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Audienz beim Heiligen Vater

Neu im Kino: Wim Wenders‘ Doku über Franziskus

Wim Wenders hat die Doku „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ gedreht - eine liebedienerische Hommage, die im Vatikan sicher gut ankommen wird.

Dortmund

von Kai-Uwe Brinkmann

, 10.06.2018
Audienz beim Heiligen Vater

Papst Franziskus segnet einen Gläubigen. Wim Wenders‘ Film über ihn startet am Donnerstag. © Universal Pictures

Spielfilme von Wim Wenders werden immer belangloser, seine kreative Ader scheint zu versiegen. Seit Langem betätigt er sich als Dokumentarist, der anderen Künstlern den Scheinwerfer anknipst. Er hat Regisseure und Modeschöpfer porträtriert, Bands wie BAP und U2, Pina Bausch und den Fotografen Sebastiao Salgado. Wim Wenders segelt dann einfach im Kielwasser der Kunst der anderen.

Eine Hommage aus dem Vatikan

Jetzt hat Wenders dem Chef im Vatikan eine Hommage gewidmet: Für „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ hat der Filmemacher vier Sitzungen mit Franziskus absolviert, sonst auf Material aus Archiven des Vatikans zurückgegriffen.

Der Film sei keine Auftragsproduktion, beteuert Wenders, selbst wenn die päpstliche Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Projekt auf ihn zukam. Dass der Film völlig unabhängig finanziert sei, wie Wenders sagt, ist wohl ein wenig geflunkert, wenn das „Centro Televiso Vaticano“ unter den Produzenten gelistet ist.

Doku ist distanzlos und liebesdienerisch

Am Ende fällt die Doku jedenfalls so distanzlos und liebedienerisch aus, dass man am Heiligen Stuhl hocherfreut sein dürfte. Gründe für eine Laudatio gibt es. Franziskus hat viel bewegt. Er hat die Rolle der Frau neu definiert und arbeitet für eine Kirche, die nahe an den Menschen und ihren Nöten ist. Aus seinem Umfeld hat er den Luxus verbannt, er mag es schlicht, er lebt, was er predigt.

Spielszenen, in denen das Papstvorbild Franz von Assisi auftritt, lavieren am Rand des Heiligen-Kitschs. Wir sehen den Papst bei Flüchtlingen, bei Taifun-Opfern, mit muslimischen Geistlichen. Die Musik tönt weihevoll pathetisch, wie auch Wenders‘ Off-Kommentare. Der Papst im Helikopter über Rio.

Propaganda für einen Guten

Der Papst spricht zu den Gläubigen. Verzückte Gesichter in der Menge. Das kommt uns bekannt vor. Aus solchen Bildern hat Leni Riefenstahl für Hitler „Triumph des Willens“ komponiert. Nicht dass der Heilige Vater und der Teufel in Menschengestalt vergleichbar wären, doch in den Filmen gibt es Analogien. Wenders macht hier Propaganda, wenn auch für einen Guten.

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