute ist der in Rheinberg geborene Künstler auf seiner 2. Ruhrtour unterwegs, besichtigt Kunstorte - wenn sie ihm gefallen, hinterlässt er seine Sprühbanane. "100 Bananen für das Ruhrgebiet" heißt sein neues Projekt, zu dem ein Bildband erscheint.  Gestern war er im Atelier Anschnitt in Dortmund-Hörde. Mit Bananen-Notizbuch untern Arm geklemmt, ließ er sich von Designerin Tanja Melina Moszyk das Konzept des Ateliers erklären und besichtigte die Ausstellung.  "Es ist auch Bauchgefühl dabei", sagt Baumgärtel, "aber mich interessiert die Qualität der Künstler der Galerien und Museen und ob Kunst dort dauerhaft zu sehen ist."

Ans Kreuz genagelt 

Im Internet recherchiert der Bananensprayer, bevor er Kunstorte in die enge Wahl nimmt. "Und wir bekommen auch Empfehlungen", sagt er. 25 Jahre ist der 47-Jährige im Zeichen der Banane unterwegs. Weltweit, auch das Guggenheim Museum und das Moma New York, die documenta Kassel und Albertina Wien hat er geadelt.

Auf die Banane gekommen ist Baumgärtel zufällig: Er war Zivi im Krankenhaus Rheinberg. Über den Betten hingen Kreuze mit Porzellan-Christus. Als sie herunter fielen und die Figur zerbrach, wirkten die Kreuze Baumgärtel zu nackt. Zufällig hatte er eine Banane in der Tasche und hat die ans Kreuz genagelt. Damit war er als Bananenkünstler festgenagelt.

Picasso war Vorbild

Über 4000 Bananen hat er seitdem hinterlassen. Auch eine "Friedensbanane", die Picassos Taube nachempfunden ist und in Manhatten und an einer Kölner Kirche prangt. Witzig finden nicht alle den Mann mit den verrückten Ideen. Das Museum in Bochum wollte den Sprayer nicht empfangen. "Wir brauchen diesen Kick nicht. Das wir gute Arbeit machen, ist allgemein bekannt", sagt Museumsleiter Hans Günter Golinski. Das Atelier Anschnitt hat gestern die 30. Ruhrgebiets-Banane bekommen - als zweites Haus in Dortmund.

Das erste war 1994 das Museum am Ostwall. Aber diese Banane ist auf seltsame Weise verschwunden. "Bei uns weiß gerade niemand, wo sie ist", wundert sich Kuratorin Nicole Grothe. Normalerweise entfernt Baumgärtel seine Bananen selbst. Wenn ihm ein Kunstort nicht mehr bananenwürdig erscheint, sprüht er seine "Sprengbanane" über das Signet und entwertet es damit.