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100 Oberhausener Kinder schreien die Apokalypse

OBERHAUSEN. "Ich bin gespannt, was ihr gemacht habt", sagt ein Vater vor der "Lichtburg" zu seinem Sohn. "Ich habe gehört, das soll schön laut werden." Richtig: 100 Kinder schreien den Text der Apokalypse.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 01.08.2010

So wuchtig wurde uns die Bibel noch nie um die Ohren gehauen. 20 Minuten geht ein verbaler Sturzbach auf uns nieder. Regisseur Herbert Fritsch hat für seinen Film "Apokalypse" die Offenbarung des Johannes in Fragmente zerlegt. Die Kinder bellen Halbsätze heraus. Fritsch hat sie als redende Köpfe gefilmt, im Schnitt erst setzt sich die Untergangsvision zusammen. "Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd - und der darauf saß, dessen Name war Tod!" Die Reiter der Apokalypse. Eine Prophezeiung von Tod, Gewalt, Zerstörung. Einer der frühesten Horrortexte der Menschheit.Kalkulierter Zusammenprall

"Meine Akteure sind völlig unschuldig, der Text ist alles andere als unschuldig", beschreibt Herbert Fritsch den kalkulierten Zusammenprall von Kindlichkeit und Katastrophe. Er habe die Kinder angestachelt, den Text mit Emphase und viel Energie zu brüllen. Im Ergebnis hat Fritsch das Höllengemälde zur Karikatur übermalt. Gegen so viel Pathos ("Bluuut! Hurereiii!") wirkt jeder Hassprediger harmlos.Silbenhagel

Im Silbenhagel versendet sich die Botschaft. Dafür lacht man über die Botschafter: Goldige Knirpse, fiepsige Stimmen. Zahnlücken, Zahnspangen, Segelohren, Gelispel. Die Apokalypse wird zum Jux. "Das hat Spaß gemacht", sagt Luka Weinberg, der mit Schwester Kiara (8) vor der Kamera stand. Worum es geht im Text? "Hmm, das weiß ich nicht genau", bekennt der Zwölfjährige. Vielleicht ging es auch nur um ein Projekt (der Kurzfilmtage), das zur Oberhausener "Local Hero"-Woche viele Einheimische auf die Leinwand bringt.

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