Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Anselm Kiefer sprengt mit "Am Anfang" den Raum

Bundeskunsthalle Bonn

„Am Anfang“ ist das 3,80 Meter mal 5,60 Meter messende Bild benannt, das den Titel zur Anselm-Kiefer-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle liefert. Die umfangreichste private Kiefer-Sammlung hat der Unternehmer Hans Grothe zusammengetragen. Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt sie auf 2000 Quadratmetern erstmals fast vollständig.

BONN

von dpa/epd

, 19.06.2012

Bis zum 16. September ist die Schau zu sehen, in der 24 teils mehrteilige Werke von 1978 bis 2012 zu sehen sind. Es sind die imposanten Formate, die beim ersten Eintreten beeindrucken. Erstmals ist das vollständige Werk „Essence-Existenz“ zu sehen, in dem sich auf 22 Metern ein Bergpanorama präsentiert. Mit all den Zutaten, die zum Werk des Künstlers gehören wie Mystik, Philosophie und skulpturale Applikationen.Kiefer arbeite Geschichte auf und zeige, was war und was möglicherweise sein werde, sagt der Vorsitzende der Stiftung Kunst und Kultur und Direktor des Duisburger Museums Küppersmühle, Walter Smerling, der die Ausstellung kuratierte. Die Exponate seien Schlüsselwerke. Nach Gerhard Richter sei Kiefer der weltweit am meisten gesammelte lebende deutsche Künstler, sagt der Intendant der Bundeskunsthalle, Robert Fleck.

Kiefer schafft Bildräume. „Am Anfang“ zeigt gegen den Strand anrollende Wellen und regenschwere dräuende Wolkenberge. Vom oberen Bildrand hängt eine Strickleiter, bis auf den Museumsboden reicht sie und kringelt sich dort weiter. Zwischen den Sprossen steckt Fotopapier mit Bildern von Türmen. Zu sehen ist auch ein Container, den Kiefer 1987 aus Protest gegen die Volkszählung gebaut hat. Die Bundesrepublik hatte damals 60 Millionen Einwohner. Im Inneren des Behälters hängen Bleiblätter auf deren Oberfläche 60 Millionen Erbsen aufgetragen sind.

Im selben Raum sorgt der Skulpturenkomplex „20 Jahre Einsamkeit“ für Interesse. Auf fünf Holzpaletten sind Bleiblätter aufgestapelt, auf denen aufgeschlagene Kassenbücher liegen. Inspiriert wurde Kiefer durch Celans Gedicht „Ich bin allein“. Eine metallene Wendeltreppe schraubt sich offenbar endlos in die Höhe, scheint durch das Dach der Bundeskunsthalle zu wachsen. Sie ist in diesem Jahr entstanden, trägt den Titel „Bavel Balal Mabul“ (Babel, Sprachverwirrung, Sintflut) und empfängt die Besucher am Eingang.

Typisch für den 67-jährigen Künstler, der seit 1993 in Südfrankreich lebt, ist, dass seine Gemälde den zweidimensionalen Raum sprengen und in das Bild hineinziehen. Das erreicht Kiefer mit dick aufgetragenen Farben und Schichten aus Erde, Blei oder Lack. Und er arbeitet mit skulpturalen Applikationen aus Blei, mit Pflanzenteilen, Haaren und Kleidung.

Bundeskunsthalle Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4: „Am Anfang. Anselm Kiefer“, 20.6. bis 16.9., Di/Mi 10-21 Uhr, 10-19 Uhr.