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"Meine Zeit mit Cézanne" im Kino

Auch Genies können nörgelnde Stinkstiefel sein

Der eine zu Lebzeiten ein Schriftsteller-Gigant, der andere geschmäht und verspottet, erst posthum in den Maler-Olymp erhoben. Während Emile Zola im Ruhm badet, werkelt Paul Cézanne einsam misanthropisch vor sich hin, sich selbst sein größter Feind.

Auch Genies können nörgelnde Stinkstiefel sein

Als wäre es ein Bild von Renoir: Die Künstler beim gemeinsamen Picknick

Zola steht auf der Sonnenseite, Cézanne brütet im Schatten vor sich hin. Die beiden waren Freunde. Von der Chemie zwischen dem Erfolgsmenschen und dem Choleriker erzählt Danièle Thompson in ihrem Doppelporträt "Meine Zeit mit Cézanne". Frankreich klopft sich gern auf die Schulter, wenn es um seine Nationalhelden geht, Thompson bleibt vorsichtig mit dem Genie-Kult.

Maler haut seine Bilder in die Tonne

Cézanne (Guillaume Gallienne) kocht, weil die Akademie ihn links liegen lässt, er haut seine Bilder reihenweise in die Tonne. Zola (Guillaume Canet) gesteht dem Freund, er habe eine Schreibblockade, seine besten Tage seien vorbei. Aufgeben wird keiner.

Menschliches steht im Zentrum des Films, erst dann kommt die Kunst. Rückblenden beleuchten den Weg der zwei. Freunde seit Schultagen, als junge Wilde in der Pariser Boheme, viele Treffen in der Provence, wo die Kamera Licht und Landschaft schwelgerisch schön einfängt.

Irgendwann kommt das Zerwürfnis

Sie debattieren, sie streiten. Cézanne, der Stinkstiefel, mokiert sich über Zolas großbürgerliche Fassade, nörgelt, dass der das Leben anderer (vor allem seines) für seine Romane auslutsche. Zola bleibt geduldig mit dem Grobian, doch irgendwann kommt es zum Zerwürfnis.

Das ist brav betulich, etwas dialoglastig inszeniert. Zeitkolorit lugt herein, der Krieg von 1870, die Kommune, die Affäre Dreyfus. Amouröses spielt eine große Rolle in den Gesprächen der Herren Künstler. Zolas Frau (Alice Pol) war einst die Gefährtin von Cézanne. Der hat einen Sohn, gibt aber nichts auf Gefühle, während Zola mit der Kammerzofe liebäugelt.

Frauen nur als Anhängsel

Leider sind hier die Frauen nur das Anhängsel großer Männer - da steckten auch Geschichten drin. Trotzdem: Alles in allem handwerklich solide gemacht.

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