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Lizenzverträge

Ärger um den E-Book-Verleih

DORTMUND Wer in die Bibliothek geht und sich ein E-Book ausleihen will, wird oft enttäuscht. Der Grund: Die Verlage sind nicht verpflichtet, ihre Bücher in elektronischer Form für den Verleih bereitzustellen. Das sorgt in den öffentlichen Bibliotheken für Unmut.

Ärger um den E-Book-Verleih

E-Books aus dem Rowohlt-Verlag – lesbar mit handlichen Geräten, so genannten „E-Readern“ – kann man in einer öffentlichen Bibliothek nicht entleihen.

Bei gedruckten Büchern ist der Verleih einheitlich geregelt. Hier gilt der sogenannte: „Erschöpfungsgrundsatz“ im Urheberrecht: Ob der Käufer eines Buches es verschenkt, weiterverkauft oder verleiht, darauf hat der Verkäufer keinen Einfluss.

In der digitalen Welt ist das anders. Die Bibliothek kann ein E-Book nur verleihen, wenn der Rechteinhaber bereit ist, eine Lizenzvereinbarung mit ihr abzuschließen. Die Bedingungen sind Verhandlungssache.

Verschiedene Modelle

Es gibt die verschiedensten Modelle, schildert Klaus-Peter Böttger, Leiter der Stadtbibliothek Essen. Mal müsse man nach 26 Ausleihen die Lizenz neu bezahlen, mal nach 52. „52 Ausleihen“, erklärt er, „das ist in etwa die Zahl, nach der ein physisches Buch zerlesen ist und neu angeschafft werden muss.“ Andere Lizenzen würden nach vier Jahren auslaufen.

Im Normalfall, ergänzt Böttger, dürfe ein E-Book zudem immer nur einem Leser zur Verfügung stehen. „Ausnahme sind XL-Lizenzen: Da ist ein begrenzter Mehrfachdownload erlaubt.“

Plattformen, über die die Lizenzvergabe von E-Books abgewickelt wird – wie der Marktführer Divibib – haben bereits eine Vielzahl von Titeln mit den Verlagen verhandelt. Aber es gibt auch noch eine Reihe von Verlagen, die ihre E-Books nicht für Bibliotheken lizenzieren.

"In Gesprächen"

Divibib, so Sprecher Axel Stolper, kooperiere aktuell mit rund 2400 Publikumsverlagen und biete rund 190 000 E-Books an, die speziell für öffentliche Bibliotheken aufbereitet werden. Mit dem Stark-Verlag, der Holtzbrinck-Gruppe (unter anderem Fischer und Rowohlt) und Bonnier sei man „in Gesprächen“.

„Teilweise sind es geschäftspolitische Entscheidungen, sich nicht an Verleih- oder Mietmodellen zu beteiligen“, sagt Axel Stolper, „teilweise ist es die unbegründete Angst, dass die E-Book-Verkäufe kannibalisiert werden.“

Die mangelnde Bereitschaft einiger Verlage, ihre Inhalte für Bibliotheken zu lizenzieren, „wird sich auf die Aufgabe öffentlicher Bibliotheken, umfassende Kultur- und Informationsdienstleistungen für alle Bürger anzubieten, empfindlich auswirken“, heißt es vonseiten des Deutschen Bibliotheksverbands.

Rasche Entwicklungen

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels weist auf den Willen der Verlage hin, mit den Bibliotheken als „Partnern“ zu kooperieren – aber inmitten von raschen Entwicklungen auf dem E-Book-Markt, der sich in einer relativ frühen Phase befinde, müsse Wert auf nachhaltige Geschäftsmodelle gelegt werden.

„Der Gesetzgeber ist deshalb gut beraten, Bibliotheken, Verlage und Buchhandel dabei zu unterstützen, vernünftige Lizenzierungslösungen zu erarbeiten“, so der Börsenverein. Als problematisch betrachtet er, dass es seinen Mitgliedern kartellrechtlich verwehrt sei, über branchenweite Lizenzierungslösungen für die E-Book-Nutzung mit Bibliotheksverbänden zu verhandeln.

Die Stadtbibliothek Essen, sagt Klaus-Peter Böttger, verleihe seit Dezember 2012 E-Books. Im ersten Jahr habe es rund 41 000 E-Book-Entleihungen gegeben, im zweiten 55 000. 2015 habe man bereits im ersten Halbjahr rund 41 000 Entleihungen gezählt.

Ein Rätsel

Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, sagt Johannes Borbach-Jaene, kommissarischer Bibliotheksdirektor, verleihe erst seit 2014 elektronische Unterhaltungsliteratur. Im ersten Halbjahr 2015 habe es 17 000 Entleihungen gegeben.

Für die Kunden, sagen Böttger und Borbach-Jaene, sei der E-Book-Verleih vor allem eins: irritierend. Immer wieder würden intensive Gespräche geführt. Warum das Verleihen elektronischer Bücher so viel komplizierter ist als das Verleihen gedruckter Bücher – es sei den meisten ein Rätsel.  

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